Kassensturz

Wolfgang Höhne hat im Frühjahr die Wahl verloren, der neue Bürgermeister heißt Dr. Rainer Vogel von den Grünen. Er tat uns vor allem Bürgerfreundlichkeit, Offenheit der Verwaltung, eine neue Webseite und ein lesbares Gemeindeblatt versprechen. Der Bürgermeister ist jetzt gute 100 Tage im Amt, das weckt meine Neugierde, was hat er erreicht unser Dr. Vogel, was ist aus seinen Visionen geworden? Mehr Bürgerfreundlichkeit, mehr Offenheit, ich hab sie gesucht und nicht gefunden. Eine neue Webseite, ebenfalls Fehlanzeige, ein besseres Gemeindeblatt, da müssen wir warten, bis eines erscheint.

Der Mangel an Offenheit betrifft auch die Schulden der Gemeinde, manches erfährt der Interessierte im öffentlichen Teil der Gemeindeausschüsse, vieles erfährt der Bürger nicht, es wird im nichtöffentlichen Teil abgehandelt. So bleibts beim Raten, na dann raten wir doch einmal.

Anfang März 2010, der Wahlkampf war im vollen Gang, fand im kommunalen Küchenbetrieb eine Wahlveranstaltung der MOZ statt. Dort erklärte der damalige Bürgermeister Höhne: auf jeder Woltersdorfer Schulter lasten 800 Euro Schulden, „nicht wahr“, wandte sich Höhne fragend an die Kämmerin. Frau Drawe, unsere Kämmerin, nickte zustimmend die Richtigkeit der Summe ab. Woltersdorf hat schlapp 8000 Einwohner und die mal 800 Euro macht 6.400.000 Euro Schulden, die die Gemeinde irgendwann zurückzahlen muss, natürlich mit zusätzlichen Zinsen.

Der Erweiterungsbau des Rathauses liegt bei 2.5 Millionen Euro.

Jetzt werden für die Sanierung des alten Rathauses Angebote eingeholt, da gibts noch keine Zahlen.

Der Umbau und Sanierung der Alten Schule ist mit einer Obergrenze von 775.000 Euro veranschlagt worden. Die Gemeinde hofft auf eine 100 prozentige Förderung. Was aus der Hoffnung wird, wir werden es vielleicht erfahren.

Der Erweiterungsbau der FAW ist mit 2.85 Millionen Euro im Haushalt eingeplant. Dabei sind schon 350.000 Euro aus dem Kulturpaket der Bundesregierung mit berücksichtigt. Ob die Abrißkosten für den kommunalen Küchenbetrieb in der Summe enthalten sind, oder extra aufgebracht werden müssen, im Rathaus gibt man sich karg.

Dann gibts da noch die Vision unserer Gemeindevertreter, sie möchten gerne eine Mehrzweckhalle an den Fuchsbergen. Die Kosten für die Vision unserer Ratsherrn werden mit 2.5 Millionen Euro angesetzt, ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist, das weiß heute noch keiner. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass die abgelegene Sport und Freizeitanlage ein Zuschussbetrieb ist und bleiben wird und jetzt einen Liquiditäts-Zuschuss von 30.000 Euro brauchte. Steht die Mehrzweckhalle, wird der Zuschuss bestimmt nicht bei den 30.000 Euro bleiben, wo da das Limit ist, keiner redet drüber.

Der Ausbau der Fontanestraße kostet so um die 400.000 Euro, wovon rund 70.000 Euro bei der Gemeinde hängen bleiben.

Rund 15 Millionen Euro stehen da im Raum für Schulden, für beschlossene und geplante Vorhaben, wieviel Fördermittel fließen werden, steht noch in den Sternen. Bleibts bei der Summe, kommen irgendwann auf jedes Einwohner Schulter 1875 Euro, das wäre ein rasanter Anstieg zu den im März beim MOZ Wahlforum genannten 800 Euro/Einwohner.

