Eine Beurteilung Woltersdorfs aus 2017; Der zweite Brief

18. März 2018 Aus Von Gastautor

Gedanken zum Entwicklungskonzept vom November 2017

Gerne komme ich Ihrer Aufforderung nach, Ihnen für das Entwicklungskonzept meine persönlichen Vorstellungen zu unterbreiten.

Durch meine frühere Tätigkeit als regionaler Leiter der THA, BvS bzw. TLG hatte ich hinreichend Arbeitskontakte mit diversen Landräten und Bürgermeistern, also auch mit Ihren Vorgängern. Dadurch konnte ich gut bewerten, welche Interessen diese „kommunalen Würdenträger“ verfolgten und was sie antrieb. Nur so viel, Ex-BM Höhne und seine politische Hausmacht WBF waren wie die Vertreter des bekannten gallischen Dorfes und wollten eigentlich nichts bewegen, was außerhalb der Wohnbauentwicklung lag, gingen keine Zukunftsrisiken ein, verpassten nahezu jegliche gewerbliche Entwicklung, aus der man u. a, nachhaltig Gewerbesteuern hätte generieren können und wollten letztlich, dass Woltersdorf weiter nichts als ein Wohndorf am Stadtrand von Berlin bleibt. Und ansonsten war man resistent gegen fast alles, was nach dynamischer Entwicklung roch. Mit Ausnahme der Zuordnung von Wohnbauland aus dem bekannten Volkseigentum, lehnte man alle Hinweise und Vorschläge zur Zuordnung oder dem verbilligten Erwerb von Grund und Boden ab. Beispiele waren u. a. das TLG-Gelände in der Rüdersdorfer Straße oder der Campingplatz. Zudem behinderte man mit an Boshaftigkeit grenzender bornierter Haltung engagierte Investoren.

Es gibt keine Gemeinde innerhalb des Autobahnringes, die ihren Bürgern dermaßen miserable Ortsstraßen zumutet wie Woltersdorf. Aber das ist alles jüngere Geschichte und nun schwerlich zu korrigieren, weil man die früheren Chancen verbunden mit immensen Fördermöglichkeiten nun einmal in sträflicher Weise verpasst hat.

Hier meine Hinweise und Ideen:

1. Die Gebietsreform ist erst einmal gescheitert. Trotzdem wird Woltersdorf nicht umhin kommen, darüber ernsthaft nachzudenken, wie man auf freiwilliger Basis mit anderen Gemeinden fusioniert oder sich anderweitig vergrößert.
Eigentlich ist es doch nicht nachzuvollziehen, warum mitten in dem Berghofer Weg Woltersdorf endet und ein isolierter Zipfel von Rüdersdorf beginnt. Das sollte man zu Gunsten von Woltersdorf korrigieren. Genau so sollte man in Richtung Schöneiche eine Gemeindebegradigung zu Gunsten von Woltersdorf anstreben. Scheitert so ein Versuch, sollte man zielstrebig die Fusion mit den umliegenden Gemeinden anstreben, denn Woltersdorf in den heutigen Grenzen und mit diesem Gewerbesteuermanko wird in den nächsten Jahren in die Schuldenfalle rutschen und seine Infrastrukturen nicht mehr finanzieren können. Somit ist man als Gemeinde auch gezwungen, die Schulstandorte mit allem „Drumunddran“ dazu besser und verbindlicher abzustimmen und zu koordinieren. Das jetzige „Ad-hoc-Kleinklein“ dazu muss schnellstens überwunden werden.

2. Es dürfte nicht sonderlich schwerfallen zu begreifen, dass trotz aller früheren Spinnereien Woltersdorf ein Wohndorf oder zukünftig auch Wohnortsteil am Stadtrand von Berlin mit einem Touch zum Wassertourismus bleibt, das wenig Arbeitsplätze im Ort selbst bietet und die Arbeitsfähigen und –willigen hauptsächlich in Berlin arbeiten werden. Ob man dazu nun noch extra ein Leitbild und ein Ortswappen separat entwickeln muss, sei dahin gestellt. Aber die gesamte gemeindliche Infrastruktur muss dieser Entwicklung entsprechen, damit sich die Bewohner hier wohl fühlen.

