Deutschland schafft sich ab

2. September 2010 Aus Von BerndWohlers

lautet der Buchtitel von Thilo Sarrazins neuestem Werk. Jede Menge Buchbesprechungen im Vorfeld haben den Wälzer schon vor seinem Start in den Buchläden zum Bestseller gemacht. Der Spiegel brachte im Vorab einen Auszug und in der 35ten Ausgabe einen Artikel mit der Überschrift: Deutschland, deine Amokläufer. Die Debatte beginnt mit einem Beitrag des Spiegel Autors, Erich Follath. Schon der erste Satz nennt das Ziel: „Der Rattenfänger von Hameln wußte, wie man der Plage Herr werden konnte.“ Es folgt ein Aufsatz des Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Hessen, Tarek Al-Wazir mit der Überschrift: „Ein rassistischer Unsinn“. Als dritter gab Reiner Klingholz, Direktor des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, seine Ansichten wieder: „Ausländer her“. Von den drei Beiträgen halte ich seinen Artikel für den einzig lesenswerten.

Ich habe den Vorabdruck und diverse Rezensionen für und gegen das Buch und seinen Autor gelesen und bin der Ansicht, Sarrazin hat Recht, er hat untertrieben. Der Mann hat da etwas angestoßen, das schon lange in der Diskussion sein sollte, nur keiner wollte und will sie führen, jeder hat Angst sich an dem Thema zu verbrennen. Obwohl ich Sarrazin zustimme, werde ich das Buch nicht kaufen. Der Grund ist einfach, ich wohnte rund 50 Jahre lang in den beiden Problembezirken Kreuzberg und Neukölln. Hautnah, täglich live, erlebte ich unsere arabischen und türkischen Migranten, eines Tages konnte ich sie nicht mehr ertragen und bin aus meiner Heimat geflohen. Jeder, der in den mit Migranten übervölkerten Bezirken lebt, weiß, es ist viel schlimmer als Sarrazin es je beschreiben könnte. Unsere deutschen Politiker sind nur zu feige oder bequem das Kind beim Namen zu nennen.

Blickt der Leser des Buches nach Frankreich, so sieht er in die deutsche Zukunft: Dort gibt es migrantisch geprägte Vororte, da geht kein Polizist mehr rein. Die Bezirke werden sich selber überlassen, weil die Polizei die Probleme nicht lösen kann. Beseitigt werden sie auch nicht, französiche Politiker verhalten sich genau wie ihre deutschen Kollegen. Nur, keine Antworten rufen die Radikalen von Rechts und Links auf den Plan, deren Problembeseitigung wollen wir aber nicht. So sollten Politiker begreifen das Buch von Sarrazin als Anstoß zu sehen, als Start in eine fruchtbare Debatte. Deutschland sollte dem Verfasser für seinen Mut danken.

Hier noch etwas von Helmut Schmidt (SPD):

„Es war sicher ein Fehler, so viele Ausländer ins Land zu lassen.“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Filder-Zeitung v. 5.2.93„Wenn das so weitergeht, gibt´s Mord und Totschlag, denn es sind zu viele Ausländer bei uns“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Frankfurter Rundschau v. 28.11.94

„Wir brauchen eine eindeutige und schnelle Abschiebepraxis für alle Fälle, in denen der Antrag abgelehnt wird. Der Art. 16 GG verlangt nicht, daß Asylbewerbern die volle Sozialhilfe zusteht, einschließlich vollständiger Sanierung ihrer Zähne auf Kosten der Sozialämter.“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Neue Revue v. 13.10.92

Weiter: „500.000 Menschen jährlich, das ist einfach zuviel“…“ „Kein Volk der Welt würde es ertragen, wenn jedes Jahr eine halbe Million Ausländer dazukommt, wie bei uns…Dieses Land ist führungslos und es ist nicht anzunehmen, daß die Dilettanten, die zur Zeit regieren, dazulernen.“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Bild v. 6.9.92

Erklärung zum unbekannten Wort „Ausländer“ in den Schmidt Zitaten: Früher wurden Migranten noch Ausländer genannt.

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