Deutschland schafft sich ab

lautet der Buchtitel von Thilo Sarrazins neuestem Werk. Jede Menge Buchbesprechungen im Vorfeld haben den Wälzer schon vor seinem Start in den Buchläden zum Bestseller gemacht. Der Spiegel brachte im Vorab einen Auszug und in der 35ten Ausgabe einen Artikel mit der Überschrift: Deutschland, deine Amokläufer. Die Debatte beginnt mit einem Beitrag des Spiegel Autors, Erich Follath. Schon der erste Satz nennt das Ziel: „Der Rattenfänger von Hameln wußte, wie man der Plage Herr werden konnte.“ Es folgt ein Aufsatz des Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Hessen, Tarek Al-Wazir mit der Überschrift: „Ein rassistischer Unsinn“. Als dritter gab Reiner Klingholz, Direktor des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, seine Ansichten wieder: „Ausländer her“. Von den drei Beiträgen halte ich seinen Artikel für den einzig lesenswerten.

Ich habe den Vorabdruck und diverse Rezensionen für und gegen das Buch und seinen Autor gelesen und bin der Ansicht, Sarrazin hat Recht, er hat untertrieben. Der Mann hat da etwas angestoßen, das schon lange in der Diskussion sein sollte, nur keiner wollte und will sie führen, jeder hat Angst sich an dem Thema zu verbrennen. Obwohl ich Sarrazin zustimme, werde ich das Buch nicht kaufen. Der Grund ist einfach, ich wohnte rund 50 Jahre lang in den beiden Problembezirken Kreuzberg und Neukölln. Hautnah, täglich live, erlebte ich unsere arabischen und türkischen Migranten, eines Tages konnte ich sie nicht mehr ertragen und bin aus meiner Heimat geflohen. Jeder, der in den mit Migranten übervölkerten Bezirken lebt, weiß, es ist viel schlimmer als Sarrazin es je beschreiben könnte. Unsere deutschen Politiker sind nur zu feige oder bequem das Kind beim Namen zu nennen.

Blickt der Leser des Buches nach Frankreich, so sieht er in die deutsche Zukunft: Dort gibt es migrantisch geprägte Vororte, da geht kein Polizist mehr rein. Die Bezirke werden sich selber überlassen, weil die Polizei die Probleme nicht lösen kann. Beseitigt werden sie auch nicht, französiche Politiker verhalten sich genau wie ihre deutschen Kollegen. Nur, keine Antworten rufen die Radikalen von Rechts und Links auf den Plan, deren Problembeseitigung wollen wir aber nicht. So sollten Politiker begreifen das Buch von Sarrazin als Anstoß zu sehen, als Start in eine fruchtbare Debatte. Deutschland sollte dem Verfasser für seinen Mut danken.

Hier noch etwas von Helmut Schmidt (SPD):

„Es war sicher ein Fehler, so viele Ausländer ins Land zu lassen.“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Filder-Zeitung v. 5.2.93„Wenn das so weitergeht, gibt´s Mord und Totschlag, denn es sind zu viele Ausländer bei uns“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Frankfurter Rundschau v. 28.11.94

„Wir brauchen eine eindeutige und schnelle Abschiebepraxis für alle Fälle, in denen der Antrag abgelehnt wird. Der Art. 16 GG verlangt nicht, daß Asylbewerbern die volle Sozialhilfe zusteht, einschließlich vollständiger Sanierung ihrer Zähne auf Kosten der Sozialämter.“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Neue Revue v. 13.10.92

Weiter: „500.000 Menschen jährlich, das ist einfach zuviel“…“ „Kein Volk der Welt würde es ertragen, wenn jedes Jahr eine halbe Million Ausländer dazukommt, wie bei uns…Dieses Land ist führungslos und es ist nicht anzunehmen, daß die Dilettanten, die zur Zeit regieren, dazulernen.“
Helmut Schmidt (SPD), Bundeskanzler, Bild v. 6.9.92

Erklärung zum unbekannten Wort „Ausländer“ in den Schmidt Zitaten: Früher wurden Migranten noch Ausländer genannt.

Weitere Artikel in diesem Weblog, die sich mit Sarrazin befassen:
Sarazzin, Migranten und Integration
Die SPD, immer noch nicht weise
Türken sind sauer auf Sarrazin

11 Gedanken zu „Deutschland schafft sich ab

  1. Kambodscha

    Ich bin vor ca. 12 Jahren von Deutschland nach Südostasien ausgewandert und lebe jetzt seit 3 1/2 Jahren mit meiner Familie in Kambodscha. Selbstverständlich respektiere ich die Regeln und Umgangsformen und natürlich auch die Gesetze des Landes aber eines werde ich auf keinen Fall tun, „Leben wie ein Kambodschaner“. Ich werde immer wie ein Deutscher leben und denken, da lässt sich wenig gegen tun.

