Konsequenz, ein schwierig Ding

Es war heiß und ich war unterwegs, versuchte meine wöchentliche Einkaufstour zu bewältigen. Bei Schlecker stieß ich auf ein junges Paar, das zwischen den Regalreihen mit ihren zwei kleinen Kindern kämpfte. Der junge Vater hielt die Hand des Jüngsten, um die zwei Jahre, fest umklammert und versuchte lautstark den Zweiten, gut doppelt so alten, freilaufenden Bruder im Zaum zu halten. Bekam er für einen kurzen Moment den Großen in Griff, streckte der Kleine die andere, ungebändigte Hand in ein Regal und wuselte durch das dortige Warensortiment.

Vater hielt nicht lange durch, er kapitulierte und verließ entnervt mit dem Jüngsten den Laden, begleitet von Juniors lauten Protestgeheul.
Jetzt hatte der ältere der beiden Stepkes freie Bahn. Er stürzte sich auf die Regale, grabschte hier eine DVD, langte dort zur Seife, wobei das Eine oder Andere zu Boden ging. Alle Naselang stürmte er zu seiner Mama und krähte: kann ich das haben, kaufst du mir das? Mama versuchte sich im Nein – Neiiin – Neiiiiiiiin, das bekommst du nicht, bring es wieder zurück.

Im Stillen bewunderte ich die konsequente Haltung der jungen Frau. An der Kasse trafen wir uns wieder, der Knabe krallte sich gerade aus den dort lauernden Lockangeboten einige Tüten mit Gummibären und bettelte: „Mama, kaufst du mir die.“ Ein bestimmtes: „Nein! Du hast doch bei Netto schon eine Wasserpistole bekommen“, beendete den Versuch. Der Nachwuchs trennte sich lautstark maulend von einer Packung Gummibären, hievte dafür als Ersatz eine Tüte, mit Bonbons in den Wagen. Nun war ich gespannt wie die junge Frau damit fertig würde.

Mama gab auf, warf die Tüten mit den Gummibärchen und Bonbons aufs Band. Das war ’s, Junior grinste, er hatte Muttern mal wieder gezeigt wo es lang ging. Schade! Dachte ich, dass sie die Konsequenz nicht bis zum Ende durchhielt. Sie wird es eines Tages zu spüren bekommen, mangelnde Konsequenz in der Erziehung der Kinder rächt sich bitter.

  1. Nina

    Richtig Edelgart, deswegen sind die Gedächtnisübungen und das aktuelle Spiel mit dem parallellegen des Warenstoppers auch nicht dauerhaft, sondern passen sich den Interessen der Kinder an.

    Das Spiel mit dem lieben Budget haben glaube ich doch die meisten Menschen mittlerweile. Mit seinen vier Jahren ist mein Großer doch schon soweit, dass er auch versteht, dass nicht immer alles mitgenommen werden kann was gerade ’soooo toll‘ ist und mit den Ablenkungen bzw. dem Einbinden in den Einkaufsablauf habe ich bis jetzt immer einen kleinen ‚Wissenserfolg‘ bei ihm erzielt, denn er lernt so die Waren des täglichen Bedarfs und auch in welchem Maße Geld von nöten ist.

    Solche Aktionen, dass er einfach in die Regale fasst, sind durch die kleinen taktischen Manöver passé.

    ABER in einem Punkt stimme ich voll und ganz zu:
    bei Oma und Opa läuft es irgendwie anders und das finde ich auch gut so 🙂

  2. Nina

    Ach ja dieses Szenario ist mir so gut bekannt mit den Kids, wobei ich mittlerweile immer wieder feststellen muss, dass auch ‚hungrige‘ und furchtbar ‚durstige‘ Kinder geschickt durch den Einkaufsalltag gelotst werden können.

    Es geht eigentlich so seinfach, wenn man den Dreh einmal heraus hat. Der Große bekommt bei jedem Einkauf die Möglichkeit einige Artikel die benötigt werden selbst aus dem Regal zu nehmen und später auch auf das Band zu legen – Lieblingsspiel zur Zeit ist das parallel legen des Warenstoppers 😉

    Mit Gedächtnisübungen bekommt man auch schnell Ruhe in den Einkauf – er merkt sich jedesmal einige neue Waren. Fazit für mich ist, wenn Kids mithelfen können und auch noch Spaß am Lernen entwickeln, geht es auch ohne den Stress um die Süßigkeiten.

    Aber wie schon mehrfach gesagt Konsequenz ist die Grundlage und Ablenkung eine wirkungsvolle Ergänzung 😀

    Mir macht der Einkauf mit meinen Kids jedesmal wieder Spaß, egal wie anstrengend der Tag war, denn helfen macht die Kleinen unheimlich stolz 🙂

