Finanzorakel

16. Juni 2010 Aus Von BerndWohlers

Gestern tagte der Finanzausschuss von Woltersdorf. Nach den einleitenden Worten, gings schnell zur Sache. Herr Neumann von den Sport- und Freizeit Anlagen, ein Eigenbetrieb des Ortes, brauchte ausserplanmässig Geld. Anstatt einzubringen, kostet die Anlage an den Fuchsbergen Steuergeld und wir haben erst das halbe Jahr rum, da kommt garantiert noch ein ausserplanmässiger Zuschuss auf die Gemeinde zu. 30.000 Euro, damit meint Herr Neumann kann er die akute Zahlungsunfähigkeit stoppen. Der Betrieb hat da so seine Probleme mit der Vorsteuer, aber nicht so schlimm – bei Liquiditätsproblemen darf und muss die Gemeinde einspringen, dass heißt DU und ICH. Vielleicht sollte es eine Warnung für die noch großzügiger geplante Mehrzweghalle sein.

Der nächste Hit war der Jahresabschlussbericht 2008. Selten vernahm ich in einem beratenden Gremium solch einen Zahlensalat. Die Kämmerin, Frau Drawe, berichtete, dass es keine Eröffnungsbilanz gibt und somit auch keine Inventur und keine Gewinn und Verlustrechnung (GV), wie die Kämmerin dann zu ihren Zahlen gekommen ist, bleibt wohl ein Geheimnis der kameralistischen Buchhaltung. Ihr Jahresbericht 2008 lag obendrein nur als Entwurf vor, das Werk hat auch noch keine Freigabe vom Rechnungsprüfungsamt Oder/Spree. Nichts destro trotz entlasteten die Gemeindevertreter, mit dem nicht rechtskräftigen Entwurf, den ehemaligen Bürgermeister Höhne für 2008. Das soll mir mal einer vorrechnen: Keine Anfangbilanz, keine Endbilanz, keine GV, keine Inventuren und trotzdem eine Entlastung. Da überfällt jedem Kaufmann das kalte Grausen.

Dr. Schulz, der Vorsitzende des Finanzausschusses, regte für die langfristige Finanzplanung die Einrichtung einer Tabelle pro Projekt an, in der die Kosten aller Anlagen der Gemeinde gesammelt würden. Das rief heftiges Entsetzen bei Herrn Pieper hervor, der schon sah, dass für jeden Baum der Gemeinde eine Tabelle angelegt werden müsse. In dem Punkt teile ich die Abneigung von Herrn Pieper für das zusätzliche Werk. Bei einer vernünftigen elektronischen Buchhaltung mit einem detailierten Kontenplan, was an sich Norm sein sollte, bekommt man solche Auskünfte auf Knopfdruck. Nun bleibts erst mal beim Alten, möge sich der neue Facilitymanager damit plagen. Für Deutsche: Facilitymanager ist ein Gebäudeverwalter.

Die Grundstücksverkäufe der Gemeinde sind wie immer ein Knüller. Dr. Vogel hat Grundstücke in den Schaukästen der Gemeinde zum Verkauf angeboten, ohne die Zustimmung der Gemeindevertretung, welches die Vertretung mächtig „erfreute“, obendrein wussten sie nicht einmal genau, um welche Liegenschaften es ging, herrlich. Bei der Diskussion stellte sich zudem heraus, dass einige der Objekte im Aushang ohne Maklergebühr und über die GWG mit Courtage verkauft werden sollten. So nebenbei erfuhren wir, dass die GWG 6 Prozent Maklergebühr nimmt, ein stolzer Satz. Dr. Vogel darf seine Werke nun wieder aus den Schaukästen entfernen lassen.

Die Christliche Kita erhielt einen ausserplanmässigen Zuschuss von 10.000 Euro. Der war zu gewähren, weil dort mehr Kinder unter drei Jahren betreut wurden als ursprünglich erwartet.

Als letzter Punkt wurde die Freigabe der Mittel für den Anstrich des Aussichtsturms in Höhe von 11.400 Euro auf den Herbst vertagt. Die Entscheidung darüber soll der neue Gebäudeverwalter treffen, der wirds schwer haben, stehen ihm doch insgesamt für alle Liegenschaften nur 50.000 Euro zur Verfügung. Weit kommt er mit dem Kleckerbetrag bestimmt nicht.

Zum Abschluss ging es um die Neubesetzung der Stelle des Gebäudeverwalters. Die Verwaltung hat unter knapp 30 Bewerbern NUR einen gefunden, mit dem alle können. WBF-Vogel monierte, es sollten der Gemeindevertretung aber drei Bewerber vorgestellt werden. Das wurde von Frau Weber abgeschmettert: Es gibt keine drei Bewerber, die den Kriterien entsprechen. Toll bei der ganzen Sache finde ich, die Gemeindevertretung hat sich die Personalhoheit in der Hauptsatzung vorbehalten. Weshalb läßt sie dann ihre Arbeit von der Verwaltung erledigen? Die Verwaltung sucht doch den aus, den sie will. Die Vertreter der Gemeinde müssen so die Angaben der Verwaltung über Stärken und Schwächen der Bewerber schlucken, wenn sie nicht selbst alle Bewerber prüft und dann selbst wählt. Da hätte man die Hauptsatzung nicht ändern brauchen.

Nachtrag vom 24. Juni
Frau Drawe versicherte mir heute, dass sehr wohl eine Eröffnungsbilanz für 2008 vorhanden ist. Wie es zu den missverständlichen Äußerungen gekommen ist, konnte sie sich nicht erklären.