Feier zum 70zigsten Todestag von Fidus

An diesem sonnigen, recht kalten Freitag, es war der 23. Februar 2018, versammelten sich am Grab des Künstlers Fidus auf dem Friedhof von Woltersdorf zahlreiche Menschen . Vor 70 Jahren verstarb Hugo Höppener, genannt Fidus – hier in Woltersdorf.

Die musikalische Umrahmung des Programms wurde von der Posaunengruppe „Holly-Brass“ gestaltet.

Gisela Schuldt, Vorsitzende des Woltersdorfers Verschönerungsverein begrüßte die zahlreichen Gäste. Sie erklärte, dass sich der älteste Verein aus Woltersdorf, der Woltersdorfer Verschönerungsverein mit der Ev. Kirche St. Michael und dem Verein Kulturhaus Altes Schule die Aufgabe stellten, den Menschen und Künstler Fidus – anlässlich seines 150 Geburtstages und 70. Todestages zu würdigen.
Fidus lebte und wirkte von 1907 bis zu seinem Tode 1948 in Woltersdorf in der Köpenicker Straße 46. Das von ihm entworfene und erbaute Haus ist sichtbar gewordener Ausdruck seiner Ideen der Lebensreform. Sein gestaltetes Atelier, das gleichzeitig der Schauraum war – so seine Intention – sollten über Orts- und Ländergrenzen hinaus bekannt werden.
Die Ehrung seines Lebenswerkes, seine Haltung zur der ihn umgebenden Wirklichkeit und die lebendige Auseinandersetzungen mit seinem Schaffen sollten beleuchtet werden. Unter den Gästen befanden sich auch Nachkommen von Fidus wie Urenkel und Enkel Matthias und Andreas Höppener-Fidus und vom Flugpionier Martin Haller, Oliver Haller.

Als nächster sprach dann der Enkel Andreas Höppener-Fidus. Er erzählte aus seiner Kindheit, denn als sein Großvater starb war er erst 11 Jahre alt. Er kannte ihn als gütigen und verständnisvollen Großvater. Da er mit seiner Mutter im Riesengebirge wohnte, erinnerte er sich daran, dass es immer ein besonderes Erlebnis war, wenn er das Haus seines Großvaters in Woltersdorf betrat. Diese große zweigeschossige Halle mit der Treppengalerie und den Bildern an der Wand und dann erst das Arbeitszimmer seines Großvaters, das rief bei ihm immer ein ehrfurchtsvollen Gefühl hervor. Der Schreibtisch seines Großvaters war ständig voller Bücherstapel. Das habe ihn besonders beeindruckt.
Die schönen Grußkarten, die er immer wieder von seinem Großvater bekam befinden sich bis heute in seinem persönlichen Besitz. Eine Karte davon ist für ihn was besonderes, denn sie kam an seinem 11. Geburtstag im November 1947, kurz bevor sein Großvater am 23.02.1948 starb.
Er erbte, als 1988 Helga Wagner die letzte Bewohnerin des Fidus-Haus starb, das Haus und verkauft es im Jahr 1994 an den Berliner Geschäftsmann, Hans Bischof, der es saniert und erhält. Für die gelungene Sanierung wurde Hans Bischof 1998 der Brandenburgische Landesdenkmalpreis verliehen.
In dem Fidus-Haus sollte ein „Museum der Deutschen Lebensreform“ entstehen. Es wurde ein Förderverein gegründet, aber trotz zugesicherter Fördermittel, scheiterte das Projekt.

