Deutschlands Bauherren

Großen Ideen enden ab und zu in großen Pleiten. Die Elbphilharmonie, Richtfest war 2010, die erste Musik wird nicht vor 2017 erklingen. 77 Millionen wollten die Hanseaten ausgeben, jetzt munkeln sie von einer halben Milliarde. Stuttgart geht’s nicht besser, der monströse Bahnhof wird der Bahn voraussichtlich 1.1 Milliarden mehr kosten. Schlimmer noch in Stuttgart hat die Demokratie gelitten als die Polizei mit Wasserwerfern und Knüppeln gegen Bürger vorging, die gerne auf den neuen Bahnhof verzichten wollten.

Einige Jahre zurück in die Vergangenheit, im Jahr 1248, machten sich die Kölner daran einen Dom zu bauen. Planungsbüros im heutigen Sinn gab es noch nicht, die Bauleute begannen und schafften es, 1880 war das Werk vollendet. Die heutigen Kölner wollten sich auch beweisen und bauten eine U-Bahn. Gründlich haben sie 2000 Jahre Geschichte, die im Untergrund lag, umgepflügt. 2005 stürzte das Stadtarchiv in die Baugrube und jetzt wackelt der Dom, wenn die U-Bahn kommt. In der Kölner Philharmonie müssen die Konzertmeister die Geräusche der Untergrundbahn in ihren Partituren berücksichtigen.

Ganz Deutschland zeigt – was es kann, da durften wir nicht zurückstehen. Wir haben unseren Willy-Brandt-Flughafen, irgendwann wird auch er fertig werden, koste es, was es wolle. In 500 Jahren wird kein Mensch mehr fragen wie viele Milliarden Wowereits und Platzecks Bastelprojekt dem Volk kostete. Beide können nur auf Milde in den Geschichtsbüchern hoffen, im Diesseits wird den Beiden jedes gute Wort versagt bleiben.

Auch Woltersdorf hat einen, der meint er ist der größte Bauherr und Designer aller Zeiten. Französische Fenster rein, französische Fenster raus. Aufzugsturm mal auf die Seite, dann doch lieber auf die andere Seite. Grüne Wände, grüne Türen, roter Linoleum. Nasse Kellerwände in der Alten Schule. Grauenvolle Sanierung des Aussichtsturms. Nicht genehmigte Vergrößerung seines Amtszimmers beim Umbau des Rathauses. Verhindern des rechtzeitigen Beginns eines Kitaneubaus, unnötige Verzögerung beim Bau der Mehrzweckhalle. Vergabe an Alpha Bau beim FAW Neubau, das Unternehmen meldete Insolvenz an. Woltersdorf und seine Bürger zahlen reichlich, aber sie wollten Vogel ja haben. Fragten nicht, wer er ist, wo er her kommt, was er kann, was er schon geleistet hat, was bringt er dem Ort.

Planungsfehler, Größenwahn, Leichtsinn, versagende Aufsicht, es wird Zeit, dass sich Politiker bewusst werden, dass sie das Bauen den Leuten überlassen, die es gelernt haben.

2 thoughts on “Deutschlands Bauherren

  1. Norman

    Moin Moin….

    Alles schön und gut geschrieben und erklärt Bernd, dennoch werden wir es nie lernen, weil es immer wieder Personen in unserem Umkreis geben wird, die durch viel Geschwätz ihre Erläuterungen unter uns bringen, und die Mehrheit dem Glauben schenken wird.

    Beispiel das bauen eines Hauses im Bungalow-Stil. Gestern noch geplant und morgen schon fertig gestellt. Und das nur, weil wir in einer viel zu schnelllebigen Gesellschaft leben.
    Früher wurden Rohbauten im Winter ausgefrostet, und man siehe da, diese Häuser bekamen beispielsweise keine Setzrisse oder ähnliches.
    Sicherlich ist es heute toll, wenn man in 2 Monaten ein bezugsfertiges Haus überreicht bekommt und man nicht länger oder doppelt für Miete und Tilgungsrate zahlen muß.
    Aber niemand sagt den angehenden Bauherren, das es physikalisch nicht machbar ist ein Gebäude ohne Mängel in solch kurzer Zeit herzustellen. Im Gegenteil, die Baufirmen sagen dann sowas wie, „Kein Problem, das ist machbar und das bekommen wir schon hin“.

    Und grade was öffentliche Einrichtungen angeht, da wird gepfuscht was das Zeug hält. Interessiert ja keinen, sind ja öffentliche Gelder.

    Nichts gegen das Bistro auf dem Sportplatz, aber was soll diese eigentlich durch Efeu zurankende Terassenüberdachung??? Der Bereich hat noch nie wachsendes Grün gesehen. Das Holz, was übrigens nicht allzu preiswert war, und widerstandsfest gegen äußere Witterungen sein sollte, ist morsch, marode und müßte ausgetauscht werden. Hätte man vielleicht oberhalb eine Abdeckung aus Zink-, oder Kupferblech pro Balken gebaut, würden wir vielleicht 10 Jahre länger dieses Holz erhalten können.
    Aber soweit denkt ja heute niemand. Interessiert ja niemanden.
    (Kannst dir ja demnächst selbst mal ein Urteil bilden lieber Bernd….:) )

    Und übrigens, passt zwar grad wieder nich zum Thema, aber muß auch mal gesagt werden. Das Feuer am Samstag, das durch die Feuerwehr und das B1 Sportcenter ausgerichtet wurde war in meinen Augen wieder ein voller Erfolg. Bin sogar der Meinung, das mehr Leute als wie letztes Jahr da waren.
    Nun zum eigentlichen Punkt. Vielleicht könnte man mal jemanden anregen, und unter der Feuerstelle pflastern???? Das fände ich der Natur zuliebe eine gute Sache die nichtmal viel kostet, denn Pflaster hat der Wirtschaftshof auf seinem Platz noch zur genüge rumzuliegen. Und dann vielleicht so mit Holzstämmen ringsrum Bänke bauen. Das würde das optische Bild um einiges verschönern finde ich. Und wäre ja auch praktisch…:)

    Sooo, genug des guten für heute,
    das Bett ruft….:)
    In diesem Sinne, angenehme Nacht gewünscht

    1. Bernd

      Hi Norman, ich gehe davon aus der/die Verantwortliche für das Gelände an den Fuchsbergen wird deinen Vortrag lesen und darüber nachdenken.
      Grüßle Bernd

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