Hitze, Brunch, Kloster Chorin

5. Juli 2010 Aus Von Angelika

Jule, die Freundin von Benjamin meinen Sohn, wurde 18 und volljährig. Wenn ich so zurückdenke als ich 18 wurde. Was hatte man damals noch für Vorstellungen und Ideen. Toll! Volljährig, Erwachsen, die Realität brachte uns schnell auf den Teppich zurück. Da hat sich nichts geändert, auch Jule und Benjamin schweben heute in höheren Sphären, dürfen sie auch, dass gehört dazu. Wir wurden für den Vormittag zum Brunch geladen. Jule arbeitete sich an einer kurzen Rede ab, während wir uns an einem Glas Rotkäppchen festhielten. Irgendwie hat sie die Tücken der freien Rede gemeistert und kam zum Ende, wir, die um sie im Kreis standen, klatschten und schwitzten.

Bei brütender Hitze begann die Attacke auf das kalte Buffet, ach nee, dass nennt sich ja jetzt Brunch, ist sonst aber das selbe wie ein altdeutsches Buffet. Der Wirt und seine Leute hatten die Leckereien mit viel Mühe und Liebe zum Detail aufgebaut. Ratz – Fatz, sahen die Platten und Teller aus als ob ein Hurikan drüber hinweg gefegt wäre.

Viele von Jules Gäste waren einander fremd und die Anordnung der Tische erlaubte es nicht, sich gegenseitig zu beschnuppern, so bildeten sich kleine Gruppen und Grüppchen, jeder blieb für sich, so richtig kam keine Stimmung auf. Einige verkrümmelten sich an die Tische, die auf der Straße standen, da, im Schatten, wars ein wenig kühler, dafür nervte eine ununterbrochene Schlange von krachmachenden Autos, wie kann ein Mensch da nur wohnen? Eine hartgesottene Truppe blieb an Tisch und Teller kleben, bewachte das Buffet und fraß sich durch den vom Wirt servierten Nachschub.

Es ergab sich bald die Gelegenheit, leise und unauffällig zu verschwinden. Wir verdrückten uns ins Gerhard Hauptmann Museum, da war es schön kühl, ruhig und wir lernten ein kleines, sehenswertes Museum kennen, an dem wir seit vielen Jahren vorbeigefahren sind und immer wieder sagten: Da müssen wir doch einmal hingehen, was bisher noch nie klappte.

Wir wollten noch zum Kloster Chorin, einmal im Monat, während des Musiksommers gönnen wir uns Klassik pur. Unsere Eintrittskarten waren schon im Januar gekommen, da wußten wir noch nichts vom kommenden heißen Juni, nun wars zu spät, etwas ändern ging nicht, also machten wir uns auf die Strümpfe. Kühl und schön empfing uns die von viel Grün umgebene Ruine, angenehm kühl war es auch in ihrem Gemäuer.

Das Konzert, dirigiert von Thomas Dausgaard, einem brillianten Dirigenten, war ein Genuss. Diesmal standen Auszüge aus „Der Bürger als Edelmann“ op. 60 von Richard Strauss und die Symphonie Nr. 6 D-Dur op. 60 von Antonin Dvorak auf dem Programm. Hervorragend gespielt vom Konzerthausorchester Berlin. Thomas Dausgaard dirigierte ohne Noten und so temperamentvoll, dass er in den zwei Stunden bestimmt einige Kilos verloren hat. Er war, wie man so schön sagt, mit Leib und Seele dabei. Grandios!