Schwerin, seine Einbäume, sein Weltkulturerbe, seine Nieten

Vor rund 7000 Jahren wurden sie mühsam von unseren Vorfahren geschaffen. Dann versanken sie in Vergessenheit. Sie lagen als Zeugnis vergangener Tage gut konserviert in der Erde von Stralsund. Dort wurden sie 2002 gefunden und nach Schwerin gebracht. Die inzwischen als Weltkulturerbe eingestuften Boote wurden dort in die Garage einer ehemaligen Militäranlage eingelagert und sich selbst überlassen. Frost und Schimmel machten sich über die empfindlichen Boote her und 2004 stürzte auch noch ein Teil des Gebäudes ein. Da waren dann die Reste der Einbäume fast vollständig zerstört. Schwerin ist arm, deshalb muss die Ruine immer noch genutzt werden, was solls, das Weltkulturerbe war ja sowieso schon zerstört. Wozu da noch eine Puseratze ausgeben?

Es standen aber Mittel bereit, um die Kähne zu restaurieren. Es wurde eine Gefriertrocknungsanlage für 60.000 Euro angeschafft, aber nicht aufgestellt, man hatte dafür keine Räumlichkeit. Armes Schwerin! Wo der Rest des Geldes ist, davon haben Schwerins Amtsinhaber keine Ahnung. Wo es abgeblieben ist, versucht jetzt der Landesrechnungshof festzustellen. Ob die es wiederfinden?

Schlimm nur, dass andere die Einbäume nicht vergessen hatten. Seit Oktober letzten Jahres versuchte der Welterbebeirat von den Schwerinern zu erfahren, wo die Boote abgelieben sind. Geantwortet haben die Ortsgewaltigen gar nicht oder ausweichend. Wozu auch – ging doch bloß um ein bißchen vergammeltes Holz. Mann, oh Mann – was für Kulturbanausen sind da in Schwerin versammelt. Wenn ihr wieder mal was findet, dass für die Menschheit interessant sein könnte, bitte lasst es in der Erde, bis welche kommen, die Interesse daran haben es für die Nachwelt zu bewahren.

  1. Dirk

    …aber angezählt wurden der Stralsunder OB, und der Weltkulturerberat, oder wie das Gremium genau heißt – und zwar aus Schwerin! Alle waren sie dort entsetzt und reagierten mit „Wie kann man nur?“ Aber die Forderungen nach Aufklärung sind mittlerweile in der Tat (fast) verstummt.

    Aber woher weißt du, dass die Schweriner Schuld sind? (Ich nehme mal an, du meinst Politiker und nicht Einwohner.) Kannst du mir interessehalber eine Quelle nennen? ( Ich arbeite ja wie du weißt redaktionell mit MV-Nachrichten, fast täglich)
    LG Dirk

    1. Bernd

      Nö – die Schweriner sind nur insoweit mit verantwortlich, als das sie die Trantüten gewählt haben und sie jetzt nicht zum Teufel gejagt haben.
      Ouelle: Berliner Morgenpost und Märkisch Oderland Zeitung, hinzu Recherchen im Internet, da hatte eine Süddeutsche Zeitung einen für Schwerin peinlichen Artikel geschrieben.
      LG Bernd

Kommentare sind geschlossen.