    Den Ausländern in Deutschland wird es ähnlich gehen, denkt mal drüber nach.

    Don Kong.

    1. Bernd

      Nun ja, der Name klingt nicht sehr deutsch, so kann ich annehmen ihre Assimilation ist bereits gelungen 🙂

  2. Sissy Fuß

    Ich habe Schmidt nie ausstehen können. Mit dieser Zitatenauswahl kann ich meine Abneigung nun noch besser begründen.

    An einer Stelle Ihres Beitrags habe ich laut lachen müssen: „Hautnah, täglich live, erlebte ich unsere arabischen und türkischen Migranten, eines Tages konnte ich sie nicht mehr ertragen und bin aus meiner Heimat geflohen.“ Wenn einer mit seiner Umwelt nicht klarkommt, liegt das nicht immer an der Umwelt …

    Ich lebe übrigens noch immer in Berlin, und ich habe in meinem ganzen Leben nur mit „Ariern“ Probleme gehabt – mit randalierenden Säufern, mit Skinheads, die von mir den Hitlergruß hören wollten, mit asozialen Nachbarn, die ihre Anlage erst nach Mitternacht so richtig aufdrehen, oder mit beschlipsten Wichtigtuern, für die ein Radfahrer nicht als Verkehrsteilnehmer zählt, weshalb sie ihm ungerührt die Vorfahrt nehmen. Sie würden mir jetzt wohl Auswanderung empfehlen. :->

    @marsav: Schön, wie Sie Ausländer und Muslime in eins setzen („Man baut ihnen sogar Moscheen“). Erstens baut „man“ Muslimen keine Moschee. Den Bau müssen sie schon selber bezahlen. Und zweitens sind die meisten in Deutschland lebenden Muslime keine Ausländer.

    1. Bernd

      Hallo Sissy, freut mich das ich Ihre Abneigung gegen H.S. bedienen durfte und sie gleichzeitig zum Lachen bewegen konnte. Ich weiß nicht wo sie Ihren Ariern begegneten, ich kenne keine und kann mich deshalb dazu nicht äußern. Da wo ich wohnte, da leben jetzt Türken und Araber, viele ihrer männlichen Jugend verwenden gern ihre Spezialausdrücke gegen Berliner : Nazi, Faschist, deutsche Hure usw., hinzu bedienten sie sich der ganzen farbigen Palette deutscher Schimpfwörter. In dem Bereich sind die jungen Herren extrem bildungsbeflissen, wo es sonst sehr happert. Sie sollten nun nicht sagen, das sind Ausnahmen, dann bin ich auch eine Ausnahme, denn ich hatte beruflich fast täglich mit diesen jungen türkischen und arabischen Herren zu tun, ja da hört und staunt man über das was alles möglich ist. Natürlich gibt es auch Andere, viele Andere, nur die sind mir nie besonders aufgefallen, weil sie sich so zeigten, wie man es von Menschen erwarten kann.

      Kindern, auch meinem Sohn zogen sie auf dem Schulweg die Backpacks, Handys und Kleidungsstücke ab, die Schulsachen konnte man später wieder einsammeln, auf die legten sie keinen gesteigerten Wert. Na ja, so haben Sie und ich, jeder für sich ganz andere Erfahrungen mit dem Migranten-Nachwuchs gemacht.

      Nebenbei religiöse Bauten werden von den Förderprogrammen der Bundesrepublick gesponsert, auch Gotteshäuser anderer Religionsgemeinschaften, ist doch auch OK -oder haben sie etwas dagegen?

      Sie, Sissy sollten über Ihre positiven Erfahrungen mit Migranten und negativen Erkenntnisse über Arier (was immer das ist) ein Buch schreiben, schon lange wartet der Markt auf so einen Wälzer. Ach ja, widmen Sie doch einige Kapitel, den von Deutschen verehrten, Herrn Helmut Schmidt und anderen ihnen unangenehmen Deutschen. Ich bin sicher, Sie werden schnell fündig.

  3. marsav

    Genau zu diesem Thema wollte ich heute in meinem Blog einen Artikel veröffentlichen.
    Dann habe ich erst einmal hierher geschaut …. ok, Du warst schneller als ich.

    Ich werde den Artikel auch schreiben – aber soviel mal hier:

    Sarrazin hat wirklich Recht. Es sind erstens zuviele Ausländer hier nach Deutschland gekommen.
    Ich habe nichts gegen Ausländer – wenn sie sich an die deutschen „Regeln“ anpassen.

