Eine schlechte Kolumne in einer guten Zeitung

3. Februar 2014 Aus Von BerndWohlers

Morgens einen großen Pott Milchkaffee, dazu eine Tageszeitung mit einer gut geschriebenen Kolumne, so möchte ich jeden Morgen in den Tag starten. Die „Berliner Zeitung“, leicht linkslastig, erfüllt mir den Wunsch, meine Nase in eine gute Zeitung zu stecken.

Meinen zweiten Wunsch erfüllt mir die „Berliner Zeitung“ nicht immer. Die Aufgabe kann das Blatt auch nicht bewältigen, werden die Kolumnen doch von vielen Autoren verfasst. Der Geschmack der Leser ist auch unterschiedlich, der eine mag den, der andere den Stil, der eine liebt dieses Thema, der andere jenes. Die Kolumnen von Herrn Thadeusz, Volker Heise, Tom Schimmeck, Klaus Staeck und Karl-Heinz Karisch lese ich gerne, mit ihnen in den Tag zu starten macht Freude.

Es gab bei der Berliner Zeitung aber auch Mely Kiyak und es gibt Götz Aly sowie Annetta Kahane. Außer mir vor Freude war ich, als der Name Mely Kiyak aus der täglichen Kolumne verschwand, ich von ihren Artikeln verschont blieb. Ähnlich würde ich mich vor Freude kugeln, wenn Götz Aly und Anneta Kahane unter einem andauernden Schreibkrampf leiden würden und den Beruf, den ich bei beiden nicht für Berufung halte, wechseln müssten.

Mit Leserbriefen versuchte ich, meine Ansichten über die Schreibe von Götz Aly und Anneta Kiyak in die „Berliner Zeitung“ zu transportieren. Nie, niemals ist es mir gelungen, alle meine Emails und SMS wurden im, denke ich mal, Papierkorb begraben. Gedruckt fand ich immer nur gewaltige Zustimmung für das Trio. Ich lernte schnell, Leserbriefe zu schreiben hat nur Erfolg, wenn ich Robbe spiele. Robben klatschen unaufhörlich mit den Flossen und grunzen zustimmend. Robbe sein ist aber wider meine Natur, deshalb verfasse ich keine Leserbriefe mehr.

Heute bekam ich eine Kolumne von Anneta Kahane serviert. Kein so schöner Start in den Morgen, neugierig überfliege ich ihr mit „Staatliches Misstrauen“ getiteltes Werk. Die Gute kämpft, wie meistens, gegen Nazis, Rassisten und andere üble Zeitgenossen. Diesmal fand sie heraus, seit 1990 sind 184 Menschen durch Nazis ermordet worden. Vorstellen kann ich mir diese hohe Zahl zwar nicht, aber lassen wir’s gelten. Frau Kahane waren die 184 Ermordeten zu wenig. So musste ein Auftrag der Landeskriminalämter zur Aufstockung der Opferzahlen herhalten. In 649 Mordfällen wird von den Ämtern untersucht, ob die Taten nicht ein rechtsradikales Motiv haben könnten. Es steht nichts fest, es wird untersucht, es könnten 0 bis 649 rechtsradikale Morde sein, warten wir die Ergebnisse der Polizei ab. Anneta Kahane hat das Ergebnis der Untersuchung vorweggenommen, sie kommt auf über 800 Menschen, die durch rechtsextreme Täter ermordet wurden, und zieht die Schlussfolgerung: „Mord und Totschlag durch Nazis in dieser Dimension?“

Wer so polemisiert, der trifft die Nazis nicht, der gibt ihnen, meine ich, eine Argumentationshilfe. Jeder Nazi kann den Artikel vorweisen und sagen, hier schaut einmal, was die für einen Stuss schreibt. Deshalb mag ich die Alys und Kahanes nicht, sie schreiben für meinen Geschmack zu polemisch, eben sauschlechte Kolumnen.