    Gruß Nina

  3. Angelika Beitragsautor

    Liebe Edelgart, liebe Marlies,
    das es auch anders geht, habe ich vor einer Woche in meinem Lieblingsristorante Roma in Woltersdorf erlebt. Spät Abends rückte eine Gruppe von 12 Personen bei Toni ein. Es waren sechs Erwachsene und sechs Kinder im Alter von ca. sieben Monate bis sechs Jahre. Aua, dachte ich, jetzt wirds laut. Ich irrte. Die Kinder wurden an der einen Hälfte des Tisches platziert, die Erwachsenen saßen an der anderen. Aufgrund des Studiums der Speisekarte merkte ich, es handelt sich hier um eine Gruppe Franzosen. Die Eltern studiert und verhandelten untereinander was gegessen wird. Die Kinder saßen Mucksmäuschenstill und beschäftigten sich Bilderbüchern und Sonstigem. Sie wurden erst aktiv als die Eltern sie ansprachen, um ihre Essenwünsche zu erfahren. Auch dabei ging es ganz ruhig zu. Kein Gequengel oder sonstiges. Das Essen kam und es wurde ohne Hektik am Tisch sitzend gegessen. Auch als alles aufgegessen war und die Eltern noch ihren Wein genossen, blieben die Kinder am Tisch sitzen. Man brach dann gemeinsam auf. Das habe ich bei deutschen Kindern in dieser Form bei Toni nicht ein einziges Mal erlebt. Hut ab, das ist französische Erziehung.

    1. marsav

      Auch ich habe ein ähnliches Erlebnis gehabt, allerdings waren es keine Ausländer, sondern Deutsche.
      Eine Reisegesellschaft nach Stuttgart. 40 Erwachsene und 12 Kinder von ca. 5 bis 15 Jahren.
      Als wir wieder zuhause ankamen, nahm ich das Mikro in die Hand, verabschiedete die Gäste und konnte mich der folgenden Bemerkung nicht enthalten:
      „Eines möchte ich noch sagen: Ich habe noch niemals im Bus so ruhige und zufriedene Kinder erlebt. Kein Quängeln, kein Schreien, kein Rumgerenne. keine Streitereien – sowas ist mir in den zehn Jahren, in denen ich Bus fahre noch nicht vorgekommen.
      Hut ab vor den Eltern und ein dickes Lob an die Kids.“
      Erst da fingen sie dann an zu gröhlen und sich riesig zu freuen.
      Und beim Aussteigen haben sich alle Kids bedankt für das Lob.
      Es war ein wunderschönes Erlebnis.

      LG marsav

  4. Renate

    Der von uns, der wirklich und immer konsequent ist, hebe den Finger. Und ich bezichtige ihn der Lüge, denn es gibt keine durchweg konsequenten Menschen.

    @ Marsav
    Das ist ja ein niedliches Kerlchen, dein Enkel. An dem hast du bestimmt viel Freude.

    1. Angelika Beitragsautor

      Liebe Renate,
      es gibt konsequente Erziehung, wenn nicht hier, dann zumindest in Frankreich.

  5. marsav

    Ja ich kenne das. Das erlebt man viel öfter als man glaubt.
    Habe hier auch mal einen Artikel dazu geschrieben.
    http://www.gedichte-und-poesie.de/article-28685776.html

    Kürzlich bin ich mit meinem dreijährigen Enkel durch das Rhein-Neckar-Zentrum spaziert. Ich wollte ihm eine Kleinigkeit kaufen. Aber er machte überhaupt keine Anstalten, etwas zu wollen! (im Gegensatz zu seiner größeren Schwester, die findet immer gleich etwas, was sie noch nicht hat!)
    Er schaute zwar alles an, aber sagte dazu nichts.
    Dann habe ich ihm etwas angeboten und gefragt: „hast Du sowas schon?“
    Die Antwort: Nein!
    Also habe ich es ihm gekauft. Und dann geschah das unfassbare:
    „Oma, Tüte trage ich – gehört ja auch mir!“
    Also den nehme ich öfters mit.

    Liebe Grüße
    Roswitha

    1. Angelika Beitragsautor

      Hallöchen Roswitha,
      wo kann ich mir Deinen Enkel ausleihen. Meiner ist noch nicht auf die Idee gekommen. Vielleicht liegts am Alter. Er ist erst vir Jahre alt.
      Lieben Gruß Angelika

    2. marsav

      Naja, meiner ist drei geworden im April. Aber vielleicht kommt das ja noch. Ich hoffe nicht.
      Aber bisher waren alle beide sehr pflegeleicht (meine Tochter früher übrigens auch).
      Nene, mit Ausleihen ist da nichts. 🙂

  6. Renate

    Ich kann es mir einfach nicht verkneifen … Edelgart, sind oder waren Sie Lehrerin? Ich denke, die Hausfrau und Mutter, die sich die Zeit nehmen kann, um Ihre Liste (konsequent) abzuarbeiten, muss noch geboren werden.

  7. Renate

    Ich denke, man kann die Kinder vor dem Einkauf noch so sättigen … eine Tüte Gummibärchen geht immer noch. 😉

    Und die Sache mit der Konsequenz … dazu darf ich mich nicht äußern. Ich bin so oft unkonsequent, dass ich das hier lieber nicht näher erläutere.

    Liebe Grüße – Renate

    1. Bernd

      Ach ja – schon als mein Sohn Michael die allererste Klasse besuchte, bestellte mich des öfteren, Schwester Radegunde, seine Lehrerin ein und bleute mir ins Hirn: Konsequenz, Konsequenz und nochmals Konsequenz, Herr W… Allzeit, bis heute habe da gegenüber meinen Sohn gesündigt, nun ist es zu spät und manchmal bereue ich ’s, den Rat der Schwester nicht ernst genug genommen zu haben.
      Lieben Gruß
      Bernd

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