Das letzte Denkmal

Fidus-Denkmal

Sag Fremder, in Sparta, dass du uns hier liegen sahst, während wir den heiligen Gesetzen der Heimat gehorchten. Cicero hat die antike Grabinschrift übersetzt, die für Leonidas und einige Spartaner verfasst wurde, die 480 v.Chr. beim Versuch, eine persische Streitmacht an den Thermopylen aufzuhalten, ihr Leben verloren. Seit Jahrtausenden ehren ausnahmslos alle Völker ihre in Kriegen Gefallenen, bis auf ein kleines Dorf in Brandenburg, einem wohlhabenden Ort, der für seine Gefallenen keinen Groschen übrig hat, von Ehre für die Toten kann erst recht keine Rede sein.

Auf der Suche nach der Gedenstätte für die Woltersdorfer, die in Kriegen ihr Leben opfern mussten, fand ich am Rande des Delta Geländes in der Schleusenstr in einem verkommenen, von Brennnesseln und anderem Grünzeug überwucherten Areal, fast unzugänglich, ein seit Jahrzehnten sterbendes Ehrenmal für 83 Woltersdorfer, die im ersten Weltkrieg gefallen waren. Das von dem Künstler Fidus geschaffene Sandsteinrelief und die ebenfalls in Sandstein gemeißelten Namen der 83 sind fast abgewaschen, kaum noch lesbar. Für die deutschen Toten des zweiten Weltkrieges fand ich nichts, kein Name, nichts, gar nichts – junge Menschen aus Woltersdorf, einberufen, gefallen, verscharrt, vergessen.

Bis 1989 kann ich das ja nachvollziehen, war doch für die SED jeder Wehrmachtsangehörige ein Faschist. In den Topf haben die DDR Oberen auch gleich die Toten des ersten Krieges mit hineingetan. In der DDR wurde nur der gefallenen Sowjets gedacht, aber danach – was geschah nach 1989, die DDR hatte sich aufgelöst. Warum hat sich in den letzten 20 Jahren Demokratie niemand um das Denkmal gekümmert. Waren der Woltersdorfer Gemeindevertretung, dem 20 Jahre lang regierenden Bürgermeister und seiner Verwaltung die in den Kriegen umgekommenen Woltersdorfer egal und wenn ja, warum?

6 thoughts on “Das letzte Denkmal

  1. Yvonne

    Also ich bin der Meinung, das Denkmal sollte wieder hergerichtet werden, als Antikriegsdenkmal und/oder als Denkmal für die Toten. So wie es jetzt ist, ist es nicht befriedigend. Es wirft auf die Gemeinde ein sehr, sehr schlechtes Licht.
    Gruß Yvonne

  2. Nina

    Ich finde es ist doch an der Zeit, dass mehr ‚Woltersdorfer‘ den Sinn hinter der Denkmalpflege und de Ehrung solcher Stätten sehen und sich nicht so leicht weichklopfen lassen, wenn es um sinnvoll investiertes Geld geht, wie Waltraud es so ausführlich dargelegt hatte.

    Es kann ja nicht sein, dass solche Gedenkstätten in allen noch so kleinen Ortschaften liebevoll und respektvoll gepflegt werden, nur nicht in Woltersdorf. Solch ein großer Unterschied was die ‚Renten‘ und Menschen betrifft kann ja nicht ausschließlich in Woltersdorf in geballter Form vorkommen.

    Es ist doch sehr traurig wenn man lesen muss, dass Geld wichtiger ist als ein Stück aktive Erhaltung unserer Geschichte. Wer sich dort hinstellen und ohne weiter nachzudenken sagen kann ihm ist es egal, ob man der Nachwelt die Möglichkeit erhalten möchte Geschichte nicht nur lesen sondern auch sehen und anfassen (also erleben) zu können, der hat meiner Meinung nach nicht wirklich den Sinn des Lebens begriffen.

    Es war und ist eigentlich immer das Bestreben des Menschen Werte an die nächste Generation weiterzugeben.

    Dass den Toten auf solch eine Art gedankt wird für ihren Einsatz mit ihrem Leben, wer wünscht sich denn solch eine ‚Ehrung‘?!

