Israel und die Menschenrechte

Die jüdische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer aus Tübingen will ihr Bundesverdienstkreuz nicht zurückgeben. Es gibt Leute, denen hat die Verleihung ganz und gar nicht gefallen. Da ist Yigal Palmor, Sprecher des israelischen Außenministeriums, er sagt: „Langer habe über Jahre Kräfte unterstützt, die Gewalt, Tod und Extremismus befürworten“. Da meint Michel Friedman, ehemals Vizepräsident des Zentralrats der Juden: „Statt Langer sollten lieber Menschen ausgezeichnet werden, die Brücken bauen zwischen Palästinensern und Israelis“. Langer habe zwar Palästinenser unterstützt, jedoch gleichzeitig Israel verunglimpft. Sie habe sich nicht genügend vom Terrorismus distanziert. Der jüdische Publizist Ralph Giordano will sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben, wenn Horst Köhler der Anwältin die Auszeichnung nicht wieder entzieht. Da kann ich nur hoffen, dass sich unser Bundespräsident nicht die Pistole auf die Brust setzen läßt.

Die aus Polen stammende Felicia Langer lebt seit 1990 in Deutschland. Sie hat in Israel Jura studiert und als Anwältin gearbeitet. Der Sechs-Tage-Krieg war ein Wendepunkt in ihrem Leben. Sie begann Palästinenser vor israelischen Militärgerichten zu vertreten, kämpfte engagiert gegen Enteigung, Häuserzerstörung, Deportation und Folter. In Büchern, Vorträgen und Interviews übt sie harsche Kritik an Israel, dem sie Apartheid-Politik vorwirft. Für ihr unerschrockenes Eintreten für die Menschenrechte erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. 1990 den alternativen Nobelpreis, dem Right Livelihood Award. 1991 wurde sie von der Bruno-Kreisky-Stiftung für ihre Verdienste um die Menschenrechte geehrt.

Mit der Zeit drängt sich mir der Gedanke auf, Israel hat etwas gegen Menschenrechte, jedenfalls wenn sie von Palästinenser eingefordert werden. Da meine ich: Israel hat seine Unschuld verloren, ist vom Opfer zum Täter geworden und Frau Langer hat das Glück nicht in Russland zu leben.

Bücher von Felicita Langer: „With my own eyes“; „These are my brothers“; „From my diary“; „The story written by the people“; „An age of stone“. Die Bücher sind in vielen Sprachen erschienen.