Oh,Weh! Mein Brotaufstrich ist weg

10. März 2009 Aus Von BerndWohlers

Da wird einer Kassiererin wegen zweier Pfandbons gekündigt, die sie vielleicht genommen hat, vielleicht auch nicht. In Italien ist letztens eine Arbeiterin entlassen worden, weil sie beim werkeln zu laut gesungen hat. Nun sollen sich zwei Mitarbeiter einer Bäckerei-Kette auf ihre Schrippen den Brotaufstrich ihres Brötchengebers gekratzt haben. Mann, oh Mann was für ein Verbrechen! Den Leuten müsste man doch glatt die Pfoten abhacken, treiben sie doch einen, der sein Vermögen in einem Menschenleben nicht mehr verprassen kann, fast in den Ruin. Pfui Spinne!

Ein Glück, dass ich da raus bin, aus der heutigen, modernen Arbeitswelt. Wie oft wäre ich gefeuert worden. Ich hab es nie gewußt, ich bin ein notorischer Dieb. Hab mir da mal ne Tasse Kaffee eingeschenkt und da eine Scheibe Salami aufs Brötchen getan. Hi und da verschwand vielleicht ein Kugelschreiber in meinen diversen Taschen. Es waren eben andere Zeiten, so vor 30 Jahren. Da durfte man sich den Kaffee, die Scheibe Salami und den Kugelschreiber nehmen, oder hat’s geduldet. Kein Hahn hat danach gekräht.

Heute, da wird anders gekrächst, wie z.B. der deutsche Einzelhandelsverband (HDE). Deren Geschäftsführer, Hubertus Pellengahr, findet, dass hier nicht Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, sondern Ehrliche gegen wenige Unehrliche kämpfen. Das fällt mir schwer zu glauben. Warum heuer und nicht schon immer? Liegt’s dran, dass der Kommunismus kaputt ist und man nun wieder volle Pulle den Kapitalisten raushängen lassen kann? Pellengahr meint, ein Vergleich von Managern, die für satte Verluste verantwortlich sind und Verkäufern die gestohlen haben, sei nicht möglich. Das eine sei Unfähigkeit, dass andere Diebstahl. Unfähigkeit sei nicht strafbar.

Er, der Herr Pellengahr, verwechselt hier Unfähigkeit mit Gier, unbändiger nicht zu bremsender Gier nach Moneten in jeder Form, Pensionen, Vergütungen und Bonuse. Diese Gier hat Unternehmen ins Taumeln gebracht. Tausende ihre Jobs gekostet. Nicht ein paar Gramm Brotaufstrich, über die man nicht mal nachdenkt, warum auch? Mann, oh Mann, mir graust vor den Pellengahrs und ihren allzu glatten Einsichten.

Nachtrag: Die beiden Bäcker wurden von dem Schwerverbrechen freigesprochen, der eine war im Betriebsrat. Ein Schelm, wer da Arges denkt 🙂