Kauflands Flaschen, ohne uns

Letzter Teil von dreien: 1) Kaufland und seine Flaschen, 2) Kaufland kümmert sich um seine Flaschen, 3) Kauflands Flaschen, ohne uns. Interessant sind die Kommentare zum ersten Teil.

Donnerstag, 20.08;9.30 – Einkaufstag. Kaufland Vogelsdorf – Leergutabgabe steht an, ein bisschen beunruhigt mich die bevorstehende Prozedur. In einer Email war mir von Kaufland zugesagt worden, dass ich bei der Abgabe meines Leerguts nichts zu befürchten habe. Flaschen klappernd komme ich bei der Abgabestelle an. Eine lange Reihe mit Flaschen steht geduldig an, sieht aus wie eine überfüllte Bushaltestelle in London. Ich ahne schlimmes und es kommt, eher als ich es erwartet habe.

Ein junger Mann mit reichlich Pullen steht vor mir, er ist dran. Die Dirigentin des Flaschen-Orchesters wirft einen routinierten Blick in sein Gemenge. „Die zwei da sind keine Pfandflaschen“, wird ihm beschieden. Artig nimmt der Bursche seine Plastikflaschen und fragt, ob er sie mit zu den Anderen legen kann, wird doch sowieso alles eingeschmolzen. Ein kategorisches NEIN schallt ihm triumphierend entgegen. Die Frage, wohin damit wird mit: „Ihre Sache“ abgebürstet. Die Leergutabgabe ist für sehr viele der Empfang, die Rezeption von Kaufland. Dort entscheidet sich, ob der Kunde den Besuch in Kauflaune verbringt, oder schwer angenervt, nur weg will. Von hier nimmt er einen prägenden Eindruck vom Service des Ladens mit nach Hause und erzählt seine Erlebnisse weiter – in dem Fall: tödlich für den Händler. Jedem Einzelhändler stehen bei solcher Vision die Haare zu Berge. Hier ist es keine Vision – hier ist es Wirklichkeit.

Ich bin dran, stelle meinen Kasten neben der Dame auf die Erde, bekomme meinen Bon. Aufatmend entweiche ich, Glück gehabt, keinen Anschiss bekommen. Au, zu früh gefreut, der Schall einer lauten befehlsgewohnten Stimme erreicht meine Lauscher. „Das nächstemal stellen sie ihre Flaschen da hinten ab“, krähte die Dirigentin. Flucht ist mein erster Gedanke, dann fasse ich mich. Nein! So einfach kapituliere ich nicht. Zurück, „Was haben Sie mir da eben hinterher gerufen“, frage ich gepresst. Es entwickelte sich ein Kurzdisput, in dem mir klar gemacht wurde, dass ich, wenn ich schon nicht die Flaschen einsortiere, dies doch deutlich mitzuteilen habe. Wut steigt im Bauch, die Sorte Selter die ich will gibt es auch bei GetränkeLand. Ich will weg, meine Frau nicht. Wir treffen Herrn Zeh, den Filialleiter. Ein paar Worte hin und her, der Ärger verflüchtigt sich.

Donnerstag, 27.08;10.30 – Wir sind wieder dran mit Leergut. Wir wollen nicht mehr, haben Angst vor der keifenden Truppe. So nehmen wir nur die Plastikflaschen mit. Bei der Leergutabnahme keine Schlange, eine junge Frau nimmt die Flaschen und wünscht uns einen WUNDERSCHÖNEN TAG, sogar der Pfandbon stimmt, aufatmen. Am nächsten Tag möchte ich unseren leeren Kasten hinbringen. Meine Frau weigert sich, sie hat GetränkeLand entdeckt. Dicht bei uns, der Service ist hervorragend, ob Verkauf oder Leergut. Die paar Cent, die wir dort mehr zahlen, sparen wir am Benzin für die Fahrt zu Kaufland. Am wichtigsten, wir werden dort vom Personal nicht runter gemacht.

  1. renate

    Ich denke, lieber Bernd, mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit als solche nicht ab, sondern die Vernunft zu. Was soll man sich mit Sachen/Menschen rumschlagen, wenn es eine vernünftige Alternative gibt.

    Insofern mache ich heutzutage nur noch Rabatz, wenn es sich lohnt. Doch die Frechheiten dieser Flaschen-Empfangsdame hätte ich mir auch nicht gefallen lassen. Danach: wie ihr es gemacht habt – Wechsel des Supermarktes.

    Ich wünsche Euch einen schönen Abend und schicke herzliche Grüße!

    Renate

  2. renate

    Das ist ja fast schon grotesk, lieber Bernd, du gehst mit „Angst“ zum Supermarkt. Erfreulicherweise hat der HD ja eine Alternative entdeckt.
    Vom Personal runtergemacht … ts ts ts. Die können froh sein, dass ich so weit weg wohne. Ich bin nämlich der Schrecken aller miserablen Dienstleister. Ein Freund von mir erzählt immer wieder gern die Geschichte – Jahre her: abends um sechs Uhr bei Wertkauf an der Wursttheke. Lange Schlange vor der Theke. Drei Verkäuferinnen, eine davon ist beschäftigt damit die Wurstschneidemaschine zu reinigen.

    Renate: wollen Sie uns nicht bedienen?

    Verkäufern: ich muss jetzt die Maschine reinigen!

    Renate: wann schließen Sie?

    Verkäuferin: um halb sieben.

    Renate: jetzt ist aber erst sechs.

    Verkäuferin guckt blöde.

    Renate: Rufen Sie den Geschäftsführer!

    Verkäuferin guckt blöde.

    Renate: Ich möchte, dass Sie umgehend den Geschäftsführer rufen!!!

    Verkäuferin geht zum Telefon.

    Kurze Zeit später kommt der Geschäftsführer – mit fragendem Gesichtsausdruck.

    Renate zum GF: wie Sie sehen, warten hier eine Menge Menschen darauf, bedient zu werden. Es ist kurz nach sechs. Sie schließen um halb sieben. Ich denke, wir Kunden können erwarten, bis zu dieser Uhrzeit auch bedient zu werden.

    Geschäftsführer gibt der Verkäuferin ein Zeichen.

    Verkäuferin stoppt die Reinigung der Maschine und fragt mich nach meinem Anliegen. Mit grimmigem Gesicht…
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    Besagter Freund erzählt diese Geschichte immer mit großer Begeisterung. Nach über 33 Jahren… ;-))

    1. Bernd

      Liebe Renate, an sich bin ich mein Lebtag ziemlich kugelfest gewesen. Es erscheint mir, dass das zunehmende Alter diese Fähigkeit abbaut. Wir haben dort ziemlich viel Böses erlebt und ich merkte, dass ich dem nicht mehr wie früher gewachsen bin. Deshalb haben wir das Experiment abgebrochen.
      Lieben Gruß
      Bernd

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