Hartz und Niedriglohn

Während der Regierungszeit von Gerhard Schröder wurde im Jahr 2003 das Arbeitslosengeld II und die Sozialhilfe zusammengelegt. Dadurch sollten Menschen, die dort geparkt waren, motiviert werden möglichst bald in den Arbeitsmarkt zurück zu finden. Fördern und Fordern, war der Leitgedanke der Erfinder von Hartz IV und sie waren damit erfolgreich. Viele fanden den Weg zurück in die Arbeitswelt, ein großer Teil hat es nicht versucht oder geschafft und macht es sich in der Grundsicherung gemütlich. Einige unserer Parteien versuchen für diese Gruppe eine Stütze auf hohem Niveau zu erreichen, wissend, dass damit die Schere zwischen Grundsicherung und Niedriglohn immer mehr zusammenklappt. Mit Hartz IV und ein bisschen Nebenbei lässt es sich ohne Sorgen leben. Die Sozialhilfe hält alle Widrigkeiten des Lebens von ihnen fern. Mieterhöhungen und steigende Heizkosten kratzen sie nicht, die bezahlt die Bevölkerung über ihre Steuern.

In meinem Bekanntenkreis gibt es ein Ehepaar, das für einen Niedriglohn arbeitet, der Hartz IV um wenige Euros übersteigt. Die Beiden gehen am Morgen im Dunkeln aus dem Haus und kommen des Abends kaputt und müde zurück. Sie müssen ihre Monatskarten für den Verkehrsbetrieb selber bezahlen, sich mit Miete, Energiepreisen und Rundfunkgebühren herumschlagen. Sie bekommen, im Gegensatz zum Hartzler, keine Ermäßigungen, weder im Theater noch im Schwimmbad oder Sportverein. Es sind ihre Kinder, die nicht an Klassenfahrten teilnehmen, weil sie sich solchen Luxus nicht leisten können. Die Kinder von Hartzler dagegen können solche Veranstaltungen ohne Abstriche miterleben, die vollen Kosten werden vom Grundsicherungsamt übernommen. Ist der Hartzler arm, oder ist es der, der für das Existenzminimum schuftet? Brachte man uns früher nicht schon als Kinder bei: Arbeit adelt und schafft gesellschaftliche Anerkennung. Da hat sich etwas gewandelt, heute passt eher der Slogan: Stütze adelt. Nur, ob unser Land eine solche Wandlung auf Dauer verkraftet, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

  1. billig mann

    ist doch klar, dass immer noch viele Menschen „schwarz arbeiten“ mit Hartz zusammen keine uninteressante Sache. Also ne 15 Stunden Woche mit vollem Lohnausgleich sozusagen

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