Plä­do­yer für Tram, Schleuse, Schleusenstraße und Plastersteine

(Abdruck mit Erlaubnis des Verfassers)

Sehr geehrter Herr Wohlers,

mit Interesse, aber vielleicht zu spaet, habe ich die Beitraege ueber den Grundhaften Ausbau der Schleusenstrasse und generell Bernds gesehen. Als alter Friedrichshagener und neuer Woltersdorfer taete es mir leid erleben zu muessen, noch kurz vor Schluss der bisherigen verfehlten Verkehrspolitik, dass veraltete Denkweisen Woltersdorf das recht seltene Ensemble und m.E. schuetzenswerte Gut Promenade, Dampfer, Aussichtsturm, Schleuse, historische Strassenbahn, Kopfsteinpflaster zu zerstoeren.
Als ehemals Aussenstehender kann ich nur sagen, dass gerade dieses Ensemble den Reiz von Woltersdorf und auch seine touristische Anziehung und Unverwechselbarkeit in immer schneller wechselnder Mode ausmacht. Schlafstaedte ohne Tram, ohne altes Pflaster, zugebaut, kleinparzelliert gibt es genug. Eigentlich wollte ich nach Friedrichshagen, aber Friedrichshagen hat sich veraendert. In Woltersdorf – trotz aller Kritik – gefaellt es mir besser. Ich hoffe nicht, dass sich Friedrichshagen wiederholt.
Neulich habe ich Vertreter der Budapester Verkehrsbetriebe an der Schleuse gesehen, naja, wegen einer neuen Niederflurbahn und Asphalt wuerden sie sicher nicht kommen …
Andere Orte in Brandenburg bauen wieder Kopfsteinpflaster ein (sicher mit Foerderung) und wir wollen es abreissen…
Am Ende schafft das Pflaster Atmosphaere und entschleunigt. Wem es zu laut ist – jeder hat es gewusst oder muss nicht dort hinziehen. Es gibt Dinge, die kann man nicht mit Geld messen.
Generell ist meine Beobachtung, dass zunehmend in Deutschland eine Minderheitenpolitik oder Klientelpolitik gemacht wird, die bei der mittlerweile ueblichen Uebertreibung und Pruederie schnell zu Lasten der Mehrheit geht. Mit den daraus resultierenden, dann aber nicht gewollten Konsequenzen.

Fazit: Ich bin dafuer den Beschluss dahingehend zu aendern, dass das Ensemble erhalten wird und  Massnahmen zur Entlastung der Anlieger und Kommune angegangen werden oder nochmals angegangen werden. Notfalls mit geeigneten Bewertungen oder denkmalpflegerischen Gutachten.
Man moege mich nicht falsch verstehen, vielleicht sind ja schon Versuche unternommen worden, die Akteure, die Geschichten kenne ich nicht. Aber wenn, dann nicht mit Erfolg. Dann muss eben nachgearbeitet werden. ich denke es lohnt sich und man kann es auch erwarten.

Mit herzlichen Gruessen
Kay Biebler

  1. U. B.

    Ein Dankeschön an Kay Biebler für diesen tollen Brief, der den Nerv der Anlieger der Schleusenstr. trifft. Dem Beitrag von Rüdiger Pflanz stimme ich voll zu.
    Liebe GV ,bitte habt doch ein Herz für die Anlieger. Noch ist es nicht zu spät, um diesen entsetzlichen Beschluss aufzuheben und die Schleusenstr. zu reparieren, da wo es erforderlich ist, besonders von der Blumenstr bis zum Krankenhaus.
    Seit Jahren kämpfen wir für den Erhalt des Kopfsteinpflasters und nicht für die schreckliche Asphaltierung, die das Rasen der Autofahrer noch mehr ermöglicht. Eine grundhafte Erneuerung ist überhaupt nicht erforderlich, das Geld kann doch für viele andere Straßen genutzt werden.

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen, lieber Bernd, und Ihren Angehörigen ein Frohes Osterfest wünschen und allen Schreibern und Lesern ebenfalls.

  2. Rüdiger Pflanz

    Möglicherweise habe ich gerade die FDP vergessen in der Aufzählung. So genau erinnere ich das Abstimmungsergebnis nicht. Die richtige Überschrift wäre wohl Pflasterabreisserundverschenkerundasphaltierer

  3. Rüdiger Pflanz

    Danke! Anlieger der Schleusenstrasse kämpfen seit Jahren für den Erhalt des Pflasters!
    Es klang wie Hohn, als in der Beratung des „zeitweiligen Bauausschusses“ über Bestandserhaltung gesprochen wurde! Auch die Bürgermeisterin stimmte dem zu.
    Die Akteure dieser Kommission, Arbeitsgruppe oder Ausschuss, so genau waren sich alle noch nicht ganz sicher, reden über das „Wohnzimmer“ Woltersdorfs (ich kann es nicht mehr hören) und dessen Verschönerung und haben es doch gerade per GV-Beschluss zur Asphaltierung freigegeben!
    Ich appelliere nochmal an WBF, SPD, LINKE, GRÜNE und CDU! Heben Sie den Beschluss auf! Gestehen Sie die Fehlentscheidung ein und stellen die Weichen in Richtung Erhalt der Unverwechselbarkeit unseres Ortes, zumindest an der Schleuse!

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