Raub oder Beute – Wo ist da der Unterschied?

Die Wehrmacht, einst das größte deutsche Club-Reisebüro, vermittelte ihren Mitgliedern Reisen in viele Länder. Auf den Besuchsprogrammen standen regelmäßig auch Stipvisiten in die Museen der unfreiwilligen Gastgeber. Bei diesen Besichtigungen klauten die deutschen Besucher, was sie nur wegtragen konnten.

Die Reisebüros der Engländer, Amerikaner, Russen und Franzosen verhielten sich bei ihren späteren Gegenbesuchen ebenso. Ihre Reisenden klauten und klauten, bis sie ermattet zu Boden sanken. Jedenfalls waren unsere Kunsttempel danach ratzekahl ausgeplündert.

Nach 1945 nahmen unsere Gäste, dass zuvor von unseren Reisenden Gestohlene zurück, vergaßen aber, dass von ihren Mitgliedern Geraubte zurück zu geben. Seitdem kann ich immer wieder feststellen, dass unsere Zeitungen die gegenseitige Plünderei unterschiedlich bewerten. Hat die Wehrmacht etwas entwendet, dann ist es seit Kriegsende „Raubkunst“, haben es sich aber unsere späteren Freunde unter den Nagel gerissen, dann spricht man etwas vornehmer von „Beutekunst“.

So richtig verstehe ich den dialektischen Unterschied nicht, geklaut ist doch geklaut, oder sehe ich da was falsch?

  1. Renate

    Ach, lieber Bernd, Zeitungen … bzw. die Schreiberlinge … sich über die aufzuregen, habe ich schon lange aufgegeben. Unter anderem deshalb habe ich das SZ-Abo auch gekündigt. Ich lese jetzt die Second-Hand-Zeitung meiner Nachbarn, ein Regionalblättchen.

    1. Bernd

      Ich brauche morgens meine Zeitungen, die „Märkische Oder Zeitung“, ein sehr gutes liberales Blatt und die „Berliner Morgenpost“, lange nicht so gut wie die MOZ, aber spritziger geschrieben.

  2. Renate

    Geklaut ist geklaut, lieber Bernd. Aber wir wissen ja, dass Gleiches noch lange nicht gleich ist. Denn was gleich ist, entscheidet oft jemand, den wir nicht dazu beauftragt haben…
    Herzlicher Gruß von Renate

    1. Bernd

      Nur, warum geben sich unsere Zeitungen dazu her, unsere Väter schlechter dastehen zu lassen als die Väter anderer Nationen.
      Lieben Gruß
      Bernd

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