Das sind so die bekannten Größen, alle anderen Verbindlichkeiten kenne ich nicht. Die Gemeinde könnte uns darüber ja mal informieren, irgendwo auf ihrer Homepage. Bestimmt interessiert es die Einwohner wie ihre Gemeindevertreter das Wohl und Wehe der Gemeinde planen und bezahlen wollen. An den Zahlen wollen wir sie erkennen.

8 Gedanken zu „Kassensturz

  1. Gordon Eggers

    Zum Thema Webseite der Gemeinde seien ein paar Anmerkungen erlaubt, denn uns allen ist klar, das die jetzige Situation nicht sehr erfreulich ist.

    Lernen wir einfach von denen, die es gut machen und hier einaml ein schönes, bürgerfreundliches Beispiel des Landkreises Roth. Zugegeben, die Webseite eines Landkreises, aber da sieht man , was alles möglich ist. Wenn wir in unserer Gemeinde davon nur 20 % erreichen, dann könnten wir uns alle freuen:
    http://www.landratsamt-roth.de

    Die Rubriken “ Formulare und Downloads“ sowie „Online-Bürgerservice“ finde ich sehr gelungen. Auch die Müllabfuhr kann man online bestellen. Eine entsprechende Verlinkung kann sicher nicht das Problem sein.

    Schön wäre es, wenn wir in Woltersdorf etwas entsprechendes bekämen, hoffentlich aber nicht den Kommentar, das die Gemeinde dafür kein Geld hat, weil der Rathausneubau zu teuer war.

  2. Woltersdorfer

    Oh, 100 Tage ist der Vogel schon im Amt, gesehn und gehört habe ich von dem nichts. Stimmt, die Webseite der Gemeinde ist so schlecht wie immer, darum gehe ich eigentlich auch nicht drauf. Die Webseite von Schöneiche ist gut. Mit Finanzen kenne ich mich nicht aus, aber mir wird hier zuviel Unsinn gebaut.

    Erst der Sportplatz auf dem kaum was los ist, dann dieses große neue Rathaus, dann soll noch nen Schulgebäüde kommen— Da ist genug Platz für die Kinder. Ehrlich gesagt hätte ich 20 Jahre nach den Kommunisten gern mal eine vernünftige Strasse vor meinem Haus.

    1. Bernd

      Welcher von den 8000 sind Sie denn? So wie Sie es machen, nur „Woltersdorfer“ ist mir auch etwas zu anonym. Schöner ist doch ein Name, wenn er echt ist umso schöner, nicht wahr.
      LG Bernd

    1. Yvonne

      Hallo Mario,
      bin mal dem Link gefolgt. Das Ganze ist eine sehr interesante Sache und ich könnte mir so etwas auch für Woltersdorf vorstellen. Denn hier kenne ich nicht einmal die gesamten Kosten wie z.B. Verwaltung, Straßenunterhaltung, Gebäude- und Anlagen-Folgekosten. Die Einnahmen sollen ja wohl nach 2008 auch geringer werden, so wird erzählt. Kann ich mir gut vorstellen, wenn man u.a. versucht das Gewerbe aus Woltersdorf zu vertreiben. Der Bürgerhaushalt würde hier tatsächlich für die vielzitierte Transparenz sorgen.
      Yvonne

      1. Mario

        Ja, die Transparenz ist sicherlich überall gefragt. So ganz kann ich einige Investitionen in Petershagen nämlich auch nicht nachvollziehen …

  3. Wolfgang Stock

    Lieber Herr Wohlers,
    die Gemeinde hat aber auch Einnahmen! Alle Ihre erwähnten Investitionen werden ohne Schulden aus Rücklagen und Einnahmen bestritten.
    Beste Grüße!
    Ihr w. Stock

    1. Bernd

      Lieber Herr Professor,
      wie gerne möchte ich Ihren Worten Glauben schenken, Worte die aus heutiger Sicht durchaus zutreffen mögen, wie siehts aber in fünf oder sieben Jahren aus? Über Einnahmen kann ich nichts berichten, nie habe ich Summen genannt bekommen und ob diese Einnahmen konstant bleiben oder steigen werden, dass wissen wir alle nicht.
      Herzlichen Gruß
      Bernd Wohlers

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