Ein Wappen für Woltersdorf

Der Artikel gehört zum Hauptausschuss Januar 2013

Wir waren beim Punkt 12, das Wappen angelangt. Eine unendliche Geschichte, unendlich, weil unser Bürgermeister die Unterlagen viele Monate auf seinem Schreibtisch altern ließ, ohne auch nur einen Handschlag zu machen. Die Zeichnungen würden dort immer noch als Staubfänger liegen, hätte sich Gisela Schuldt nicht aufgerafft und in der Gemeindevertretung nachfragen lassen.

Jetzt sollte das Wappen weiterkommen – im Hauptausschuss? Sicherlich die falsche Wahl, dessen Vorsitzender Rainer Vogel hat doch schon im Vorfeld auf seinem Schreibtisch gezeigt, was er so drauf hat, wenn’s denn um seine Befindlichkeiten geht.

Jens Mehlitz (WBF) beantragte Rederecht für Dr. Wilke, der sich bisher im Rahmen des Verschönerungsvereins sehr sachkundig und zielorientiert mit dem Wappen beschäftigte. Das passte wiederum unseren Bürgermeister nicht, er sei dagegen, zuerst möchte er über die Etablierung des Wappens berichten und dann kann eventuell Dr. Wilke reden, er hält es nach seiner Rede aber für völlig unnötig. So legte der Bürgermeister los: Wir sind eine der letzten Gemeinden, die noch kein Wappen hat. Viele Menschen haben schon die Initiative ergriffen, wie Herr Miesen und Herr Dr. Wilke, um ein Wappen zu erstellen. Frau Schuldt und Herr Dr. Wilke waren in Potsdam und erfuhren dort, dass nach den neusten heraldischen Richtlinien weder die Schleuse, noch der Turm, in Frage kämen. Ein Wappen soll kein Bilderbuch sein.

Der Vorschlag von Dr. Wilke, ein halber Berliner Bär im Wappen gefällt ihm nicht, auch die Farben Rot-Silber lehnt er ab, er, Vogel, möchte lieber die Farben Blau-Silber. Das von der Arbeitsgruppe des Verschönerungsvereins vorgelegte Wappen wäre genehmigungsfähig und kostenlos. Dennoch, er findet es nicht gut und schlägt vor eine Arbeitsgruppe Wappen zu bilden, mit ihm oben an der Spitze und den Herrn Miesen und Dr. Wilke. Die Kosten, die für seinen neuen Vorstoß bis zu 5000 Euro anwachsen können, seien belanglos. Das kostenlose, genehmigungsfähige Angebot eines Wappens, das wir jetzt haben, sei inakzeptabel.

Wer sich jetzt wundert, wundert sich zu früh. Der Bürgermeister einiger Woltersdorfer hat seit Beginn seiner steilen Karriere als Bürgermeister immer wieder bewiesen, dass er ein großer Künstler, Baumeister, Grafiker und Designer ist. Nun gut jetzt kommen noch umfassende Kenntnisse der Heraldik hinzu. Wie sagte er einst, er will das Wappen entwerfen, seine Visionen verwirklichen.

Frank Müller-Brys war vom Bürgermeister wohl nicht so überzeugt, er wollte den Fachmann Dr. Wilke hören.

Dr. Wilke: Ein Wappen sollte nicht überladen sein. Im Museum hängt eine alte Woltersdorfer Karte von 1734 mit einem Wappen in dem der Berliner Bär, der preußische Adler und der rote Adler von Brandenburg abgebildet sind. Beide Adler zusammen dürfen nicht mehr verwendet werden. Eben so wenig der Berliner Bär im Ganzen. Grundsätzlich muss ein Wappen weltweit einmalig sein. Das sind die Schwierigkeiten, wir können weder die Schleuse noch den Turm und auch nicht den Kranichsberg nehmen, diese Details sind schon vielfach vergeben. Ebenfalls ist ein offenes W für Woltersdorf und als Symbol für die Schleuse nicht erlaubt. Ein Wappen soll einen historischen Hintergrund aufzeigen, so wie z. B. der Maulbeerbaum im Wappen von Erkner.

Das vorliegende genehmigungsfähige Wappen hat einen historischen Hintergrund. Ein symbolisches W für Woltersdorf als auch die Schleuse und der halbe Bär bezieht sich auf die Historie von Woltersdorf. Mitte des 13. Jahrhunderts (um 1250) begann die Inbesitznahme und Kolonisation des Niederbarnims durch die askanischen Markgrafen Johann I und Otto III. Der Markgraf als Grundherr verkaufte an bestimmte Personen das Amt des Lokators, damit dieser Einwohner ansiedelt. Der Lokator gründete Dörfer, zog Steuern ein. Wahrscheinlich war es ein Lokator mit dem Namen Walter oder Wolter, der Woltersdorf gründete. Da Woltersdorf über Jahrhunderte als „Waltersdorf slavica“ in den Akten geführt wurde, hieße er eher Walter. Warum ein halber Bär? 372 Jahre war Woltersdorf ein Berliner Kämmereidorf und deshalb schlagen wir einen halben Berliner Bär als Figur vor. Soweit die Kurzfassung von Dr. Wilkes Vortrag.

