Gespräch über Söhne

Ab und zu fahre ich mit der Bahn zu meiner Tochter nach Dresden. Bei meiner letzten Fahrt wurde ich ungewollt Zeuge eines Telefonat einer älteren Dame. Es drehte sich um zwei Söhne, die am anderen Ende der Leitung wohl miteinander verglichen wurden. Die Frau wurde bei diesem Gespräch immer aufgeregter, ich sah, dass sie den Tränen nahe war.  Leid tat sie mir und so sprach ich sie zögernd auf die mitgehörte Unterhaltung an.

Als wenn ein Stöpsel aus dem Becken gezogen wurde, sprudelte die ganze Geschichte mit den Söhnen aus ihr heraus.

Sie lebt in einem kleinen Ort in Irgendwo. Ihren Partner und seinen Jungen lernte sie vor 10 Jahren kennen. In ihrem Haushalt ist neben der Tochter auch ein Sohn. Die beiden 13 jährigen verstanden sich am Anfang ganz gut. Das ändere sich im Laufe der Zeit. Der Junge ihres Partners ist ein Schmutzfink und sehr unordentlich. Ihr Bub dagegen liebt Sauberkeit und Ordnung. Da beide Knaben an den Wochenenden im Zimmer des Sauberen übernachteten, kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen. Saubermann weigerte sich Schmutzfink weiterhin in seinem Raum zu beherbergen. Es begann sich etwas hochzuschaukeln. In Punkto seines Sprößlings war mit ihrem Partner nicht zu reden. Er liebt den Burschen abgöttisch und klappte bei Kritik die Ohren zu.  Mit den Jahren hatten sich alle  mehr oder weniger mit der Situation arrangiert.

Er kaufte  ein Haus im Ort nebenan, damit er es nicht mehr so weit zu ihr hatte. Wochenlang renovierten sie das alte Gemäuer. Beide Jungmänner halfen kräftigst mit. Als alles fertig war zog Ihr Partner mit Sohn und Oma dort ein. Ab da blieb Max am Wochenende bei der Oma. Die Jahre kamen und gingen, die Bengels wurden flügge und Max lernte ein Mädchen kennen und zog mit großem Krach aus, zur Freundin. Der längere Ausflug endete in einer Katastrophe, der Knabe bezog wieder sein Zimmer. Kurz darauf zog es ihm mit einer neuen Freundin in eine Stadt, weit weg. Bei dem Umzug und der Renovierung half  Moritz, ihr Sohn wieder tatkräftig mit.

Dieser Auszug endete nach 18 Monaten mit der Zwangsräumung. Moritz war wieder dabei und half beim Ausmisten der alten Wohnung und beim Wechsel in das neue Nest. Das Ende der neuen Behausung von Max kam für alle unerwartet rasch, wieder räumen und reinigen, die komplette Einrichtung flog in einen Müll Container. Alle packten mit an, auch Moritz, obwohl Max umgekehrt nie einen Finger für andere krumm machte.

Der andere, Moritz,  mit Hängen und Würgen schaffte er seine Ausbildung und hat dann ein wenig in dem Beruf gearbeitet. Zu Hause kümmerte er sich um den Garten, so dass seine Mutter die schweren Arbeit nicht mehr machen musste. Auch er lernte er ein Mädchen aus der Nachbarschaft kennen. Mit ihr ist er bis heute noch zusammen. Nach kurzer Arbeitslosigkeit fing er in dem Betrieb des Großvaters seiner Freundin an zu jobben, wenige Stunden am Tag, für ein Taschengeld.  Er werkelte dort von Montag bis Freitag und dann ging er ins Wochenende. Das hieß, auch bei seiner Mutter ging dann nichts mehr, egal was passierte. Das rief nun den Zorn ihres Partners auf den Plan. Er sagt, er ist wie sein eigener Sohn, asozial und begründet das Ganze so:

Ihr Sohn verspricht anderen Menschen Hilfe und lässt sie dann hängen. Einst wollte Moritz beim Nachbarn malern, im letzten Augenblick ließ er ihn abblitzen. Das war seiner Familie mega peinlich und es gab Zoff. Das nächste Mal bat der Freund ihrer Tochter um Hilfe für seine Eltern, die mit der Renovierung ihrer neuen Wohnung total im Rückstand waren. Auch hier fand er fade Ausreden und gab ihm  eine Abfuhr,  Sebastian, so heißt der Freund ihrer Tochter, zog mit hängenden Schultern davon. Ihr und ihrem Partner war es unendlich peinlich,  sie boten sich als Ersatz an. Die Hilfe wurde mit Freude angenommen.

Dieser Winter war so schlimm wie selten und der Schnee rieselte ständig vom Himmel, auch Wochenends. Das hieß schippen, schippen und nochmals schippen. Moritz, als man ihn um Hilfe anging, krähte, er kann nicht, er müsse jetzt kochen. Sie bat ihre Tochter und Freund zu helfen und die kamen sofort. Ihr Partner fuhr zu seinem Haus, nach dem Schnee sehen. Jetzt, wo es anfängt zu tauen, ist es wichtig den Schnee vom Haus weg zu schaffen. Ihren Sohn hat er nicht mehr gefragt. Die beiden reden nicht mehr miteinander. Er bezeichnet ihren Sohn als eine Art Assi. Moritz mag nicht mehr unter einem Dach mit ihm leben, wenn er ihn als Faulpelz und Assi bezeichnet. Seiner Mutter wirft Moritz vor, nicht zu ihm zu halten und ihrem Freund nicht die rote Karte zu zeigen. Ihr Partner puscht sich immer mehr gegen ihren Sohn auf. Er verachtet ihn, so hört sie es öfters von ihm.

Das kann es doch nicht sein. Sie hat seinen Max  immer gerecht behandelt, obwohl der, darin sind sich alle einig,  ein ausgesprochener Kotzbrocken ist. Er will absolut nicht arbeiten. Hält keine HartzIV Termine ein, weil er meint, er hats nicht nötig anzustehen. Schmeißt das Geld zum Fenster raus. Er saugt seinen Vater finanziell bis aufs Blut aus. Er belügt und betrügt ihn. Aber wenn er sich einmal im Leben anbietet ihm beim Schneeschippen  zu helfen, dann  ist alles vergessen. Sie ist ganz verzweifelt und weiß nicht, wie es mit ihr und ihrem Partner weitergehen soll, wenn sie keine Lösung finden.

Ob meinem Gegenüber das Gespräch geholfen hat, weiß ich nicht. Wir sind nicht ganz zum Ende gekommen, der Zug stoppte und sie verschwand in der Menge, die in den Bahnhof hastete.

  1. Angelika Beitragsautor

    Da hast Du recht, liebe Renate, nur wenn sie im Leben mal hingefallen sind, werden sie vielleicht erwachsen.
    Lieben Gruß
    Angelika
    der Vater guckt misstrauisch zu, was ich da schreibe 🙂

  2. Renate

    Da hilft vermutlich nur eines: konsequent sein, kein Geld mehr geben. Aber das wird dem Vater vermutlich sehr schwer fallen. In meinem Bekanntenkreis habe ich einen ähnlichen Fall. Da sind es gleich zwei Söhne, die den Eltern auf der Tasche liegen. Zwillinge ….

    Ich denke, es ist oft ein Fehler, solche Kinder finanziell zu unterstützen. Dadurch lernen sie das „richtige“ Leben nicht kennen, sondern glauben, ihren Erzeugern bis zum Sanktnimmerleinstag auf der Tasche liegen zu können.

    Liebe Grüße – Renate

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