3. Woltersdorf liegt an zwei Seen, die zudem noch Bundeswasserstraßen sind, die zunehmend auch touristisches Besuchsziel sind. Genau genommen kann hier kein Wassertourist mit Ausnahme von Paddelbooten mit seinem Segel-oder Motorboot irgendwo anlegen, dem Schleusenviertel mit Gastronomie einen Besuch abstatten oder sich Woltersdorf anschauen. Hier ist die Entwicklung an Woltersdorf spätestens seit der Wende völlig vorbei gegangen. In Woltersdorf gibt es entgegen der umliegenden Gemeinden nirgendwo touristenfreundliche Hinweisschilder o. ä. Die Gemeinde muss sich endlich zum Tourismus, insbesondere zum Wassertourismus bekennen und schleunigst eine Tourismuskonzeption in Abstimmung mit den Tourismusunternehmen, wie Gaststätten; Hotels und Campingplatz erarbeiten und dazu endlich etwas für eine touristische Infrastruktur tun. Der Beitritt zum Tourismusverband allein genügt beileibe nicht.

4. Das Problem Straßenbahn und grundhafte Erneuerung der Schleusenstraße erhitzt und spaltet insbesondere die betroffenen Bürger. Natürlich ist es nicht nachzuvollziehen, dass die Anlieger wegen einer Sanierung der Gleise die gesamte Straßenerneuerung bezahlen müssen.
Woltersdorf als Gemeinde hat dem Grund nach sechs Zugangsstraßen. Diese sind Ortsverbindungsstraßen und müssten normaler Weise den Status von Kreisstraßen haben. Warum hat die Gemeinde bis heute keinen Antrag an den Landkreis gestellt, dass all diese Straßen ordentliche Kreisstraßen sind? Der Berghofer Weg und die Rüdersdorfer Straße werden z. B. von Schwerlast-LKW frequentiert, die Ihren Bauschutt auf die Deponie (Eigentümer Berlin) transportieren und diese Straßen zunehmend zerstören. Wer tut dagegen etwas, wer trägt die Kosten der Rekonstruktion? Im Berghofer Weg wird demnächst ab Beginn der Brückenbauphase viel mehr Verkehr fluten. Das Befahren ist bereits jetzt ein hohes Risiko bei LKW-Gegenverkehr. Genauso verhält es sich, wenn die Baumaßnahme Schleusenstraße beginnt und alles durch die ruinöse Werderstraße muss. Es wird Zeit, dass hier etwas Vernünftiges zum Wohle der Bürger passiert und die Bürger rechtzeitig informiert und einbezogen werden und nicht gegen den Willen der Bürger gehandelt wird. Wären die betreffenden Straßen Kreisstraßen, würde die finanzielle Belastung der Anwohner wesentlich geringer ausfallen.
Generell ist es erforderlich, dass für das Gemeindegebiet ein langfristiges Verkehrsplan-und Baukonzept erarbeitet und den Einwohnern zur Diskussion übergeben wird, um die miserable Straßenzustandssituation in Woltersdorf schrittweise zu überwinden. Das auch aus der Sicht, dass sich die Grundstückseigentümer langfristig auf die damit verbundenen finanziellen Belastungen einstellen können.
Noch ein Wort zur Straßenbahn: Es ist ja nostalgisch und schön, dass wir eine solche alte Straßenbahn haben. Perspektivisch wird man sich das nicht mehr lange leisten können, weil deren Infrastruktur den neuesten Bestimmungen nicht mehr entspricht. Auch Ausnahmeregelungen werden nur befristet genehmigt. Es wird folglich Zeit, sich mit den Gedanken anzufreunden, dass man sich diese nostalgische Bahn auf Dauer nicht mehr leisten kann. Die Alternativen bedeuten Einstellung und Bus-Ersatz. Und hier bei Bus-Ersatz entweder nur nach Erkner oder Nutzung der jetzigen Straßenbahntrasse durch den Berliner Stadtwald durch Umbau als zukünftige Bus-Betriebsstraße. Darüber sollte ernsthaft nachgedacht werden.
Zu der Straßenproblematik noch eine dringende aktuelle Anregung:
Es ist für alle Fahrzeugführer, die die Straße von und nach Vogelsdorf benutzen, eigentlich eine Zumutung dass der Verkehr am Ortseingang oder -ausgang, je nachdem in welche Richtung man fährt, am Ende der Eigenheimbebauung in der Vogelsdorfer Straße von dort abgestellten PKW der Bewohner behindert und auch gefährdet wird. Hat man bei der Baugenehmigung für diese Wohnhäuser vergessen, dass entsprechende PKW-Abstellflächen auf deren Grundstücken einzurichten sind? Bei der geringen Breite dieser Ortsausgangsstraße haben abgestellte PKW nichts auf der Straße zu suchen! Darum sollte sich die Verwaltung baldigst kümmern.

