Nelken- und Bürgertag in der MOZ

Am 15. Januar 1919 wurden die beiden Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Freikorps – Angehörigen ermordet. Die DDR Führung stylte ab 1971 den Mordtag zu einem Aktionstag gegen alle anders Denkende um. Es störte Moskaus Stadthalter dabei nicht die Bohne, dass ihr Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, der am 9. August 1931 vor dem Kino „Babylon“ in Berlin Mitte mit zehn Schüssen die Polizisten Paul Anlauf und Franz Lenk mordete, dabei war. Für die DDR Spitzen waren nur die Morde an ihren Genossen ein Verbrechen und in dieser Tradition gedachten die Linken und ihr Anhang auch in diesem Jahr ihrer beiden Toten und den damit verbundenen ideologischen Wünschen.

Unsere Landgazette würdigte Liebknecht und Luxemburg zwei Beiträge. Überanstrengt hat sich die Märkische Oderzeitung mit der Schreibe nicht, für die beiden ermordeten Genossen kauften sie ganz lieblos eine billige Agenturmeldung von der dpa.

Zum Bürgertag des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen in der Ex-Stasizentrale kamen 6000 Bürger, deutlich mehr als zum Nelkentag auf dem Friedhof Friedrichsfelde. Das zeigt, die Stasi ist immer noch ein Topthema. Das wird auch durch die steigende Anzahl derer belegt, die Akteneinsicht begehren. Dieser Bürgertag in der Normannenstraße war der Märkischen Oderzeitung nicht eine Letter wert. Da frage ich mich, warum bemüht sich die MOZ um ein Ereignis aus dem Jahr 1919 und lässt ein zeitnahes Thema völlig untergehen. Darf sich die Märkische nicht mehr mit der Stasi, die mit ihren Krakenarmen so manchen, heutigen Chefredakteur umgarnte, beschäftigen, Herr Mangelsdorf?