Langsamer Abschied von der MOZ

Seit zehn Jahren lese ich die Gazette meiner Freundin, die „Märkische Oderzeitung“ kurz „MOZ“ genannt. Das Blatt ist nicht so spritzig wie die „Berliner Morgenpost“, nicht reißerisch wie „BZ“ oder „Bild“, es war bisher ein Provinzblatt mit einer ausgewogenen Berichterstattung. Mal spricht mir der Schreiber aus der Seele, bei anderen schüttle ich mein graues Haupt. In letzter Zeit mehren sich aber die Zweifel an der Ausgewogenheit, am Stil und an der Richtigkeit dessen was da morgens schwarz auf weiß, neben Kaffeepott und Müsli, vor mir auf dem Küchentisch liegt.

Was die Richtigkeit betrifft, einige Male habe ich falsche Terminangaben bei der Redaktion moniert, berichtigt haben sie sie niemals, geantwortet auch nicht. Na ja, das ist nicht mehr üblich. Vom Stil der Postille war ich nie entzückt, eine knochentrockne Schreibe, wie das „Neue Deutschland“, ab und zu aufgelockert vom „Guten Morgen“ und der Kinderseite. Dafür waren die Artikel über Politik, Wirtschaft und Kultur immer ausgewogen und zutreffend. Die Betonung liegt auf -waren, in letzter Zeit spüre ich einen Wandel, ein driften nach Links. Die immer wohlwollendere Berichterstattung über die Linken, die Lässigkeit mit deren IM’s, der sanfte Umgang mit Sonnenkönig Platzeck und seinem Turteln und Gurren um die Gunst der Linken.

Auf einmal mochte ich die „MOZ“ nicht mehr so richtig, ich brauchte mehr liberale Zeitung. So kamen mit der Zeit das Magazin „Der Spiegel“ und neuerdings die „Welt am Sonntag“ hinzu. Beim Vergleich der Leserbriefe verschiedener Postillen zu gleichen Themen wurde mir schnell klar, wie meine Aversion gegen die „MOZ“ entstanden ist. Die Leserbriefe der „MOZ“ sinds, sie werden dominiert von einigen wenigen, wie z.B.: Hennig H; Schiffsmühle und Willi E.; Frankfurt/Oder. Deren täglich servierte ausgewählte Meinung des brandenburgischen Volkes, bietet grundsätzlich nur Zustimmung zu allem was LInks, Post-kommunistisch und gegen alles ist, was aus der alten BRD und dem neugeborenen Deutschland kommt. Gegenstimmen gibt es ganz selten und dann auch nur zaghaft. Entweder gibt es bei der „MOZ“ nur tiefrote Leserbriefe, oder der Zensor ist mit seiner Aufgabe überfordert. Das es durchaus andere Meinungen zur brandenburgischen Politik gibt, konnte ich aus Leserbriefen der „Welt am Sonntag“ erfahren. Nicht linke Brandenburger müssen wohl an andere Zeitungen schreiben, um eine Chance zu bekommen, sich in der kleinen DDR gedruckt zu sehen. Deren Gegenstimmen erreichen die „MOZ“ wohl nicht. Kann ich auch verstehen, wer schreibt mit der Zeit noch an solches Blatt für den Papierkorb.

Nun frage ich mich, wohin treibt die „MOZ“ und will ich ihr weiter folgen und mir mein tägliches Frühstück von den brandroten Leserbriefen vergällen lassen.