Praktikum zu vergeben!

In der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die Sklaverei abgeschafft. Das war eine der großen Leistungen in der Menschheitsgeschichte. In unserem schönen Ländle dagegen wurde sie wieder eingeführt. Sie hat nur einen anderen Namen erhalten, einen klangvolleren – Praktikum.

Einst haben große und kleine Betriebe Lehrlinge gesucht, ausgebildet und für die Ausbildung wurde vom ersten Tag an eine Ausbildungsvergütung gezahlt. Das hat sich geändert, heutzutage verlangen fast alle Firmen zuvor ein Praktikum. In der Zeit können sie die Kandidaten für eine Lehrstelle erst einmal auf Herz und Nieren testen. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, so lautet ja auch ein Sprichwort und daran halten sie sich, die Unternehmer. Natürlich kann man für eine solche Testphase kein Gehalt oder Taschengeld zahlen, aber das versteht sich ja wohl von selbst, oder? So schuften denn Landauf – Landab unzählige Praktikanten, für Firmen aus allen Branchen, für Null Euro im Monat.

So ein Praktikant ist ja auch eine feine Sache. Er bekommt einen Vertrag über ein paar Wochen und da kann er dann mal zeigen was er so drauf hat. Ob es sich lohnt, wertvolle Zeit und Geld für dessen Ausbildung auszugeben. Unzählige, in der Firma ungeliebte Aufgaben, warten auf ihn, den Praktikanten. Solche die man seinen Festangestellten nicht unbedingt zumuten möchte, die müssen aber auch gemacht werden, genau das richtige für den Praktikanten.

Für die Firma, die solch einen Praktikanten beschäftigt, ist nur eines wichtig: Dem, der sich da in ihre Klauen begeben hat, dem müssen sie suggerieren, dass sie zufrieden mit ihm, dem Praktikanten sind und sich seine unbezahlte Plackerei lohnen würde, nur noch ein ganz kleines bisschen mehr Leistung und der Vertrag sei ihm so gut wie sicher. Seltsamerweise schlägt diese gute Meinung in der Firma plötzlich, zum Vertragsende, um ins Gegenteil. Der Praktikant, so stellt es sich heraus, ist eine Niete. Nicht brauchbar für das Unternehmen. So sagt man ihm freundlich aber bestimmt, dass man sich für einen anderen Bewerber entschieden habe. Der Praktikant, der muss sich eine neue Praktikantenstelle suchen, für eine neue Zeit – unbezahlt. Der, der ihn bisher beschäftigte, der hat auch keinen Lehrvertrag vergeben. Nee, sie ahnen es bestimmt schon – ein neuer Praktikant rackert sich ab – umsonst, wie alle Anderen vor ihm. Es könnte ja sein, dass für ihn doch einmal ein Lehrvertrag herausspringt, denkt Er/Sie.

So schuften, rackern und plagen sie sich ab: Schüler, Studenten, Handwerker, Kaufleute, Ingenieure und Graduierte. Sie werden alle als Praktikanten verheizt. Verlierer sind sie alle bei dem miesen Spiel, die geprellten Praktikanten genauso, wie die kurzsichtigen Unternehmer. Die einen müssen von HartzIV leben und die anderen haben eines Tages keinen ausgebildeten Nachwuchs. Sie haben in ihrer Gier vergessen, auszubilden.

Scheußlich ist nur, dass dieses System von Sklaven und Sklavenhändlern von unserer Regierung geduldet und gefördert wird. Jede Regierung muss und sollte man wohl für solch miese Gesetzgebung zum Teufel jagen!

  1. Renate

    Erinnert mich irgendwie an die 1-Euro-Job-Geschichte. Die ist ja auch Ausbeutung pur. Und: wer hat sie erfunden? Nein, nicht die Schweizer….

    1. Bernd

      Wir, wir Teutschen sind gut, wir sind die absolute Spitze, wenn es darum geht einen der schon unten ist den Stiefel ins Genick zu drücken.
      Lieben Gruß
      Bernd

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