Homelife, Homeoffice, Homeschool, viel zuviel Home


Homelife, Homeoffice, Homeschool

Homelife, Homeoffice, Homeschool, Corona hat’s mit sich gebracht, dass wir mit diesen drei Begriffen bestens vertraut sind. Gewundert habe ich mich dabei seit einiger Zeit über die Klagen vieler Eltern. Allgemeiner Tenor dieses Mama – Papa Chores, wie sollen wir das alles unter einen Hut bringen, es bringt uns ans Ende unserer psychischen Reserven. Weicheier meinte ich, wenn ich diese Klagen täglich in meiner Zeitung las.
Der liebe Gott hat wohl davon mitbekommen und Schicksal gespielt. Kurzum, wir Rentner, wurden über Nacht für drei Schulkinder so etwas wie homeschooling Paten und bekamen einen Blick in Schule 2020 plus. Unsere Schulpatenkinder gehen in verschiedene Klassen, Erste, Vierte und Fünfte.
Jeden Tag holen wir uns aus einer Cloud den täglichen Unterricht, so an die 20 DIN 4 Seiten pro Kind, es waren aber schon deutlich mehr. Deutsch, Mathe, Englisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftskunde. Die Schulbehörde muss davon ausgehen, die Kinder sind in der Lage sich den Stoff selbstständig zu erschließen, auch noch richtig und dann noch massig Hausaufgaben zu machen. Wobei Lernstoff und Hausaufgaben ineinander verschwimmen. Von den Kindern wird erwartet, dass sie Universalisten sind,