    Aber es gibt solche und solche. Die einen kommen hierher um zu Arbeiten (Adenauer hat sie ja auch reingeholt) und die Anderen erfahren ganz schnell, dass man in Deutschland auch ohne Arbeit ganz gut leben kann (besonders als Ausländer!)

    Man baut ihnen sogar Moscheen (wer baut für die Deutschen Auswanderer eine Kirche??)

    Dies war nur mal ein Beispiel. In meinem Blog stehen demnächst noch mehr Beispiele.
    Wie gesagt, ich hab nichts gegen Ausländer, wenn sie zum Arbeiten hier sind. Aber ….. alles was jetzt aus diesen Ländern kommt ….. warum sind sie hier?
    Weil sie es in ihrem eigenen Land schon zu nichts gebracht haben. Dann ist es doch viel einfacher, dem deutschen Sozialstaat auf der Tasche zu liegen!

    Egal warum sie hier sind – unsere Politiker haben einen ganz großen Fehler gemacht, damals, als von den Politikern die Verträge aufgesetzt wurden:
    Es wurde keine Regelung vereinbart, dass wenn es hier in Deutschland mit der Arbeit nicht mehr so gut läuft (hohe Arbeitslosigkeit), dann die „Gastarbeiter“ wieder zurück in ihre Heimat gehen und nicht vom Staat versorgt werden müssen.

    Aber dazu waren unsere Herren Politiker zu feige! Und heute traut sich keiner mehr den Mund aufzumachen!

    Gruß Roswitha

    1. Bernd

      Liebe Roswitha,
      ich habe nichts gegen die Anzahl der Ausländer einzuwenden,
      meinetwegen können es auch noch mehr sein, nur das Land muss für
      alle Deutsche und Migranten Arbeit haben, damit sie sich alle durch ihrer eigenen Hände Arbeit ernähren können. Die Arbeit ist nicht vorhanden, das ist der Knackpunkt und momentan nicht zu lösen.
      Dass die Einwanderer sich anpassen müssen, ich weiß nicht, normalerweise verläuft eine große Einwanderungswelle so, dass sich beide Teile aufeinander zubewegen und etwas Neues entsteht. Das geschieht auch bei uns, nur einige Gruppen igeln sich in nationalen Ghettos ein und das führt dazu, dass wir uns nicht verstehen lernen. Diese Gruppen müssen raus aus den Ghettos und sich unters übrige Volk zerstreuen, das schafft Nähe und Vertrauen
      Lieben Gruß
      Bernd

  4. werlsee

    Deutschland ein Raum für kulturelle Vielfalt…
    völlig in Ordnung. Hab ich nichts gegen einzuwenden.
    Wenn es aber so weit geht, dass in deutschen Klassenzimmern die Kreuze abgehängt werden müssen, dann frag ich mich wirklich was mit dieser „kulturellen Vielfalt“ los ist. Die eigene Kultur wird eingeschränkt und abgeschafft zugunsten fremder Kulturen oder um diesen gerecht zu werden. Spätestens hier (bei diesem einem Beispiel) hört der Spaß auf!
    Hier ist immer noch Deutschland mit seiner Kultur!

    Egal in welchem Land, es sollte eine Pflicht sein die Sprache zu können. Wenn wir als Deutsche auswandern, müssen wir uns auch der Sprache und den Sitten und Gebräuchen in dem jeweiligen Land anpassen. Nur Deutschland hat damit ein Problem dieses offen anzusprechen. Und wenn wir es ansprechen sprechen die Migrationsbeauftragen, diverse ausländische Publizisten und nicht zuletzt auch ein Herr Friedmann darüber, dass das so nicht geht. Es geht meiner Meinung nach nicht an, dass wir uns von jedem seine Meinung aufdrücken lassen. Wir leben in Deutschland und in keinem anderen Land. Das hat nichts mit Rechts zu tun.

    Die Versager der Politik und Wirtschaft melden sich in Sachen Sarrazin zu Wort. Sie sind empört, obwohl sie als Hüter der Europäischen Union total versagt. In Frankreich herrscht in den Vorstädten Straßenkrieg mit arabischen Migranten, die keine Arbeit finden, es wurde ein Burka-Verbot erlassen und als Krönung, ganze Völkerstämme der ROMA und Sinti ausgewiesen und sofort ausgeflogen.

  5. Dorit Stagge

    Einige Kommentare aus einer großen Online-Zeitung

    1. Saarfranzose sagt:
    Meine französischen Freunde sind der Ansicht, dass wir jetzt hier ihre Diskussion der 90er führen. Und die angeblichen Lösungen: Sprachunterricht, Ganztagsbetreuung? Alls Blödsinn. Die Migranten aus dem Magreb sprechen französisch als Muttersprache, Ganztags-Kitas, – Vorschule, Grundschule, -Gymnasium gibt es seit ewigen Zeiten.

