Der Fuchs und seine Treter

Die kleinwüchsige Gestalt kam immer wenn es dunkel wurde. Leise huschte sie als fahler Schatten durch die verhüllende Nacht. Gewandt schlängelte sie sich durch Zaunlatten, zügig von Garten zu Garten eilend. Auf ihrer Pirsch vermied das Mädchen es die Rosen, Tulpen und Fuchsien in den Beeten zu zertreten. Sie war ein Diebin, eine erfahrene Könnerin ihres Faches. Aufmerksam zog sie die Witterung der Nacht in ihre Nase. Aus den vielen Gerüchen die sie umwabberten, nahm sie instinktiv die Ausdünstung der begehrten Beute auf. Die Füchsin wollte heute keine Maus, keine Schnecke. Nein, das rothaarige Fräulein wollte besseres, sie suchte nach Preziosen für ihren unterirdischen Bau.

So in etwa habe ich es mir vorgestellt, als ich von dem Schuhdieb Vulves vulves, unserem Rotfuchs las. 120 Schuhe hatte sich der Fuchs mit großer Hartnäckigkeit, in mühevoller Kleinarbeit zusammengemopst. Die rothaarige Füchsin war dabei nicht besonders wählerisch: Arbeitsschuhe, Sportschuhe, Gartenschlappen, Wanderstiefel, eben alles was ein Fuchs so als Wohnkomfort braucht. Wochenlang rätselten die Bestohlenen, wer ihnen wohl den Streich gespielt hat. Nun wurde das Rätsel vom Förster aus Föhren in Rheinland-Pfalz gelöst. Schade, ein spannendes Geheimnis weniger. Der Jagdmann angelte die meisten der Latschen aus den Röhren des Fuchsbaus. Die Fuchsdame ist umgezogen, soviel menschliche Aufmerksamkeit war ihr dann wohl doch zuviel.

  1. renate

    Falsche Aufmerksamkeit ist immer schlecht … 😉

    Und wahre Aufmerksamkeit ist selten. Leider.

    Lieber Gruß, wie immer auch an den HD, von Renate

Kommentare sind geschlossen.