Ein Hartzler und sein Amt – Teil 2

Es begann an einem Montag, Mitte August, um 9:00 rollten Uwe und ich auf den Hof der ARGE-Strausberg. Uwe, jetzt mit neuen Ausweis konnte nun seinen Anspruch auf Unterstützung geltend machen. Die Dame an der Anmeldung tippte seine Daten in ihren Computer und hieß uns auf das was kommt zu warten. Nach 30 Minuten war’s dann soweit, eine Bearbeiterin rief uns auf. Der erzählten wir, dass Uwe nach Rüdersdorf ziehen würde und für den Vermieter eine Bescheinigung braucht, dass das Amt die Miete übernimmt. Mit den Kosten war alles im grünen Bereich, die freundliche Dame druckte das Papier sofort aus, aber dann schoss sie den Vogel ab. Uwe solle vom Jobcenter Berlin die Erlaubnis bringen, dass er umziehen darf. Den Einwand, dass Uwe in Berlin nicht beim Jobcenter gemeldet war, ließ sie nicht gelten. Uwe machte sich auf die Socken zum Berliner Amt. Die lächelten nachsichtig über die unnötige Forderung des Jobcenters Strausberg und drückten Uwe einen Bogen Papier in die Hand, auf dem stand: Uwe ist nicht bei uns gemeldet, er kann hinziehen wohin er will. Mein Schützling hat für das besorgen eines unnötigen Papiers Fahrgeld aufwenden müssen, 5.20 Euro, viel, für einen, der keinen Cent besitzt. Ohne Sponsor wäre Uwe ohne Geld hier gescheitert und weiter obdachlos oder müsste schwarz fahren. Da sollte die Arge-Strausberg die Mitarbeiter besser anleiten, solche kleinen Fehler können zu üblen Folgen führen.

Den Nachweis über die Angemessenheit legten wir am selben Tag dem Vermieter vor und Uwe bekam seinen Mietvertrag.

Am nächsten Morgen wieder zum Jobcenter Strausberg. Anmelden und warten, diesmal war das Warten die Hölle, einige Knaben, deren Eltern dumpf auf ihren Stühlen hockten, versuchten sich als zukünftige Musiker, der Lärm war unbeschreiblich und keiner schritt ein. Vielleicht fehlt dem Amt da ein Spielzimmer, der Boss des Hauses sollte einmal darüber nachdenken. Irgendwann erlöste uns der Aufruf von Uwes Namen von der kreischenden Qual und unser Fall ging in die Bearbeitung. Eine, wieder sehr freundliche Dame, deckte uns mit jede Menge Papier ein, der Berg nannte sich Erstantrag. Danach in ein weiteres Büro, ebenfalls freundlich und informativ und wir durften erstmal abziehen und uns bis zum Ende des Monats durch den Fragenkatalog wühlen.

Letzter Tag im August, Abgabetermin des Erstantrags beim Jobcenter. Wir hatten einen Termin um 9:00 und versuchten 5 Minuten früher in das Büro der Sachbearbeiterin einzudringen. Das war ein Fehler, wir wurden wieder hinauskomplimentiert und um Punk 9:00 wieder hereingebeten. Da sag mal einer, in deutschen Amtsstuben herscht keine Ordnung und Pünktlichkeit. Freundlich, alle sind freundlich, ackerte sich die junge Frau durch den Antrag, verbesserte hi und da eine Antwort, nahm Mietvertrag und Anmeldung zum Kopieren und entließ uns. Zu Hause angekommen wurde es mir mulmig, was wollen die mit den Originalpapieren, Uwe braucht die doch auch. So schickte ich eine Mail an’s Hartz Amt, die wurde nie beantwortet, dafür wurden die Papiere geschickt, nur an die alte Adresse in Berlin. Wieder Fahrgeld, Sie wissen’s schon, woher nehmen und nicht stehlen.

Meine Feststellung bis hier: beim Jobcenter Strausberg wurde unser Anliegen freundlich und mit erträglichen Wartezeiten bearbeitet. Wir waren bei zwei Bearbeiterinnen, beide machten Fehler, die Geld und Zeit kosteten. Uwe bekam das Fahrgeld von mir, was würde aber der Obdachlose ohne Geldgeber machen? Er müsste entweder aufgeben, obachlos bleiben oder schwarzfahren und das ist strafbar. Das ist ein Punkt, der wie es mir scheint, von der ARGE-Strausberg noch nie bedacht wurde. Hier sollte es zu einer Änderung kommen. In früheren Jahren konnten Ämter für Bedürftige Fahrscheine für den Nahverkehr abgeben, ob es das heute noch gibt?
Fortsetzung folgt!

Ein Hartzler und sein Amt – Teil 1