Ist Wulff unser Präsident?

1. Juli 2010 Aus Von BerndWohlers

Manchmal erliege ich der Versuchung Deutschland mit der guten alten Reichsbahn zu vergleichen. Da gibts die Erste Klasse, die Zweite Klasse und die Holzklasse, ähm, tschuldigung, natürlich die Dritte Klasse. Die Holzklasse, dass bin ich, dass sind fast alle anderen Miteinwohner, die das Pech haben, einfach nur ein x-beliebiger Bürger zu sein. In der Zweiten Klasse drängeln sich die Macher, die Blüte unseres Volkes: Manager, Finanzakrobaten, Pfaffen, Politiker und ihre Schleppenträger und nicht zu vergessen, die Parteien, mit ihrem hungrigen Nachwuchs. Die Erste Klasse, da ist die Luft ganz dünn, es wird nicht gedrängelt, nur gebücklingt, da reist auf Samtpolstern der Erste Mann im Staate und seine, ohne eigenes Zutun, zur First Lady mutierte Gattin.

In der Ersten Klasse angekommen, speist der Reisende von goldenen Tellern, solange er nicht querschießt. Rutschen dem Fahrgast in der Ersten Klasse aus versiegeltem Mund, aus Versehen, wahre Worte, muss er umsteigen, nach Irgendwohin, nur weg, so schnell wie möglich. Köhler, der zuletzt in der Ersten Klasse reiste, passte nicht auf, plauschte einige zutreffende Sätze von Handelsinteressen der kriegsführenden Nationen in Afghanistan. Seitdem reißen die Berichte über Bodenschätze am Hindukusch nicht ab. Es war höchste Eisenbahn, Köhler musste umsteigen nach Irgendwohin.

Heute bestieg ein Anderer die Erste Klasse, Wulff nennt er sich, ein routinierter Politiker. Ein Reisender, der austauschbar ist, wo es keinem auffällt, ob er da ist oder nicht, der weiß, was für ihn und seiner neuen First Lady gut ist. Dem bestimmt Nichts über die Lippen kommen wird, das der Zweiten Klasse nicht genehm ist.

Da frage ich mich,wessen Erster Mann im Staate reist da ab heute in der Ersten Klasse? Das Heer derer, die in der Holzklasse fahren, musste den Mund halten, dass war nicht ihr Bier, dass ging sie einen feuchten Kehricht an. Es sind die Reisenden der Zweiten Klasse, die einzig und allein bestimmen, wer in der Ersten Klasse reist, sie verwehren der Holzklasse jedes Recht auf Mitsprache, sie erlauben ihnen, der Dritten Klasse aber alles zu bezahlen, das ist genug, mehr ist nicht drin.

Ein Bundespräsident, der nicht vom Volk gewählt wird, ist kein Präsident des Volkes, er ist ein Präsident der Parteien und deren Fraktionen. Wir, die Holzklasse, haben nichts mit im zu tun und er auch nichts mit uns.