Lehrer und anschließend Schüler in einer Person. Geht das überhaupt? Nein, es geht nicht. Doch dazu später.
Sehr schnell lernten wir, die Kinder lernen im perfekten Chaos. Pro Fach gibt es mehrere Bücher, Hefte und lose Blattsammlungen, die abgeheftet werden müssen. Wehmütig fällt mir beim Anblick des Durcheinanders die geordnete Arbeit in früheren Schuljahren ein.
Wie sieht es nun bei den Eltern, respektive Schulpaten aus. Jede Menge Eltern gehen einer Beschäftigung nach. Entweder sind sie an die zehn Stunden unterwegs oder sollten an die acht Stunden homeworking bewältigen. Anschließend sollen sie noch den Haushalt etc. stemmen und, weil Freizeit schädlich ist, homeschooling mit den Kindern bewerkstelligen. Wir sollten uns vor Augen halten, der Tag hat immer noch 24 Stunden, da hat sich nichts geändert.
Meine Frau und ich, beide Pensionäre, sind wie gesagt Schulpaten geworden, von drei Kindern mit Migrationshintergrund. Alle drei sprechen zu Hause ausschließlich ihre Muttersprache. Sie können sich in unserer Sprache verständlich machen. Das heißt, sie sprechen wenig Deutsch, an sich nur in der Schule, die gibt es aber momentan nicht. Das heißt aber auch, sie brauchen eine Vollzeitbetreuung beim Lernen, die deutschen Texte der Schule erschließen sich ihnen nicht. Wie sollen sich auch Kinder in den unteren Grundschulklassen selber unterrichten, die Schulbehörde gibt darauf keine Antwort.
Unser homeschooling sieht so aus. Meine Frau holt sich, wie gesagt, täglich so an die im Mittel 60 DIN 4 Seiten aus dem PC und druckt sie aus. Um 11:00 treffen wir dann unsere Schüler. Dann sind wir im Durchschnitt an die fünf Stunden voll intensiv damit beschäftigt, den Kindern den Lerninhalt begreiflich zu machen und die Hausaufgaben zu begleiten. Die Schulbehörde setzt hierbei auf Masse, es reichen nicht vier oder fünf Rechenaufgaben, nein es müssen zwanzig sein. Zeit zum Erklären des Lernstoffes bleibt dabei nicht, wir müssen durch die Seiten rasen und sehen, dass wir irgendwie damit zu Ende kommen. Das hat die Schule vorhergesehen und so werden alle paar Tage neue Themen ins Rennen geschickt. Jedes dieser Themen bräuchte seine Zeit für erklären, verstehen und abarbeiten. Diese Zeit erlaubt eine Schule die auf Masse setzt nicht. Ob die Kinder verstehen, was da mit ihnen geschieht? Ich glaube nicht, ich verstehe es auch nicht, der Nürnberger Trichter hat nie funktioniert.
Wir haben einen Vorteil, der sich für die Kinder zum großen Nachteil auswachsen wird. Wir bekommen die Lösungen mitgeschickt, sie sollen uns helfen. So wird denn eben mit Taschenrechner und Lösungsblatt versucht dem Massenandrang von DIN 4 Seiten seitens der Schule
entgegenzuwirken.
Wir quälen uns jeden Tag rund fünf Stunden mit Englisch, Deutsch und Mathe. Dafür haben wir auch Verständnis, kein Verständnis aber für die Menge in jedem dieser Fächer.
Es gibt da dann noch zwei Fächer Gewi und Nawi – Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften. Zwei äußerst zeitaufwendige Fächer. Im Ersten sollen die Kinder am laufenden Meter geografische Zeichnungen von Landesteilen fertigen, dass dauert Stunden, viele Stunden und im Letzteren werden die Kinder aufgefordert naturwissenschaftliche Experimente durchzuführen. Das kann man durchaus, diese Experimente sind für Kinder von großem Erkenntnisgewinn, sie sind auch mit Mittel, die im Haushalt zu finden sind durchzuführen. Eines ist aber nicht da, Zeit. Gewi und Nawi brauchen enorm viel Zeit. Experimente, geht nicht. Das Kind schreibt auf, was der Erwachsene ihm diktiert. Lerngewinn gleich Null. Der Tag hat eben nur 24 Stunden.
Nicht einmal wir als Rentner haben soviel Zeit, denn wir müssen irgendwo noch die Dinge des täglichen Lebens in die Reihe bekommen.
Eltern, die homeoffice machen und/oder arbeiten gehen haben diese fünf bis sechs Stunden nicht. Sie müssen sich um ihre Jobs kümmern. Und wenn dann in einer Videokonferenz alle paar Minuten das Schulkind auftaucht und um Hilfe bittet, dann ist die berufliche Konzentration nicht mehr gegeben.
Eine sehr schöne Darstellung, bietet ein Artikel im heutigen Tagesspiegel, „Zurück in die 50er“. Schulbehörde, Lehrer und Eltern sollten sich diesen Beitrag zu Gemüte führen und ihr Handlungen mehr an die wirklichen Gegebenheiten des Lebens anpassen. Wunschdenken der Schulbehörde reicht nicht.

Ein sehr schöne Darstellung, bietet ein Artikel im heutigen Tagesspiegel, „Zurück in die 50er“. Schulbehörde, Lehrer und Eltern sollten sich diesen Beitrag zu Gemüte führen und ihr Handlungen mehr an die wirklichen Gegebenheiten des Lebens anpassen. Wunschdenken der Schulbehörde reicht nicht.

https://plus.tagesspiegel.de/zurueck-in-die-50er-wie-die-pandemie-aus-frauen-wieder-hausfrauen-macht-97799.html

2 Gedanken zu „Homelife, Homeoffice, Homeschool, viel zuviel Home

  1. Ringo Nitsche

    Respekt Bernd für eure Engagement und Nerven. Ich bin selbst seit fast einem Jahr im Homeoffice ( was für mich perfekt ist ) und sehe das Homescooling bei der Enkelin live. Sie schafft das ganz gut, es fehlt aber der Austausch mit den Mitschülern. Kinder lernen oft von einander leichter, als von uns Erwachsenen. Für Kinder mit Migrationshintergrund dürfte das noch mehr gelten. VG DER Blitzmaerker

    1. Bernd

      Ein Jahr Homeoffice, Hut ab. Wenn’s geht und dir Spaß macht, warum nicht. Bei uns ist es die Masse der Arbeiten die wir nicht abarbeiten können. Das macht krank. Herzliche Grüße Bernd

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