Der gute Junge Labinot

Seit Stunden beobachten fünf maskierte Männer das Anwesen. Im richtigen Moment stürmen sie den Garten, zerren Ernst B. in sein Haus. Der 77jährige verliert seine Krücken und stürzt auf den Boden. Zwei Gangster zwingen ihn auf einen Stuhl, drücken ihm eine Pistole an die Stirn, andere durchwühlen sein Haus. Einer löst die Alarmanlage aus, die Gang bekommt es mit der Angst, flüchtet. Der Überfallene meint einen Schuss zu hören, greift zum Revolver, schießt hinterher und trifft einen der Räuber. Die anderen Vier türmen und lassen den tödlich Getroffenen zurück. Im Garten findet die Polizei Tage später eine Pistole, die auch dem Rentner gehört.

Labinot, so heißt der getroffene Täter, wurde nur 16 Jahre alt. Den Hauptschulabschluss schaffte er, Lehre Fehlanzeige. Seit Frühjahr 2010 gammelt er vor sich hin, faßt keine Arbeit an, schläft bis mittags. Ermahnungen der Eltern ignoriert er. Nachts treibt er sich mit Freunden herum, wobei er immer wieder mal mit der Polizei kollidiert. Auf der Straße kiffen und saufen sie, lieben Keilereien und Überfälle. Die Polizei betreibt gegen Labinot Ermittlungen wegen Raub und Körperverletzung, das BKA verwahrt seine Fingerabdrücke. Labinot ist wegen mehrerer Taten zum Sozialdienst in einem Tierheim verurteilt, geht aber nicht hin.

Seine Familie, ein Clan aus dem Kosovo, umfasst 60 Mitglieder. Über Labinot sagen sie, er war ein liebenswerter, hilfsbereiter Sohn. Ein Sonnyboy und guter Schüler, ein Klasse Sportler, nie unfreundlich, nie böse, nie falsch, stets war er respektvoll gegen die Eltern. Wieso er mitmachte, kann die Familie nicht begreifen, so etwas passt doch nicht zu ihm. Der Kosovo Clan verlangt, dass der Überfallene und Ausgeraubte vor Gericht kommt und lebenslänglich bekommt, alles andere kommt für sie nicht in Frage. Bis zur Verhandlung quält der Clan den 77jährigen, die Clan Mitglieder pilgern zu seinem Haus, stellen Bilder von dem Jungen davor, breiten Blumen aus, zünden Kerzen an. Sie sagen: Er soll immer daran erinnert werden, was er angerichtet hat, der von ihrem Clanmitglied misshandelte Mann soll nicht zur Ruhe kommen, niemals.

Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um. Labinot und seine Kumpel aus dem Irak, dem Kongo und der Türkei waren bei ihrem brutalen Überfall auf einen alten Mann bewaffnet und in gewaltiger Überzahl, was soll jetzt das 60fache Geschrei des Clans nach Gerechtigkeit für den Täter und Bestrafung des Opfers.