Der Schiffsanlegesteg der Gemeinde Woltersdorf – Teil 3

24. April 2013 Aus Von BerndWohlers

Am 14. August 2012 teilte die Gemeinde den Reedereien „Stern und Kreis Schifffahrt“, Kutzker und Riedel mit, dass der Steg zum Saisonende aufgrund baulicher Mängel gesperrt wird. Darauf boten die Reedereien der Gemeinde im Oktober an, die Anlegestelle inklusive aller Vereinbarungen mit dem WSA zu übernehmen. Auch die Instandhaltungs- und Betriebspflicht wollten die Reedereien ab 1. Januar 2013 garantieren. Die Reeder sicherten auch zu, dass fremde Reedereien grundsätzlich nach der Brückenbenutzungsordnung anlegen dürfen. Sie baten die Gemeinde, dass Angebot zu prüfen.

Die einzelnen Reedereien erhielten im Dezember Post von der Gemeinde, mit keinem Wort wurde das Angebot der Reedereien erwähnt. Hannes Langen, neuer Bauamtsleiter, teilte noch einmal mit, dass der Steg gesperrt wird, ein Neubau für die Gemeinde zu teuer ist und auch nicht im Haushalt 2013 ff dargestellt sei. Die Gemeinde entschied, die Hoheit über den Steg zu behalten. Gleichzeit bot die Gemeinde den Reedereien einen netten Knebelvertrag an:
„1. Das Unternehmen übernimmt als „Erschließungsträger“ die Neuerrichtung des Anlegestegs im Rahmen der durch die Gemeinde einzuholenden strom- und schifffahrtsrechtliche Genehmigung (SSG) in eigener Regie und auf eigene Kosten.

2. Das Unternehmen übernimmt im Auftrag der Gemeinde die Verkehrssicherungspflicht für die Anlage.

3. Die Aufwendungen für Errichtung und Betrieb bilden die Grundlage für die Entgeltordnung der Gemeinde Woltersdorf, auf deren Grundlage Dritten die Mitbenutzung zugänglich gemacht wird.

4. Das Unternehmen erhebt die Nutzungsentgelte Dritter in eigener Regie.

5. Das Nutzungsverhältnis endet mit dem Erreichen der Refinanzierungsgrenze. Zu diesem Zeitpunkt geht die Anlage in das Eigentum der Gemeinde Woltersdorf über. Das Unternehmen erhält das Recht auf weitere Mitbenutzung zu den vorstehenden Bedingungen.“

Auf das Angebot haben die Reedereien nicht mehr geantwortet. Damit war, wie ich meine, das strategische Ziel, die Reedereien außen vor zu halten, erreicht.

Jetzt kommen wir zum spannenden Teil. Im März 2013 sprach ein Herr zumindest im Hotel Kranichsberg und im Hummelchen vor. Sein Vorschlag, die Gaststätten an der Schleuse sollten eine GmbH gründen, die sich bereit erklärt den Steg zu reparieren, er betonte aber gleichzeitig, dass der Steg im Eigentum der Gemeinde verbleibt. Seinen Namen verstand keiner, aber er soll frappierende Ähnlichkeit mit dem Fraktionsvorsitzenden von Die Linke gehabt haben.

Jetzt machen wir einen Sprung in die März-Sitzung des Bauausschusses. Da erzählte unser rühriger Bürgermeister, er habe für den Steg drei Interessenten. Der Erste wäre der Eigentümer von der Brauerei auf der Halbinsel, der Zweite wolle zur Zeit noch anonym bleiben. Der Dritte ist ein Herr Germann, Neumitglied des Mittelstandsvereins, wohnt aber nicht Woltersdorf, hat aber kräftig beim Sommerfest 2012 mitgemischt und soll auch das Sommerfest 2013 ausrichten. Vogel sagte, er habe ihm schon den Zuschlag erteilt, natürlich, wie immer, ohne mit den Gemeindevertretern zu reden.

Interessant war die Rede Vogels, der sagte, der Mittelstandsverein will den Steg kaufen und Rundfahrten auf dem Flakensee für die am Steg beteiligten Gaststätten durchführen. Der Führer des Mittelstandsvereins, der sich mitten im Trupp „Unser Woltersdorf“ sonnte, strahlte, die Sonne ging auf – natürlich nur für den Mittelstandsverein.

Den letzten Rest erfuhr ich am 11. April beim Fotoshooting am Schiffsanlegesteg. Ich wurde angesprochen, vom Inhaber der Gaststätte und Hotel Flakensee. „Warum ich den Steg fotografiere?“, wollte er wissen. So erzählte ich ihm die Story vom Mittelstandsverein und dem Steg. Der gute Mann traute seinen Ohren nicht, ihn, dem der Steg einst gehörte, hat kein Mensch angesprochen, er scheint nicht Mitglied im Mittelstandsverein zu sein. Jedenfalls machte sich der Herr sofort auf die Socken und sprach mit seinem schriftlichen Angebot für die Übernahme des Stegs beim Bürgermeister vor. Das Vorzimmer des Bürgermeisters nahm das Schreiben gegen Quittung an.“

Der Mittelstandsverein will im nächsten Bauausschuss sein Konzept vorstellen, wieder eine Tischvorlage?

Ganz zum Schluss, damit es nicht im Buchstabenwust verloren geht, einer der Reeder sagte, er habe sich ein mündliches Angebot für die Sanierung des Stegs eingeholt – für sage und schreibe nur 20.000 Euro.

Nun mag jeder über Bürgermeister Vogel, den Mittelstandsverein und den Schiffsanlegesteg nachdenken.

Der Schiffsanlegesteg der Gemeinde Woltersdorf – Teil 1

Der Schiffsanlegesteg der Gemeinde Woltersdorf – Teil 2