PSA Test beim Urologen

Es ist schon einige Jährchen her, da drückte mir mein Hausarzt eine Überweisung zum Urologen in die Hand. Also machte ich mich auf den Weg nach Strausberg, wo solch ein Doktor seine Dienste anbietet. Anmelden und in einem breiten Gang, der gleichzeitig als Wartezimmer diente, auf meinen Auftritt bei dem Medicus warten. Da hockte ich nun in dem langen Schlauch, von dem viele Türen abgingen und betrachtete das muntere Treiben. Wie in einem Film, gab es auch hier einen Hauptdarsteller, ein junger Mann in Weiß spurtete von Tür zu Tür, verschwand mit einem Patienten, kam einige Augenblicke wieder herausgerast, sauste zur nächsten Tür, das Spielchen wiederholte sich am laufenden Meter. Bald bekam ich Einblick, hinter den meisten Türen verbarg sich ein Sprechzimmer, der gute Mann hatte sich davon drei oder vier zugelegt. Hatte er einen seiner Räume verlassen, tauchte auch bald der vorher in dem Behandlungsraum verschwundene Patient auf, eilte, meist, zur Sprechstundenhilfe und reichte einige Banknoten über den Thresen.

Ich war noch in den Überlegungen verstrickt, wieviel Kohle der Meister so pro Tag scheffelt, da wurde ich aufgerufen. Der rennende Arzt taucht auf, untersuchte mich genau so flott und setzte sich dann gewichtig hinter seinen Schreibtisch, bat mich Platz zu nehmen und hatte auf einmal etwas Zeit für mich übrig. „Ihre Prostata ist ganz in Ordnung“, verklickerte er mir, „aber ich kann sie eben nur von einer Seite abtasten und um die andere Seite zu begutachten, bedarf es eines PSA Tests“. Mitleidig fuhr er fort, „leider zahle die Kasse den PSA Test nicht und so müsse ich, wenn ich denn alles wissen möchte, als Privatpatient, dreißig Euro abdrücken, wenn nicht, brauche ich ihn auch nicht weiter beehren“.

Jetzt wußte ich, wieviel und für was die an der Kasse schlangestehenden Männer ihr Bestes hergaben, bei vier Sprechzimmern und flotter Bewegung, eine wahre Goldgrube. Gezahlt habe ich nicht und den Scheffler gemieden, bei ihm kam mir doch einiges spanisch vor.

Ein Zeitungsartikel rückte mein Weltbild über Urologen zurecht. Da stand’s in Fettdruck: PSA „Test nützt wenig“ und weiter ging’s:

Die flächendeckende Vorsorgeuntersuchung von Männern auf Prostatakrebs bringt laut einer US-Studie nur wenig. Das britische Fachblatt „British Medical Journal“ veröffentlichte den Bericht eines Wissenschaftlers der Universität Florida. Danach gibt es keinen großen Unterschied bei der Todesrate von Männern, die getestet und solchen die nicht getestet wurden. Unsere Erkenntnisse zeigen, dass die erwartete Auswirkung im besten Fall bescheiden ist“. schrieb der Wissenschaftler.

So habe ich doch instinktiv erkannt, der wollte nur mein Bestes, meine Gesundheit kam erst an zweiter Stelle. Wanderer, kommst du zum Urologen und der will Geld für einen PSA Test, überlege genau was du willst.

3 Gedanken zu „PSA Test beim Urologen

  1. Renate

    P. S.: 10 Untersuchungen pro Tag = 300 Euro. Da der Herr Doktor ja ein geübter Jogger ist, wird statt der 3 wohl eine andere Zahl relevant sein.

    Ob er die wohl versteuert?

    1. Bernd

      Liebe Renate, ich besuchte ihn an einem Vormittag, mitten in der Woche und da hockten schon so an die 30 Opfer. Wenn er’s nicht versteuert, ist er blöd, bei der Einnahmeschwemme hat er’s nicht nötig Papa Staat zu besch…
      Lieben Gruß
      Bernd und ein grinsender Feuerspucker

  2. Renate

    Habe erst herzlich gelacht über deine blumige Beschreibung, lieber Bernd.
    Dann habe ich mir gedacht, was es doch immer wieder für Typen gibt, denen es nur darauf ankommt, andere Menschen abzuzocken. Und der „Herr Doktor“ ist halt nach wie vor eine „Respektsperson“, der man (die meisten) vertraut.

    Wir werden an allen Ecken und Enden verarscht. Nicht nur von Politikern und Konsorten…

    Also bleibt nix anderes übrig als: Holzauge sei wachsam! Aber das bist du ja…. 😉

    Nächtliche Grüße an dich und den Feuerspucker – von Renate

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