    In den Grosstädten ist die Entwicklung zehn Jahre weiter:Ghettos, No-Go-Areas, Organisierte Kriminalität, alles längst Alltag.

    Die Flics klappen abends um acht die Bürgersteige hoch und schauen, dass das Jungvolk nicht rauskommt und die Innenstadt verwüstet. Ab und zu ein SEK Einsatz mit viel Ambulanz im Gefolge. Dach sieht es dann aus wie nach dem Einschlag von Marschflugkörpern. Und es ist eine zeitlang Ruhe.

    Mich kratzt es nicht. Ich habe an der Columbia studiert als ein paar Blocks weiter die Bronx abgeraucht ist.
    Immer gut, wenn man schon Mal ein Blick in die Hölle geworfen hat, dann weiss man auch ob man drin ist.

    2. booneandcrockett sagt:
    an alle Sarrazin-Anhänger, insbesondere die, die sich berufen fühlten, die Gen-Theorie „wissenschaftlich“ unterlegen zu können:
    Habe eben hier folgendes gelesen:

    Israel macht GEN Test bei Neueinwanderern…. Leute müssen beweisen können dass sie wirklich Juden sind.
    Was sagen Se dazu ??

    3. sahlih sagt:
    ich habe angst vor sarazinn. ich lebe seit 30 jahren in deutschland. ich bin hier gebohren. ich habe 5 brüder. meine frau ist aus heimat hierherr gekommen. wir haben 4 kinder. mein bruder sagt sarazinn will uns zwingen zu arbeiten und wir sollen in katolische kirche müßen. er ißt wie das hiettler. wer schützt uns vor ihn.
    sahli aus kreuzberg

    4. Demokrat sagt:
    Als Demokratischer, Deutscher mit Türkischen Wurzeln und als Selbsständiger sage ich zu Sarrazins Buch!!

    Als Demokrat: Menschensverachtend, Brandstifter, Voklsverhetzer.

    Als Deutscher: Es sind viele Ansätze richtig, was den Zustand betrifft.

    Als Türke: Er beleidigt uns übelst, alles was ich bisher für die Deutsche Gesellschaft miterbracht und erwirtschaftet habe erscheint mir nun völlig sinnlos.

    Als Selbsständiger: Das war eine Top Geschäftsidee, da hat er sich mehrere Goldene Nasen verdient!!

  6. Renate

    Wenn ich dem Herrn Sarrazin die Ernsthaftigkeit deiner Aussagen (nur in Talkshows erlebt, sein Buch werde ich mir nicht kaufen), dann wäre es gut. Ich hege aber den Verdacht, dass es ihm um Verkaufszahlen und Aufmerksamkeit geht. Weniger um die Ausländer, auf neudeutsch „Migranten“ gekannt.

    Mit den „Itakern“ hat die Misere vor Jahrzehnten begonnen. Gastarbeiter, so wurden sie genannt. Sie waren hier herzlich willkommen als billige Arbeitskräfte. Heute sind sie längst etabliert, und Türken und andere „Migranten“ suchen ihr Heil hier in Deutschland. Dass sie es nicht finden würden, sollte eigentlich allen klar gewesen sein. Man kann Menschen mit wenig Bildung nicht einfach in fremde Länder verfrachten. Dass sich Enklaven bilden, ist verständlich. Dass sie letztendlich für alle Beteiligten schädlich sind, ist ebenso verständlich. Unser aller Außenminister sollte sich vielleicht weniger in der Welt herumreisen, sondern sich um Menschen aus dem Ausland kümmern. Das sagt – aus rein subjektiver Sichtweise – Renate, die mit Ausländern jeglicher Couleur noch nie Probleme hatte. Weder in unserem noch in deren Land. Es geht immer um Respekt, und wenn der bewahrt wird, ebenfalls von allen Beteiligten, dann läuft die Sache. Wo auch immer. Aber Respekt und Wertschätzung zählen heute ebenso zu der Spezies der aussterbenden Wörtern die das kleine Wörtchen „danke“. Stattdessen gibt es neue Begriffe, unter anderem den: „Geiz ist geil“.

    1. Bernd

      Liebe Renate, hier in Berlin habe ich sehr wenig feindseliges Verhalten gegenüber Ausländern kennengelernt, auch nicht besonders gegen Arabern und Türken gerichtete Abneigung. Es geht einfach darum, wer hier bleiben möchte, der muss sich assimilieren* und das klappt nicht durch Ab- und Ausgrenzung.
      Lieben Gruß
      Bernd

      *Assimilation bezeichnet in der Soziologie die Verschmelzung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen miteinander

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