Merkwürdige Kolumnen – Teil 1

Papier ist geduldig, besonders geduldig bei Anzeigenblättchen. Da finde ich z. B. in Kümmels Anzeiger die Rubrik Leserbriefe. Über Leserbriefe freut sich jede Zeitung, sind sie doch ein Spiegel, in dem die Redakteure ihre Arbeit bewertet sehen. Die Arbeit eines Redakteurs ist es, Artikel zu verfassen, diese Arbeit bewertet der Leserbrief. In „Kümmels Anzeiger“, auch ein Blatt des Hauke-Verlags aus Erkner finde ich zwar Leserbriefe, nur die Artikel, die die Veranlassung zum Schreiben waren, die sind nicht zu finden. Komisch, da schreiben irgendwelche Leute Leserbriefe auf Artikel, die nie in Kümmels erschienen sind, dachte ich. Haben die Verfasser sich geirrt und nur an das falsche Blatt geschrieben? Soweit ich feststellen konnte – nein! In anderen Zeitungen fand ich keine Artikel, zu deren Inhalt die Kümmelschen Leserbriefe passen würden. So kann ich nur vermuten, die Leserbriefe sind eigenständige Artikel, jedenfalls soweit es sich um Woltersdorf handelt.

Inwieweit sind diese Artikel, die als Leserbriefe erscheinen, dann noch vertrauenswürdig? Nehmen wir einmal ein anderes Erzeugnis des Hauke Verlags, untersuchen wir es. Da schreibt der Verleger im letztem FW: … der alte Bürgermeister eröffnete stets mit einer Kolumne…, merkwürdig, im letzten Kümmels verwendet ein Henry Henschel in einem Artikel zum ähnlichen Thema ebenfalls den Begriff Kolumne. Zurück zur „Fürstenwalder Zeitung“ (FW), dort schreibt Hauke: Der Autor hat in den letzten Wochen und Monaten jede Hauptausschusssitzung und Gemeindevertretersitzung besucht. Tage später schreibt ein Askell Kutzke im Kümmels: Seit einigen Wochen gehe ich zu den Gemeindevertretersitzungen. Wie sich doch beide Sätze, geschrieben von verschiedenen Menschen in zwei verschiedenen Blättern ähneln und noch merkwürdiger, alle erwähnten Sätze treffen sich im Hauke Verlag wieder. Merkwürdige Leserbriefe, die zu nicht veröffentlichten Artikel, geschrieben wurden.

Nun wollte ich mehr wissen und googelte die Namen, leider vergeblich, das Internet gab da nichts her. Weiter im Telefonbuch, ebenfalls Negativ. Die Leute fand ich nirgends, nur bei Kümmels. Merkwürdig, sehr merkwürdig, engagierte Leserbriefschreiber füllen sonst ganze Seiten in den Suchmaschinen.

Die Namenssuche war erfolglos, versuchen wir uns über den in verschiedenen Blättern von Hauke verwendeten Begriff „Kolumne“ heranzutasten. Hauke bezeichnet im FW die Statements des Bürgermeisters als Kolumne und Henschel bezeichnet im Kümmels die Schreibe des Bürgermeisters ebenfalls als Kolumne. Merkwürdig, sehr merkwürdig. Denn weder der alte, noch der neue Bürgermeister haben jemals eine Kolumne geschrieben. Kolumnen sind eine sehr spezielle Form des Journalismus, sie erfordern ein hohes schriftstellerisches Können. Nur wenige Zeitungen in Deutschland leisten sich Texter für gute Kolumnen, sie sind einfach nicht aufzutreiben. Eine Kolumne ist kurz, beleuchtet einen Gegenstand von allen Seiten und kommt zu einem überraschenden Schluss, wobei sie durchaus witzig sein kann. Können Sie sich Höhne oder Vogel als erste Klasse Journalisten vorstellen? Nein! Ich auch nicht. Wieso kommen dann zwei Menschen in zwei verschiedenen Blättern zum gleichen Schluss – die beiden Bürgermeister sind Kolumnisten? Merkwürdig, sehr merkwürdig.