5. Wie zu hören ist, wird die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr von Woltersdorf zunehmend ein richtiger unkalkulierbarer Kostenfaktor. Das ist eine Freiwillige und keine Berufsfeuerwehr, aber ausgestattet als ob unser Dorf viel größer wäre. Wie kann es sein, nur weil dort technische Standards unzureichend beherrscht werden, dass das Leiterfahrzeug nicht mehr TÜF-tauglich ist und eine sauteure Ersatzbeschaffung her muss. Eine ordentliche technische Überholung hätte es sicherlich auch gemacht, zumal Woltersdorf eigentlich nur zwei hohe Gebäude (Krankenhaus und zukünftiges Pflegeheim) besitzt, wo eine solche Leiter benötigt werden könnte.
Es wird sicher auch auf Grund dieser Begebenheit notwendig, für die FFW eine eigene Entwicklungskonzeption, auch ausstattungsbezogen zu erarbeiten, damit solche finanziellen Überraschungen vermieden werden.

6. Sport-und Freizeiteinrichtungen einer Gemeinde sind immer ein Aushängeschild und eine Werbung für einen Ort. Da hat sich Woltersdorf in jüngster Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert, egal. von welcher Seite man das betrachtet. Persönlich habe ich nie verstanden, warum die ohnehin völlig überteuerte und schlecht strukturierte Mehrzweckhalle nicht in der Nähe der Schulstandorte errichtet wurde Warum ist in dieser Verwaltung keiner auf die Idee gekommen, sich so etwas in anderen Gemeinden anzuschauen, beispielsweise in Grünheide? Dieses ehemalige Prestige-Projekt von Herrn Höhne und seines WBF fällt kostenmäßig der Gemeinde mächtig auf die Füße und verärgert fast einen kompletten Sportverein.
Wir sollten alle froh sein, dass die Leute von SV 1919 einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, dass nicht nur Erwachsene sondern vorwiegend viele Kinder und Jugendliche in diesem Verein Sport treiben können. Gemeindeverwaltung und Gemeindevertreter sollten konzertiert einen nachhaltigen Beitrag dafür leisten, dass dieser SV 1919 auf Dauer und ohne Gängelei bestehen bleibt und das Sportangebot ausgebaut wird. Die Zukunftsfähigkeit des Vereins ist fundiert zu gewährleisten.

7. Wie Sie im Informationsblatt schreiben, bemängeln Sie offensichtlich zu Recht die Gängelei im LEP HR. Also, wenn die Gemeindevertreter irgendwo im östlichen Niemandsland der Gemeinde einen B-Plan-Aufstellungsbeschluss oder vielleicht gar B-Plan beschlossen haben und sich, wie ich selbst feststellen konnte, nach Jahren der Beschlussfassung sich seitens des Investors nichts tut, dann darf man sich das als Gemeinde nicht gefallen lassen. Da gibt es Mittel dagegen. Denn, wenn das alles schon realisiert worden wäre, hätten Sie jetzt überhaupt keine Probleme mit dem LEP HR. Im Übrigen gibt es ein profanes Mittel, diesen LEP HR zu unterlaufen. Aber dieses Mittel nutzt Ihre Verwaltung offensichtlich nicht. Warum gibt es in Ihrem Bauamt keine allgemein zugängliche Übersicht aller ´Wohnbaulücken mit Ausweis der Grundstückseigentümer? Anstatt so etwas zu erarbeiten, laufen Angestellte des gemeindeeigenen Wohnungsunternehmens seit Monaten durch die Straßen, zählen Bäume, schauen, ob die Benummerung noch da ist und begutachten die Bäume. Wer bezahlt eigentlich diesen Aufwand? Da sind in Woltersdorf Hunderte von Baulücken, die initiativ ohne großen zusätzlichen Planungsaufwand Interessenten nahe gebracht und bebaut werden können. Diese Baulücken sollten erfasst werden. Sie brauchen überhaupt keine großen B-Planflächen, die der zentralen Genehmigung bedürfen, um die Einwohnerzahlen von Woltersdorf zu erhöhen.

8. Der FNP der Gemeinde ist ca. 20 Jahre alt, die darin enthaltenen Ziele sicherlich noch viel älter. Es ist höchste Zeit, denn es hat inzwischen viele Änderungen und neue Anforderungen gegeben, dass dieser FNP den heutigen Standards, Realitäten und Entwicklungszielen angepasst wird.

Mit freundlichen Grüßen