Eine Hafengeschichte

Es ist ganz ruhig, wir hockten am Wasser, blickten auf die sich nähernde Schwanenfamilie mit ihren Jungen. Fotoapparat und ein Tool zur Tonaufnahme waren vorbereitet, wollten wir doch das Piepsen der Jungen aufnehmen. Da wurde unsere Exkursion gestört. Wie aus dem Nichts, kam ein junger Mann, baute sich wenige Zentimeter neben uns, auf dem Nachbargrundstück, auf. Er war über den wackligen Steg der zerfallenden Hafenanlage meines Nachbarn Grimhold herangestürmt.

Mit dem Hafen ist es ein Kreuz, mein Nachbar will wohl Boot und Hafen sein Eigen nennen, bedenkt dabei nicht, dass solche Wind und Wasser ausgesetzten Anlagen im Unterhalt teuer werden und je älter, umso teurer. Für den morschen Hafen hat’s Geld bisher nicht gereicht. So kam es wie es kommen musste, durch die sich zersetzenden Holzpfähle schwemmt mein Land davon, unaufhaltsam und täglich ein bisschen mehr. Grimhold scheint’s schnuppe zu sein, was macht man da? In einem Brief bat ich ihn: Grimhold, schau zu, dass durch deinen maroden Hafen nicht weiter mein Land davonschwimmt, sonst werd ich grimmig. Zuviel, viel zuviel, der hasenherzige Grimhold, ein mutiger Krieger, wenn genug Volk vor ihm steht, baute mit einem Advokaten eine erste Verteidigungslinie für seinen abgewirtschafteten Hafen auf, der Anwalt muss billiger sein als reparieren.

Grimhold, versteckt hinter seinem juristischen Wortkünstler, fühlte sich nicht wohl, ihm verlangte nach noch mehr Schutz. Sein militärischer Genius gab ihn ein, Verteidigung allein reicht nicht, es braucht noch eine bewegliche Einsatztruppe. Sie erschien in Gestalt des jungen Mannes, den wir am Anfang schon kennenlernten. Es war Grimholds Filius Toffel. Toffel stand da, grobschlächtig, einen gewaltigen Vorschlaghammer in der knorrigen Hand, während sein Erzeuger mit einem kleineren Hammer bewaffnet, vorsichtig hinter ihm blieb und seinen Rückzug deckte.

Toffel warf sich in die Brust, zeigte uns deutlich den Vorschlaghammer und stoppelte, dümmelnd, los: wenn wir Grimhold, seinen Vater, weiter belästigen, dann wird er es uns zeigen, dann wird uns was passieren. Mit vielsagendem Blick auf seinen gewaltigen Hammer dröhnte er weiter, was wir noch so alles für Tierchen sind und was ein Toffel mit Ungeziefer machen wird, wenn ich nicht hinnehmen will, dass mein Land in seinem Hafenwasser verschwindet.

Als Toffel mit seinem mühsam Einstudierten am Ende war, zeigten wir ihm und Grimhold seinen Papa -Handy und Fotoapparat-, bedankten uns für die in Bild und Ton aufgezeichnete Showeinlage, die wir uns am Abend bei einem Gläschen Wein noch einmal in Ruhe mit viel Vergnügen zu Gemüte führten. Nur, gebracht hat das Ganze nichts, mein Land schwimmt immer noch davon.