Geplatzter Umzug

Es schrillt laut in meinem Traum hinein. Fünf Uhr am Morgen, alles ist duster, kein Leben auf der Straße. Am Samstag so früh aus den Federn kullern, es gibt keinen Ausweg, wir sollen um acht in Dresden sein. Hastig schlürfen wir Pötte mit heißen Milchkaffee und klettern fröstelnd in unseren Ford. Wir rollen auf leerer Autobahn der Elbstadt entgegen.

Dort, an der Elbe, hocken in einem ehrwürdigen, alten Haus, Janina, Angelikas Tochter, der vierjährige Etienne und die 12 Monate alte Felicite auf zerlegten Betten und Schränken, umgeben von Kartons, voll mit ihrem Hausrat, Spielzeug und Klamotten. Sie warten auf den Möbel-Brummi, der ihre Habe nach Berlin schaffen soll. Heute, so um acht Uhr, soll der Laster da sein, die Männer sollen alles einladen und dann in Richtung neue Wohnung nach Mahrzahn düsen.  Damit endet eine Geschichte, die begann, als Janina alleine aus Liebe nach Dresden zog und nun zu dritt heimkehrt.

Es ist warm, mir besonders, quäle ich mich doch wieder einmal durch das ungeliebte Dresdener Straßenlabyrinth, dem Gewühl der Autos und Radfahrern, getoppt von seinen Alpträume schaffenden Straßenschildern. Endlich, irgendwie sind wir da, habens geschafft, finden einen Platz für unseren Bus. Wir blicken zum Haus, breit reckt es sich in der Morgensonne entgegen. Nur vom Möbeltransporter ist nichts zu sehen, wir ahnen Schlimmes.

Warten, gegenüber auf anderen Seite der Straße ist eine Konditorei. Wir trinken Kaffee, Etienne süffelt an seinem Kakao. Janina tippt auf der Tastatur von ihrem Handy, auf der anderen Seite nimmt keiner den Hörer ab. Wenn der Lastwagen nicht kommt, was soll werden? Der Küchenherd hat keinen Strom und die Waschmaschine kein Wasser mehr. Etienne ist seiner Kita abgemeldet.

Es wird zwölf, nichts rührt sich. In der kleinen Firma für den guten Umzug langt keiner zum Telefon, sind die pleite? Warum sind sie nicht gekommen? Warum meldet sich dort keiner? Es hat keinen Sinn weiter auf Nichts zu warten, Angelika packt Etiennes Legosteine und einiges zum Anziehen ein, wir nehmen den Jungen mit nach Woltersdorf. Janina und ihre Tochter bleiben in dem Chaos, müssen bis Montag warten, ergründen was passiert ist und einen anderen Möbelspediteur finden, einen der kommt, wenn er es verspricht. Wir üben uns derweil in unserer Rolle als Oma und Opa.

  1. Torben

    Tja, und da soll noch mal Jemand sagen, es wäre nicht das Beste, wenn man wie immer alles SELBST in die Hand nimmt!

    Traurig, dass man sich heutzutage auf nix und niemanden mehr verlassen kann. 🙁

    Mein Beileid an Euch, und seid froh dass man bei Euch nicht auch noch die Polizei gerufen hat, das ist mir nämlich bei meinem letzten Umzug passiert als ein Nachbar sich nach 5 Minuten dort beschwert hat, nur weil der Sprinter kurz auf der Wochnungszufahrt stand 🙂

  2. Stefan

    So ein geplatzter Umzug ist natürlich übel, vor allem, wenn dann auch noch keiner bei dem Möbelspediteur zu erreichen ist. Naja, Servicewüste Deutschland, und dann wundert mann sich, dass die Aufträge zurück gehen.

    Vielen Dank, Stefan

  3. Angelika Beitragsautor

    Das Ding ist noch nicht zu Ende, liebe Renate, das HartzIV Amt in Dresden hat den Betrüger im Voraus bezahlt. Jetzt weigert es sich einen zweiten Umzugsunternehmen zu bezahlen, der diesen Umzug korrekt durchführen würde und verlangt von meiner Tochter, dass sie mit dem Betrügerunternehmen umziehen soll. Der kommt vielleicht am nächsten Samstag und wenn nicht, dann gehts von vorne los.
    Das Dresdner HartzIV Amt will nicht für seine Fehler einstehen.
    Lieben Gruß
    Angelika und Bernd

  4. Renate

    Oh Mann, was für eine unangenehme Situation. „Warten auf Godot“, das ist eine ziemliche Herausforderung an die Geduld!

    Was ist denn nun der Stand der Dinge?

    Lieber Gruß von Renate

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