Kauflands Flaschen, da klemmt es noch

Zwei Besuche, immer am Donnerstag, an Kauflands Pfand-Flaschendepot gähnende Leere. Jedes Mal sehe ich zwei Rotkittel, aber keine Kunden. Umgebaut haben sie auch, die leeren Kisten stehen nun vorne bei den Flaschenbewegern. Der Filialleiter sieht mich, fragt lächelnd: „Na, nun zufrieden?“ Bin ich nicht, sag es ihm auch, wie soll ich ohne Action etwas erkennen. Grübel, grübel – bis die Erleuchtung über mich kommt: Mal nicht an einem Donnerstag einreiten. Heute, am Samstag bin ich denn hin, hab mich an einem Tisch des dortigen Bäckers gehockt und den vor meinen Augen ablaufenden Film zugeschaut.

11:50; Als erstes fiel mir auf, die gewundene Schlange der Kunden endete irgendwo hinter der Tür, im Freien. Die wechselnden Gesichter der langsam vorrückenden Menge waren verschlossen, kaum ein freundliches Wort, einige Wenige ließen Dampf ab. Das Bild erinnerte an Weihnachten in der DDR, in einer HO, anstehen nach Bananen. Ein Rotkittel werkelte wie Sisyphos, kaum war er eine Last los, türmten sich zwei Neue zu seinen Füßen und vor allem (Neu bei Kaufland), er blieb dabei freundlich. Warum, so fragte ich mich, sind am Donnerstag zwei Kaufländer vorrätig und heute am Samstag nur der Eine. 12:15, es tauchte ein rotgewandetes Jüngelchen auf und stürzte sich umgehend auf die bereits von den Kunden kreuz und quer einsortierten Pullen, während der Ältere vorne an der Pfandkasse, auf verlorenen Posten, den Kampf seines Lebens focht.

Die Kunden, manche stinkig, hatten ihre Pullen dort hingeknallt, wo sie eine Lücke in den Kästen fanden. Sie hatten sich nicht an Kauflands Dienstanweisung für abgebende Kunden gehalten. Das Jungchen jobbte sich durch die Kistenreihen und sortierte das falsch einsortierte Leergut um. Er fehlte nun an der Flaschenannahme. So schinderte der eine Kaufländer, im Schweiße seines Angesichts, so gut wie er konnte. Erfolglos, die Schlange schlängelte sich weiter zur Tür hinaus, die Kunden schauten genervt aus der Wäsche.

Nun frage ich mich, warum läßt Kaufland den Kunden die Pullen falsch einräumen, wenn sie hinterher einen Mitarbeiter mit der Umräumerei beschäftigen müssen. Das ist doch ein Schei… Organisationskonzept. Wenn beide Rotkittel die Flaschen angenommen und in die Kisten gestopft hätten, dann wären sie richtig eingeräumt, die Schlange wäre nicht so lang geworden und die Kunden müssten dort nicht angenervt ihre Freizeit verbringen. Sie wollten in Ruhe einkaufen, aber mit der Einstimmung durch Kauflands Flaschenannahme – da ist die Stimmung hin.

Leute! Kunden! Lasst die Pullen stehen, räumt sie nicht selber weg. Wenn ihr hart bleibt, muss Kaufland dafür Mitarbeiter abstellen, das schafft Arbeitsplätze und ihr braucht nicht in der Schlange stehen bis ihr Wurzeln schlagt.

  1. Renate

    Bernd und Kauflands Flaschenrücknahme … ich könnte mich kringeln. Hattest du nicht mal geschrieben, dass du einen Alternativ-Supermarkt gefunden hast? Na ja, ich vermute auch, dass dir diese Flaschen-Geschichte auf gewisse Weise auch Spaß bereitet. Oder irre mich … ;-)))

    Du solltest denen vielleicht mal ne automatische Flaschenrücknahme vorschlagen. Da gibts Apparate für ….

    Lieber Gruß von Renate

    1. Bernd

      Liebe Renate, die hatten eine automatische Abnahme, das war ein Fiasko. Dafür Menschen einzusetzen, halte ich allemal für besser, es schafft Arbeitsplätze, Automaten dagegen vernichten sie. Nein, du irrst nicht, insbesondere, wo ich erkenne, dass Kaufland Anstrengungen macht das Desaster in den Griff zu bekommen. Es hapert aber noch am Konzept, ich gehe mal davon aus, dass sie das auch noch auf die Reihe bekommen. Das Wichtigste haben sie aber noch nicht so richtig begriffen: Nur ein zufriedener Kunde, bleibt auch Kunde. Also Kaufland, schafft glückliche Kunden, die kommen wieder.
      Lieben Gruß
      Bernd

    2. Max

      „Dafür Menschen einzusetzen, halte ich allemal für besser, es schafft Arbeitsplätze, Automaten dagegen vernichten sie.“

      Warum dieser Kulturpessimismus? Automaten schaffen auch Arbeitsplätze anderer Art (Techniker usw.), die eine Form von gebrauchter Arbeit wird von einer anderen ersetzt. Ansonsten könnte man auch sagen, dass die Autoindustrie die Existenz der armen Pferdezüchter vernichtet hat.

    3. Bernd

      Zu kurz gedacht! Nicht jeder hat die Anlagen einen anspruchsvollen Beruf zu erlernen, wie Techniker. Welche Arbeit sollen solche Menschen verrichten, wenn die einfachen Jobs irgendwann vernichtet sind? Wovon sollen sie dann leben? Von der Sozialhilfe? Kann man das Leben nennen? Nein, es muss immer einfach zu verrichtende Arbeit, in genügender Menge, vorgehalten werden. Ansonsten kommt es zu sozialen Verwerfungen.

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