Schulnoten killen Lernwillen

Heute las ich einen Artikel über unser Notensystem in den Schulen. Die Pädagogin Ursula Leppert prangert darin das Benotungssystem an deutschen Schulen als ungerecht an.

Es wurde an einem Beispiel nachgewiesen, dass ein und dieselbe Mathearbeit eines Schülers von 153 Mathelehrern in einem Notenbereich von eins bis fünf bewertet wurde. Da kann ich nur sagen, dass geht wohl gar nicht. Aber wie so vieles im Leben, immer wenn ein Mensch etwas wertet, spielen dabei individuelle Gründe eine große Rolle. Schüler werden an deutschen Schulen nie gerechte und überall im Land nachvollziehbare Noten bekommen. Frau Leppert meint vollkommen richtig, schlechte Zensuren zerstören auf Dauer den Lernwillen des Schülers, treibt ihn ins Abseits des Schulbetriebs. Sie plädiert für ein Bildungssystem ohne Schulnoten, wie es schon lange, mit Erfolg, in Finnland praktiziert wird. Dort wird über den Schüler bis zur achten Klasse nur ein Lernbericht geführt. Kein Damoklesschwert wird jahrelang über die Kinder geschwungen.

Der Pädagogin stimme ich aus vollem Herzen zu, da ist aber ein, wie mir scheint, wesentlicher Punkt, den sie nicht berücksichtigte. Der Punkt führt geradewegs, besonders bei den jungen Herren, zum dauerhaften  Schulschwänzen und in der Folge zu einem Schulabgang ohne Abschluss.

Es geht um das Bewerten fehlender Hausaufgaben mit einer Sechs. Ein Beispiel, es werden drei Mathetests im halben Jahr geschrieben und der Kandidat „Schüler“ bekommt für alle eine Drei. Er müsste und würde auf dem Zeugnis eine Drei bekommen. Unser Schüler macht aber des öfteren seine Hausaufgaben nicht, dafür  wird jedes Mal eine Sechs in das Klassenbuch geschrieben. Zur Zeugniszeit rechnet der Lehrer, Hausaufgaben nicht gemacht, gibt dreimal die 6 gleich 18 Punkte, drei Mathetests mit dreimal eine 3 macht 9 Punkte, alles zusammen ergibt 27 Punkte. Diese Zahl teilt er durch die drei geschrieben Mathetests und bekommt eine 9, die Zahl gibt es aber im Notensystem nicht, das geht nur bis 6 und die Zensur bekommt er dann.

Hier wird nicht das Wissen des Schülers bewertet, das spielt in dem System nur noch eine untergeordnete Rolle. Dass Fehlen der Hausaufgaben wird für ebenso wichtig und aussagekräftig eingeschätzt, wie das Wissen des Schülers. Beides wird vermengt und ergibt ein total falsches Bild über den tatsächlichen Stand des Wissens unseres Schülers.

Eines Tages, nach einigen fehlenden Hausaufgaben, sagt sich unser Schüler, wozu soll ich noch lernen oder zur Schule gehen, sollen sie mir doch eine sechs eintragen. Ist doch egal, von der 6 komm ich eh nicht mehr runter und damit beginnt der Einstieg ins Schulschwänzen.

Früher war es so, dass das vorhandene Wissen bewertet wurden. Fehlende Hausaufgaben wurden mit hartem Nachsitzen bestraft. Der Lehrer korrigierte in der Zeit seiner Hefte und der Schüler war sauer, dass er dort am Pranger sitzen musste. Mit der Zeit lernte er seine Aufgaben zu erledigen und die Note im Zeugnis zeugte über wahres Wissens, nicht wie heutzutage das Gemenge aus verschiedenen Dingen. Ich glaube unsere Lehrer sind dazu nicht mehr bereit, wie früher, auch nur eine Stunde länger in der Schule zu verbringen als sie müssen. Es ist ja auch viel einfacher Sechsen zu verteilen, als sich mit jedem einzelnen Schüler zu befassen.

  1. Renate

    Ich war glücklicherweise eine gute Schülerin, und Lernen fiel mir sehr leicht. Das lag bestimmt auch daran, dass ich die Volksschulzeit in einer Zwergschule absolviert habe. Vier Klassen in einem Zimmer. Es gab zwar einen Stundenplan, aber den hielt die (sehr fähige) Lehrerin nur bedingt ein. Sie wechselte von Geschichte zu Erdkunde, Rechnen, Geometrie (Raumlehre hieß das damals) und Deutsch, so wie sie meinte, dass es passt. Und es passte immer!
    Meine Volksschulzeit war die effizienteste und fröhlichste Lernzeit, die ich je hatte. Ich denke gern daran zurück!

    Wir bekamen zwar auch Noten, die wurden aber sehr gerecht verteilt. Und auch nach persönlicher Sichtweise der Lehrerin, Fräulein Donner. Ich werde sie nie vergessen und erinnere mich an eine lustige Episode.

    In irgendeiner Unterrichtsstunde kam sie aufs Kochen zu sprechen und erzählte uns von einem Gericht, das sie gekocht hatte. Butter war dabei. Also erzählte sie dauernd …. man nimmt den Butter …. und dann tut man den Butter …. und wenn der Butter flüssig ist …. (ich bin in Südbaden aufgewachsen, und die Alemannen sagen „der“ Butter).
    Nachdem Fraäulein Donner ungefähr 20 Mal „der Butter“ gesagt hatte und der Bericht über das Rezept fertig war, sagte sie: Kinder, es heißt übrigens „die“ Butter. Köstliche Erinnerung! Die muss ich doch gleich mal in mein Blog schreiben – fällt mir jetzt ein.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Angelika Beitragsautor

      Liebe Renate,
      ich habe mich köstlich über Dein Fräulein Donner und „der Butter“ amüsiert. Du solltest Dein Versprechen wahr machen und noch mehr darüber in Deinem Blog schreiben.
      Lieben Gruß
      Angelika

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