Recht haben und Recht bekommen

Es ist jetzt ein gutes halbes Jahr her, da hat so ’n Gutmensch seinen Vierbeiner auf mich gehetzt und der Hundefreund wollte mich anschliessend noch verprügeln. Das Abenteuer trug mir eine zerfetzte Hose und einige Arztbesuche ein. Den Zeitgenossen hatte ich vorher noch nie gesehen, geschweige denn je ein Wort mit ihm gewechselt. Der Anlass für seine Attacke war ein Artikel, den ich vor Monaten auf meiner Webseite veröffentlichte. Der Mann hatte eben seine eigenen Vorstellungen von Meinungsfreiheit. So landete denn mein Fall, ein Fall war es inzwischen, bei der Staatsanwaltschaft und ich hoffte auf Gerechtigkeit. Hoffen darf man, sollte dabei aber nie vergessen, das Justitia eine Binde vor den Augen hat.

Dann war es soweit, ein Brief der Staatsanwaltschaft fand den Weg zu mir. „Der Hundebesitzer weiß nichts davon, dass er seinen Hund auf dich gehetzt hat und wir können ihm auch nicht das Gegenteil beweisen.“ Ja, so stand es da und weiter: „Deshalb ist die vorsätzliche Körperverletzung nur noch eine fahrlässige und die geht uns, das Amt nichts an und ein öffentliches Interesse liegt dann auch nicht vor. So wird von Amts wegen gehandelt, wenn es um Otto Normalverbrauchers Belange geht.

Da gibt es aber noch eine andere Klientel in Deutschland, da besteht grundsätzlich ein öffentliches Interesse an einer Verurteilung des Täters, obwohl dessen Tat niemanden wirklich auch nur die Bohne interessiert. Ob da ein böser Bube eine Schrippe geklaut hat, weil Kohldampf ihm quälte, oder Einer sich erfrechte, für Nass S-Bahn zu fahren, der wird verknackt, aufs heftigste, weil angeblich öffentliches Interesse besteht. Wo kommen wir da hin, wenn jeder sich bei Aldi, Lidl, Kaisers u.a. ohne Money bedient. Schwarzfahren ist ebenfalls ein Delikt mit größtem öffentlichen Interesse, gehören die meisten Verkehrsunternehmen doch der Öffentlichen Hand.

Da grübele ich nun, wieso sieht die Staatsanwaltschaft bei Discountern und Nahververkehrsbetrieben ein öffentliches Interesse, obwohl der Schrippenklau und die Schwarzfahrt niemanden die Bohne interessiert? Wieso sieht sie kein öffentliches Interesse mehr, wenn Du, Du oder ich geschlagen, gebissen oder bedroht werden? Ob es daran liegt, dass die Aldis und Lidls dieser Welt mächtig und reich sind und Du, Du und ich nicht?

  1. Radefeld

    Siehst Du das ganze nicht ein bisschen eng, auf Dich bezogen? Stimmt es wirklich, dass der Hundebesitzer DIR wegen Deines Artikels schaden wollte oder war es nur ein dummer Zufall. Woher kannte er Dich? Oder bist Du zu großzügig mit Deinen persönlichen Daten gewesen? Da könnte ja sonst jeder kommen und praktisch jeden anzeigen. Ob es wahr ist oder nicht müssen Gerichte prüfen. Das ist ihre Aufgabe. Und nur dort, wo Beweise vorliegen, kann auch geurteilt werden.
    Versuche doch mal, die Sache mit den Augen der Richter zu sehen. Diese „Gegensicht“ hilft mir oft, über (scheinbare) Ungerechtigkeiten hinwegzukommen.
    Liebe Grüße
    MFR

    1. Bernd

      Hi Manfred
      Das sehe ich wahrscheinlich nicht zu eng. Nach dem Biss ist er mit erhobener Faust auf mich los und brüllte irgend etwas davon, dass ich aufhören solle meine Lügen zu verbreiten. Wozu sollte er mit der Faust auf mich losgehen und solch einen Satz sagen, wo wir uns nicht mal kennen? Obendrein hat mich ein paar Tage zuvor eine Frau angehalten und gefragt: “Sind Sie Herr Wohlers?” Hinterher stellte sich heraus, es war seine Frau. Ein paar Monate zuvor hat mich schon einmal einer verprügeln wollen, des gleichen Artikels wegen. Der kam von dem Grundstück der Person über die der Artikel handelte. Ja und der Hundefreund ist auch einer ihrer Nachbarn. Zuviel Zufall!
      Liebe Grüße
      Bernd

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