Der Bürgermeister unbeeindruckt: Herr Dr. Wilke, Sie haben ihre Vorschläge ausführlich begründet, er möchte trotzdem seinen Arbeitskreis gründen. Matthias Schultz fragte nach, wo im Haushalt die 7000 TE geblieben sind, die schon über Jahre für ein Wappen eingestellt worden sind. Vogel, die waren nie da und die wurden nicht ausgegeben. (Anmerkung: wie kann etwas ausgegeben werden, was nie da war?). Er will dafür kein Geld ausgeben. Stopp, hier widerspricht sich Vogel, einige Zeilen zuvor waren ihm die hohen Kosten egal. Also, wenn Matthias Schultz meint, da sind mal 7000 Euro eingestellt worden und der Bürgermeister das aus dem efef bestreitet, dann sollte genau hingeguckt werden, ganz genau.

Frank Müller-Brys beantragte Rederecht für Gisela Schuldt.

Gisela Schuldt: es passiert jetzt genau dass, wovor Herr Hegewaldt (Heraldiker in Potsdam) immer gewarnt hat. Keine große Diskussion, das bringe alles nichts. Ein vom Grafiker gestalteter Wappenentwurf kostet zwischen 3000 bis 5000 Euro. Der vorliegende Entwurf kostet der Gemeinde keinen Cent und ist ein genehmigungsfähiges Wappen.

Bürgermeister: Entscheidend ist nicht der Kostenfaktor. Vielen Dank für die Erklärung aber er will seinen Arbeitskreis. (Anmerkung: da widerspricht er sich bei den Kosten schon wieder)

Müller-Brys meinte dazu, dass wir ein genehmigungsfähiges Wappen vorliegen haben und nur noch über die Farben entscheiden sollten. Dafür braucht man keinen Arbeitskreis.

Edgar Gutjahr konnte dem nur zustimmen. Eine Bestätigungsgruppe, die Variante nehmen wir und dann geben wir den Auftrag.

Rainer Vogel: über dieses Wappen kann nicht eine kleine Gruppe entscheiden, man müsse zusätzlich noch 2-3 genehmigungsfähige Varianten haben. (Anmerkung: aha – ich glaube Vogels und Miesens Entwürfe).

Dr. Wilke wies noch einmal auf den Stempel unter den Wappen hin, dass die Entwürfe genehmigungsfähig sind und sofort umgesetzt werden könnten.

Bürgermeister: Er habe mit Herrn Hegewaldt, vom heraldischen Amt gesprochen und der habe gesagt, dass er auch einer anderen genehmigungsfähigen Variante zustimmen würde. Er, Vogel, will diesen Arbeitskreis und dort mitarbeiten. (Anmerkung: ist doch klar, dass das Amt jeden genehmigungsfähigen Entwurf zulässt. Nur, die Kosten (5000 Euro), die blecht ihr Woltersdorfer, aber das ist Euch Vogel und seine künstlerische Entfaltung doch wert, nicht wahr?)

Frank Müller-Brys plädierte wie Edgar Gutjahr dafür, nur über die Farben zu entscheiden.

Plötzlich stand Herr Miesen auf und platzte ohne Rederecht, in die Runde, dass er verschiedene Entwürfe gezeichnet habe, die alle abgelehnt wurden. Jetzt habe er neue Entwürfe, die er den Ausschussmitgliedern auf den Tisch gelegt hat. (Anmerkung: Komisch, Leute, die für den BM reden, können ungestört jede Runde unterbrechen, siehe Frau Taubert. Die gegen ihn reden, denen wird nicht einmal Husten gestattet. Hier sollte die GV dem BM einmal auf die Finger klopfen).

Vogel warb noch einmal für seinen Arbeitskreis, so richtig konnte sich aber niemand dafür erwärmen. Frank Müller-Brys fragte, wie es nun weiter gehe? Wir sollten es den Verschönerungsverein machen lassen.

Bürgermeister Doktor Rainer Vogel: „Nein, er macht mit dem Wappen weiter.“ Er hat ja auch den tüchtigen Hobbyheraldiker Miesen an seiner Seite, na und erst Bürgermeisters Wissen. Wir werden uns noch wundern. Wundern, gerne, wenn’s denn nichts kostet. Kosten kostet der neue Anlauf des Bürgermeisters zum Wappen bestimmt und da habe ich eine Sparidee. Wir haben im Ort doch des Bürgermeisters Eventagenturen „Mittelstandsverein“ und „Seniorenbeirat“ die könnten doch bestimmt mit Hilfe der Macher von Bürgermeisters Infoblatt mal auf die Schnelle 5000 Euro aufbringen, spenden, rüberreichen, lockermachen. Ist doch schließlich ihr Bürgermeister, da opfern sich gute Freunde schon mal.