Geplatzter Umzug

27. Februar 2010 Aus Von Angelika

Es schrillt laut in meinem Traum hinein. Fünf Uhr am Morgen, alles ist duster, kein Leben auf der Straße. Am Samstag so früh aus den Federn kullern, es gibt keinen Ausweg, wir sollen um acht in Dresden sein. Hastig schlürfen wir Pötte mit heißen Milchkaffee und klettern fröstelnd in unseren Ford. Wir rollen auf leerer Autobahn der Elbstadt entgegen.

Dort, an der Elbe, hocken in einem ehrwürdigen, alten Haus, Janina, Angelikas Tochter, der vierjährige Etienne und die 12 Monate alte Felicite auf zerlegten Betten und Schränken, umgeben von Kartons, voll mit ihrem Hausrat, Spielzeug und Klamotten. Sie warten auf den Möbel-Brummi, der ihre Habe nach Berlin schaffen soll. Heute, so um acht Uhr, soll der Laster da sein, die Männer sollen alles einladen und dann in Richtung neue Wohnung nach Mahrzahn düsen.  Damit endet eine Geschichte, die begann, als Janina alleine aus Liebe nach Dresden zog und nun zu dritt heimkehrt.

Es ist warm, mir besonders, quäle ich mich doch wieder einmal durch das ungeliebte Dresdener Straßenlabyrinth, dem Gewühl der Autos und Radfahrern, getoppt von seinen Alpträume schaffenden Straßenschildern. Endlich, irgendwie sind wir da, habens geschafft, finden einen Platz für unseren Bus. Wir blicken zum Haus, breit reckt es sich in der Morgensonne entgegen. Nur vom Möbeltransporter ist nichts zu sehen, wir ahnen Schlimmes.

Warten, gegenüber auf anderen Seite der Straße ist eine Konditorei. Wir trinken Kaffee, Etienne süffelt an seinem Kakao. Janina tippt auf der Tastatur von ihrem Handy, auf der anderen Seite nimmt keiner den Hörer ab. Wenn der Lastwagen nicht kommt, was soll werden? Der Küchenherd hat keinen Strom und die Waschmaschine kein Wasser mehr. Etienne ist seiner Kita abgemeldet.

Es wird zwölf, nichts rührt sich. In der kleinen Firma für den guten Umzug langt keiner zum Telefon, sind die pleite? Warum sind sie nicht gekommen? Warum meldet sich dort keiner? Es hat keinen Sinn weiter auf Nichts zu warten, Angelika packt Etiennes Legosteine und einiges zum Anziehen ein, wir nehmen den Jungen mit nach Woltersdorf. Janina und ihre Tochter bleiben in dem Chaos, müssen bis Montag warten, ergründen was passiert ist und einen anderen Möbelspediteur finden, einen der kommt, wenn er es verspricht. Wir üben uns derweil in unserer Rolle als Oma und Opa.