Die Bürgermeisterin von Woltersdorf, Margitta Decker betonte in ihrer Rede, dass das Fidus-Jahr die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen würde. Die sehr komplizierte und widersprüchliche Persönlichkeit Fidus rege zur Auseinandersetzung mit ihm an. Als sehr hilfreich empfand sie auch, dass durch das Abarbeiten an Fidus, die Bürger die Person Fidus besser verstehen würden und das trotz unterschiedlicher Meinungen ein achtungsvolles Umgehen miteinander möglich wäre.
Dr. de Bryn referierte kurz über einzelne Stationen und Entwicklungen aus dem Leben von Fidus. Er wies auf das beeindruckende Werk des Malers und Grafikers Fidus hin, beleuchtete aber auch die politischen Ambitionen von Fidus, der Mitglied der NSDAP war.

Auch Pfarrer Trodler sprach ein paar bewegende Worte zum Wirken und Schaffen von Fidus. Er hielt sich kurz, wir danken ihm sehr, denn es war lausekalt und der Wind pfiff durch die Mäntel.

Die nächste Station war dann im Kulturhaus Alte Schule, wo die Feier im Rahmen geladener Gäste ihren Fortgang fand. Gisela Schuldt begrüßte die anwesenden Gäste, darunter Minister Jörg Vogelsänger, unsere Bürgermeisterin, Margitta Decker, die Kreistagsabgeordneten, Prof. Eva Böhm, Monika Kilian und Dr. Siegfried Bronsert, Olliver Haller und für unseren Landrat kam Christian Stauch.

Gerald Ramm sorgte für den feierlichen Rahmen durch die sehr geschmackvolle Gestaltung der Gedenkecke für Fidus.

Wolfgang Funkhauser erfreute mit einem kurzen Stummfilm von der Feier zum 50. Todestag aus dem 1998.

Die musikalische Untermalung, u.a. mit Liedern L.v. Beethoven und R. Strauß, gestaltete die Sopranistin, Andrea Chudak, mit Begleitung am Klavier von Natalie Miller.

Herr Rohlfs vom Gerhard Hauptmann-Museum in Erkner erzählte aus der Zeit, als Fidus dem Friedrichshagener Kreis angehörte. Die Brüderpaare Hauptmann und Hart, sowie die Brüderpaare Apoll Holz und Schlaf, Bölsche und Wille, Strindberg und Przybyszewski waren Mitglieder dieses Kreises. Im Jahr 1902 zog es auch Fidus nach Friedrichshagen. Er hatte dort ein Haus gemietet, in dem es „umgehen“ sollte. Fidus glaubte an okkulte Vorgänge, und hatte gerade deshalb dieses Haus bezogen, um einmal einen Spuk selbst zu erleben. So richtig warm wurde er in diesem Kreis nicht, da seine Neigung fürs Okkulte dort nicht so richtig hinpassten.

Dr. de Bryn stellte das Tagebuch von Fidus von Januar bis März 1945 vor, durch dass man einen Einblick in das Leben Fidus zum Ende des zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch der Russen bekäme. Er zitierte einige Stellen daraus.
März 1945
„2.Freitag: Vormittagsalarm. Frühlingsbild: Gestalt nach unt mit „grüner Erde“ geschattet. Nachm. Sieht es Schultze und ist hingerissen. „Schmetterlinge“ betupft. Abendalarm. Ruhige, aber bisweilen schlaflose Nacht…..“

„9.Freitag: ….Die Feinde haben nicht unseren Sozialismus vernichten wollen – sie nennen ihn ja bei sich nur überall anders, sondern die Gewalt des „Hilterismus“, die sich gegen die Stimme des Volkes benommen hat: Beweis Gestapo und Konzentrationslager gerade gegen alle Denkenden und Ehrlichen. Ich will das Hitlerbild abwaschbar übertünchen: Er hat es ja selber nicht anerkannt!-“
„12. Montag: 1/4 p auf. Hitlerbild ausgerahmt und geweißt. Leinwand für die „Verlobung“ grundiert….“ Soviel aus Fidus Tagebuch.

Gisela Schuldt beendete den offiziellen Teil. Die einen gingen und andere bildeten noch kleine Gesprächsgruppen. Alles in allem ein gelungener Auftakt zum Fidusjahr.