Die Achterbahn des Lebens

Er kam sich groß vor mit seinen 21 Jahren. So groß, dass er beschloss ab sofort sein Leben selber in die Hand zu nehmen. Er zog aus seinem Elternhaus aus in die Stadt.

Mit seiner Freundin richtete er sich eine erste Wohnung ein. Sie war von nun an sein Zuhause. Er war stolz auf sich. Nun hatte er es geschafft. Er war frei, unabhängig. Ein tolles Gefühl. Er ging auf Ausbildungssuche. Wäre doch gelacht, wenn er mit seinen Talenten keine Ausbildung finden würde. Er fand eine Ausbildungsstelle als Koch. Auch seine Freundin begann mit ihrer Ausbildung.

Die Freude dauert allerdings nicht lange, da überwarf er sich mit seinem Chef und flog raus. So erging es ihm noch bei zwei weiteren Stellen. Immer wieder stand er auf der Straße. Er kam nicht auf die Idee, dass es vielleicht an ihm lag. Nein, es waren immer die anderen, die an seinem Unglück schuld waren. So kam es, dass er zum HartzIV Empfänger wurde. Ab jetzt bezahlte Vater Staat die Wohnung. Auch nicht schlecht, so konnte er sich von nun an auf die Verwirklichung seiner Idee konzentrieren. Statt die Miete von dem HartzIV Geld zu bezahlen, mietete er ein Tonstudio. Man wollte gemeinsam einen Rap-Song aufnehmen und damit groß Kohle machen. Schließlich war er ja der begnadete Künstler.

Der Vermieter fing an zu mahnen, mit Zwangsräumung zu drohen. Nichts nahm er ernst, bis zu dem Tag, wo er zwangsgeräumt werden sollte. Seine Freundin trennte sich von ihm und suchte sich eine eigene Wohnung. Jetzt musste schnell auch für ihn eine neue Wohnung her. Er fand eine billige Ein-Zimmer Wohnung.

Na bitte! Geht doch alles. Die Sachen rein und wieder zum HartzIV Amt. Alles war wieder in seinem Sinne. Das Geld rollte wieder automatisch an. Dann bekam er die erste Aufforderung zu einem 1 Euro-Job. Was sollte er, für einen Euro arbeiten? Das konnte doch nicht ernst gemeint sein vom Job Center. Das war unter seiner Würde. Er ging nicht hin. Das Job Center verhängte eine Teilsperre seines Geldes. Es interessierte ihn nicht. Auch bei der nächsten Aufforderung erschien er nicht. Jetzt wurde er endgültig gesperrt. Kein Geld, keine Mietzahlung. Nun ging das Mahnrad von neuem los. Mahnungen der Wohnungsbaugesellschaft, Drohung und schließlich in seiner Abwesenheit die Zwangsräumung. Er stand mit nichts außer den Sachen, die er am Leibe trug auf der Straße.

Zur Einsicht oder Erkenntnis, dass das alles durch sein eigenes Verschulden entstanden ist, ist er bis heute nicht gekommen. Schade, sehr schade. Aber so ist die Achterbahn des Lebens nun einmal.

  1. Renate

    Ja, „schuld“ sind immer die anderen. Bedauerlich! Denn es würde jedem sehr viel helfen, wenn er einigermaßen in der Lage wäre, seine „Fehler“ zu erkennen. Und dann zu erforschen, warum und wie sie sich entwickelt haben. Wir machen ja alle nicht die Fehler, weil es uns Spaß macht. Aber die Konsequenzen, dieser Fehler sind oft tragischer als der Fehler als solcher.

    Lieber Gruß von Renate

    1. Bernd

      Traurig ist nur, der Bursche lernt nichts daraus, kotzt rum, hat Ansprüche auf hohem Level und will auf gar keinen Fall arbeiten. Leider sieht er nicht, dass die, die ihm immer wieder helfen, älter werden und eines Tages nicht mehr helfen können. Ja, dann wird der Ernst des Lebens mit aller Macht über ihn kommen.
      Da ist noch eine Story über ihn, die zeigt seinen Einstieg in die Pennerwelt.
      http://www.bernd-wohlers.de/literatur/ein-fall.php

      Lieben Gruß
      Bernd

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