Krieg zum Jahreswechsel


„Bernd – okay, dann ist das so – aber auf Einzel-Schicksale kann in einer funktionierenden Gesellschaft keine Rücksicht genommen werden, wenn Die Mehrheit diese Schicksale nicht teilt?“

Das war die Reaktion eines Erkneraners zum Thema: Angst der Tiere bei der jährlichen Böllerei. Ziemlich erschreckend, auf Einzel-Schicksale kann keine Rücksicht genommen werden. Vertraut, ganz vertraut klingen die Worte. Jede dieser Silben gehörte zum Sprachduktus der Herrenrasse, die unser Land von 33 bis 45 ruinierte. Die Szene radikalisiert sich, die Sprache wird bei den Knallfröschen rauer, bereit sich über die Konventionen der Gesellschaft hinwegzusetzen. Dazu passen Nachrichten aus den Medien, wie: „Silvester in Berlin – Hunderte zusätzliche Polizisten im Einsatz“ oder „Feuerwehrverband rechnet mit dem Schlimmsten“. Hört sich nicht gerade nach einer Feier an, eher denkt man auf die Vorbereitungen zu einem Krieg.

Die Böllerfreunde, denen Mensch, Tier, Unfallzahlen und Umwelt scheißegal sind, weht ein langsam frostig werdender Wind entgegen. Die Stimmung innerhalb der Bevölkerung schlägt um. Bei einer repräsentativen Umfrage* voteten 57 Prozent gegen Böllern, 36 Prozent dafür und 7 Prozent konnten sich nicht entscheiden.
Es gibt inzwischen Einzelhändler, die auf solche Art Kasse machen verzichten. Hut ab, denn sie verzichten aus Respekt vor der Kreatur und der Umwelt auf fette Gewinne. Traurig ist, die meisten Discounter führen Feuerwerk in ihrem Sortiment, wollen den fetten Reibach machen. Ob die Manager von Lidl, Aldi, Edeka und, und, und sich jemals den Kopf über Angst, Tiere, Menschen, Umwelt machten? Wohl nicht, sonst würden sie die Böller nicht flächendeckend bis ins kleinste Kaff der Republik verteilen. Lidl macht’s seinen Kunden besonders einfach, man kann seine Böller vorbestellen und bequem in Ruhe abholen. 57 Prozent der Bevölkerung mögen keine Knallerei, wie kann man die nur erreichen und bewegen auf Lidl einfach mal zu verzichten. Gäbe es diese willigen Helfer nicht, die Hersteller hätten nicht die Vertriebswege, vieles wäre erträglicher im Lande zum Jahreswechsel.

Der Bundespolitik ist ein gehöriges Maß an Mitschuld zu geben. Damit die Händler richtig Kasse machen können haben sie, ich weiß nicht wann es war, den Verkaufszeitraum erweitert. Zuvor war der 30te der erste Tag, nun der 28te. Da spielen auch in der den Händlern hörigen Politik Fakten wie Feinstaub, Tiere, Verletzte, Klimawandel eine völlig untergeordnete Rolle.

So wird mit dem: „auf Einzel-Schicksale kann in einer funktionierenden Gesellschaft keine Rücksicht genommen werden“ die Gesellschaft zerrissen in Böllerfreunde, noch gestützt von Politik und Discountern und denen die gute Gründe für ein Verbot dieses Wahnsinns haben. Hilft nur, Parteien, die sich nicht dagegen entscheiden können, nicht mehr zu wählen und um die Discounter, die Böller anbieten, einen großen Bogen zu machen. Ist nicht einfach, aber ein Anfang muss gemacht werden, bald.

In Dänemark z.B. geht es doch auch!

* Umfrage YouGov-Meinungsforscher für das Redaktionsnetzwerk Deutschland; 2000 Befragte.

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