Oh,Weh! Mein Brotaufstrich ist weg

Da wird einer Kassiererin wegen zweier Pfandbons gekündigt, die sie vielleicht genommen hat, vielleicht auch nicht. In Italien ist letztens eine Arbeiterin entlassen worden, weil sie beim werkeln zu laut gesungen hat. Nun sollen sich zwei Mitarbeiter einer Bäckerei-Kette auf ihre Schrippen den Brotaufstrich ihres Brötchengebers gekratzt haben. Mann, oh Mann was für ein Verbrechen! Den Leuten müsste man doch glatt die Pfoten abhacken, treiben sie doch einen, der sein Vermögen in einem Menschenleben nicht mehr verprassen kann, fast in den Ruin. Pfui Spinne!

Ein Glück, dass ich da raus bin, aus der heutigen, modernen Arbeitswelt. Wie oft wäre ich gefeuert worden. Ich hab es nie gewußt, ich bin ein notorischer Dieb. Hab mir da mal ne Tasse Kaffee eingeschenkt und da eine Scheibe Salami aufs Brötchen getan. Hi und da verschwand vielleicht ein Kugelschreiber in meinen diversen Taschen. Es waren eben andere Zeiten, so vor 30 Jahren. Da durfte man sich den Kaffee, die Scheibe Salami und den Kugelschreiber nehmen, oder hat’s geduldet. Kein Hahn hat danach gekräht.

Heute, da wird anders gekrächst, wie z.B. der deutsche Einzelhandelsverband (HDE). Deren Geschäftsführer, Hubertus Pellengahr, findet, dass hier nicht Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, sondern Ehrliche gegen wenige Unehrliche kämpfen. Das fällt mir schwer zu glauben. Warum heuer und nicht schon immer? Liegt’s dran, dass der Kommunismus kaputt ist und man nun wieder volle Pulle den Kapitalisten raushängen lassen kann? Pellengahr meint, ein Vergleich von Managern, die für satte Verluste verantwortlich sind und Verkäufern die gestohlen haben, sei nicht möglich. Das eine sei Unfähigkeit, dass andere Diebstahl. Unfähigkeit sei nicht strafbar.

Er, der Herr Pellengahr, verwechselt hier Unfähigkeit mit Gier, unbändiger nicht zu bremsender Gier nach Moneten in jeder Form, Pensionen, Vergütungen und Bonuse. Diese Gier hat Unternehmen ins Taumeln gebracht. Tausende ihre Jobs gekostet. Nicht ein paar Gramm Brotaufstrich, über die man nicht mal nachdenkt, warum auch? Mann, oh Mann, mir graust vor den Pellengahrs und ihren allzu glatten Einsichten.

Nachtrag: Die beiden Bäcker wurden von dem Schwerverbrechen freigesprochen, der eine war im Betriebsrat. Ein Schelm, wer da Arges denkt 🙂

5 Gedanken zu „Oh,Weh! Mein Brotaufstrich ist weg

  1. Dirk

    Also ich muss euch da ein wenig widersprechen: Seit dem Spruch “ Es muss ein Rock durch Deutschland gehen“ ( oder so) hat sich doch vieles getan. Nee aber im ernst: Außenpolitisch ist Frau Merkel doch nicht undiplomatisch und relativ engagiert. Und was ihren Führungsstil betrifft: Ein Kanzler ist immer in der Kritik. Sicher macht sie nicht alles richtig – aber sie tut was, finde ich, sie handelt. Was keinen Rückschluss auf mein Wahlverhalten geben soll, das will ich hier mal betonen.
    Wir hatten schon Oberhäuptlinge, die ruhiger auf ihrem Stuhl die Zeit abgesessen haben, erst kratzen sie an der Pforte des Kanzleramtes: „Ich will da rein“,dann kaufen sie sich Armani-Anzüge und können nicht schnell genug wieder raus kommen und verdienen nun Milliarden im Osten ( Schröder bei Gazprom).

    Und die Opposition ist von Berufs wegen immer dagegen, egal worum es geht. Frei nach dem Motto: „Ich bin Zeuge, äh, was ist passiert?“

    Wenn die aus Versehen mal an die Regierungsspitze gewählt wird, weiß die nicht, wo vorn und hinten ist. Oh je, hoffentlich kürzt ihr diesen Kommentar nicht zu sehr :-)) LG Dirk

  2. Renate

    Lieber Bernd, melde dich, wenn du mal Zeit für Bewunderung hast, dann nehme ich mir auch Zeit und wir bewundern gemeinsam. Doppelt hält ja besser…
    Herzlicher Gruß von Renate

    1. Bernd

      Wenn ich’s mir so recht überlege, bewundere ich lieber Deine schönen Fotos in „Inseln der Ruhe“. Das ist so das richtige zum Entspannen. (Inseln der Ruhe könnt ihr Euch auf der Seite http://www.editionblaes.de ansehen und reinhören, als Hinweis für die, die es noch nicht wissen)
      Lieben Gruß
      Bernd

  3. Renate

    Aber du darfst nicht vergessen, lieber Bernd, dass wir wenigstens ehrliche, aufrichtige und bemühte Manager haben, die sich überhaupt nicht bereichern. Nein, nicht das klitzekleinste bisschen. Nein, die Manger der deutschen Unternehmen sind integere Herren, die selbst in harten Zeiten auf Gehaltserhöhungen verzichten, Bonüsse konsequent verweigern und freiwillig in den Knast gehen, wenn sie auch nur 10 Cent veruntreut haben. Jawoll, solche Manager haben wir.
    Und auch die Banken und Fondmanager veruntreuen überhaupt gar nichts. Nein, nein! Sie verwalten völlig uneigennützig unsere hart erarbeiteten und fürs Alter zurück gelegten Kröten und vermehren sie um Minus 30 – 70 Prozent. Manchmal sogar um 100 Prozent.
    Ich bin stolz auf Deutschland!
    P. S.: Frau Merkel habe ich ja ganz vergessen. Diese Frau arbeitet doch wie ein emsiges Bienchen – getreu ihrem wunderbaren Spruch, den sie direkt nach der Inauguration von sich gegeben hat: „Ich will dem deutschen Volk dienen.“
    Ich kann mich noch gut erinnern, wie laut ich gelacht habe, als ich diesen – wirklich prima – Witz gehört habe.

    1. Bernd

      Frau Merkel kann prima Konkurrenten aus dem Feld treten. Millionen auf ihren diversen Reisen verschenken, damit hat sie noch nie ein Problem gehabt. Bankern die Magenverstimmung mildern, kann sie auch vorzüglich. Das sie extrem wendig ist hat sie auch schon bewiesen – von der FDJ Sekräterin zur CDU Chefin und Kanzlerin. Was für ein weiter Sprung von einer Funktionärin einer „Diktatur“ bis zur Kanzlerin in einer Demokratie. Wie hochgradig WENDIG muss die Dame doch sein. Ich bewundere sie, vielleicht wenn ich mal Zeit habe.
      LG Bernd

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