Ein Denkmal

VdN Denkmal WoltersdorfMitten in Woltersdorf, gleich neben der Feuerwehr finden wir einige düstere, behauene Steine aufgeschichtet. In dem größten ist ein großes Dreieck aus einer anderen Steinsorte mit dem Schriftzug VdN eingelassen, unter den Buchstaben ist ein weiteres Dreieck angedeutet, es soll an den roten Winkel, das Kennzeichen der politischen Häftlinge in den KZs erinnern. Verloren vor dem nicht einladenden Ort stehen zwei Holzbänke und warten vergeblich, dass sich auf ihnen Einer zum Gedenken niederläßt. Geschaffen wurde das Denkmal 1952 von Kurt Holzfäller, dessen Vater Karl, der, wie die Linken behaupten, dem kommunistischen Widerstand angehören sollte, 1945  in Brandenburg-Görden ermordet wurde.

Was hat es eigentlich mit dem Mal auf sich, was bedeutet VdN, wer gedenkt dort wem? Verfolgte des Naziregimes bedeuten die Buchstaben, erzählt mir einer, der in der DDR lebte. Es soll an Menschen erinnern, die aus politischen, religiösen oder rassistischen Gründen während des Dritten Reiches verfolgt wurden. In der DDR wurden die Verfolgten in zwei Klassen eingeteilt, die gewöhnlichen Verfolgten und die Träger der Medaile „Kämpfer gegen den Faschismus“. Die Zuerkennung des Titels eines „Kämpfers gegen den Faschismus“ durch die Vereinigung war seit 1958 denjenigen vorbehalten, die die Führung der „Partei der Arbeiterklasse“ anerkannten. Wie in der DDR mit denen verfahren wurde, die zwar den Faschismus bekämpft hatten, aber mit der Arbeiterklasse und ihrer Partei nichts am Hute hatten, entzieht sich meiner Kenntnis, jedenfalls bekamen sie die Medaile nicht und ihnen wurden auch die Vergünstigungen, die die DDR den linientreuen Medailleninhabern zubilligte, nicht gewährt.

Für die Verfolgten und Kämpfer samt ihren Nachfahren, die mit der Diktatur des Proletariats kein Problem hatten, gab es üppige Geschenke. Das fing schon in frühen Lebensjahren an: Stipendium für Oberschüler und Studierende. Regelmäßige medizinische Sonderbetreuung durch VdN Ärzte sowie die Nutzung von VdN Heimen und Sanatorien. Sonderkontigente an Wohnungen und PKWs und verkürzte Wartezeiten auf ein Telefon versüßten dem Kreis der Treuen das Leben in der DDR. Außerdem wurde während des Arbeitslebens bei Invalidität eine zusätzliche Teilrente gezahlt, ab 60 konnten die linientreuen, nur die linientreuen Kämpfer, eine zweite Rente von bis zu 1700 Mark (Stand 1988) erhalten. In der DDR ein mehr wie sattes Ruhegeld.

So wird auch an dem Stein in Woltersdorf nur der kommunistischen Opfer der Nazi Diktatur gedacht, für die vielen anderen Opfer und Kämpfer gegen den Faschismus ist dort kein Platz.