Innerlich gekündigt

Motivation muss her! Dass sie vielen Mitarbeitern fehlt, wissen die Chefs ganz genau. Sie wissen, viele ihrer Untertanen haben längst innerlich gekündigt. Sie machen ihren Job nach Vorschrift, mehr ist nicht mehr drin. Daraus resultierende Fehlzeiten und Produktionsausfälle kosten Milliarden. Warum die Bindung zur Firma brüchig geworden ist, dass dagegen geht über ihren Horizont.

Einst, es ist noch gar nicht so lange her, da gab’s noch solch feste Bindungen, sie waren die Regel. Der Arbeiter oder Angestellte war quasi mit der Firma verheiratet. Solche Ehe war auf Gegenseitigkeit angelegt, der Angestellte gab was er konnte und das Unternehmen vergalt es ihm mit ausreichendem Lohn, sicheren Arbeitsplatz, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Prämien und anständige Behandlung.

Heute sieht es ein wenig anders aus. Seit vielen Jahren wollen die Arbeitgeber nicht mehr ausbilden. Ausbilden kostet Geld, Zeit und Nerven, warum soll sich eine Firma damit belasten. Von den Wenigen, die bereit waren Lehrlinge zu nehmen, wurde ein großer Teil vom Größenwahn gepisakt. Für Jungs und Mädchen die Maurer, Maler, Fleischer, Frisöse und Verkäuferinnen werden wollten, war es von Vorteil, wenn sie ein Abitur mit Numerus Clausus Qualitäten vorweisen konnten. Abgangszeugnisse von Haupt und Realschulen, nee danke, nicht bei mir, dachen nicht wenige Chefs und handelten danach. In Folge schrumpfe, über die Jahre, das Reservoir an ausgebildeten Personal. Festeinstellen mochten sie auch keine Mitarbeiter, die kosten und kosten, Urlaub, Weihnachten und ganz schlimm Krankheit. Zeitarbeit, hire and fire, die amerikanische Zauberformel wurde bei uns eingebürgert. Tolle Sache für Unternehmer, wenig Lohn, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld und bei Krankheit – fire. Für Sklaven wurde im alten Rom besser gesorgt.

Es war immer noch zuwenig, sie, die Manager, jammern seit Jahren auf höchstem Niveau: Wie schlecht es ihnen geht, sie nagen quasi am Hungertuch. Solch unternehmerisches Desaster konnte nur durch Lohnverzicht der Angestellten kompensiert werden. Mit Hilfe der Politik und Gewerkschaften kompensieren sie die ihnen Ausgelieferten erfolgreich ins soziale Abseits. Der Angestellte muss Aufstockung beim Sozialamt beantragen, der Unternehmer scheffelt, dank des anhaltenden wirtschaftlichen Aufstiegs, Gewinne, von denen er bis vor kurzem nur träumen konnte. Jedoch abgeben, teilen, mögen die Herren nicht, die Fähigkeit ist ihnen, mit dem aus den USA kopierten Business Gehabe, abhanden gekommen.

Jeder fünfte hat innerlich gekündigt, mich wundert’s nicht, eher wundert’s mich, dass es nur jeder fünfte ist.