    Wirklich traurig zu sehen, dass sich solch ein Umgang mit der Geschichte in einem Ort in derart konzentrierter Form widerspiegelt.

    Es gibt doch mit Sicherheit genug Menschen, denen an der eigenen Geschichte viel am Herzen liegt und die diese ‚Schadflecken‘ nicht mehr sehen können. Gerade an solchen Stellen wo die nächsten Generationen fast täglich entlanggehen. Ich möchte meinen Kindern solche ‚Gedenkstätten‘ nicht wirklich als das Wahre verkaufen, denn es ist und bleibt ein Teil unserer Geschichte und den sollte man mit Respekt behandeln.

    Was im Kleinen Örtchen nicht funktioniert wird auch nach Außen getragen und zieht seine Kreise; leider nicht die schönsten.

    Ich hoffe, dass sich in dieser Sache viele Menschen finden, die dem ‚Gedenkstättengräul‘ in Woltersdorf mutig entgegen treten und den Leuten die Möglichkeit geben, an den Gedenkstätten auch verweilen, anstatt vor lauter gram die Flucht ergreifen zu wollen.

    Ein Museum wäre das i-Tüpfelchen der Woltersdorfer-Geschichtspflege und sicherlich auch ein toller Anreiz für die ‚Geschichtsmuffel‘ doch einmal ein wenig über den Tellerrand der eigenen Einstellung zu schauen 😉

    Gruß Nina

  3. Gordon Eggers

    Schön wäre es, wenn hinsichtlich des Andenkens von Fidus in Woltersdorf etwas geschähe. Wir hatten hier sicher nur den einen, weltweit anerkannten Künstler in der Gemeinde.

    Ein Fidus-Museum hätte es zu der Regentschaft von Höhne geben können. Soweit ich informiert bin, ist letztlich alles an der Finanzierung von 2 Parkplätzen gescheitert, Kosten rund 10.000 Euro. Kosten Rathausneubau ca. 2.400.000 Euro.

    Es gibt immer noch Menschen, die das Museum wünschen, auch Exponate hätten…. Vielleicht ist ja noch was zu retten…

    Und noch eines: An den Luftfahrtpionier Haller könnten wir auch mal erinnern, das gibt es einen kleinen Gedenkstein in der Köpenicker Straße, unweit des Fidus Hauses.

    1. Bernd

      Lieber Gordon,
      wie wahr – wie wahr, aber im Moment zeichnet sich vielleicht ein Rettungsweg für das Fidus-Denkmal ab. Mehr ist, glaube ich, in naher Zukunft nicht drin.
      Grüße
      Bernd

  4. Armin

    Lieber Bernd,
    es ist erfreulich, dass doch immer wieder einmal an das Fidus-Denkmal erinnert wird.
    Das Grundstück auf dem das Fidus-Denkmal steht, befindet sich in Privatbesitz. Da die Gemeinde Woltersdorf, vertreten durch den bisherigen Bürgermeister, Herrn Höhne, wenig Interesse zeigte, sich in Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer des Denkmals anzunehmen, schlage ich vor, nach einem anderen Weg zu suchen, der dem Denkmal doch wieder zu einem würdigen Erscheinungsbild verhilft.
    Wäre es nicht eine gute Sache, wenn sich die Woltersdorfer Betriebe mit einer jährlichen, zweckgebundenen Zuwendung z.B. an den Woltersdorfer Verschönerungsverein dem Denkmal nachhaltig annehmen würden.
    Der Grundstückseigentümer könnte sich z.B. auch vorstellen, die entsprechende Grundstücksfläche zweckgebunden einem „Trägerverein“ zu stiften, der sich der Pflege und Erhaltung des Denkmals widmet.
    Wenn also die Gemeinde nicht tätig wird, sollten vielleicht die Bürger zeigen, das vieles auch auf kurzen Wegen möglich ist und alte Werte und Ideale auch in unserer schnelllebigen Welt ihren Platz haben.
    Hier ist Bürgergemeinschaft gefragt statt störrischer Amtsstuben.

    Lassen wir doch Taten sprechen!

    Beste Grüße von Armin

    1. Bernd

      Lieber Armin,
      eine erstklassige Idee und ein großzügiges Angebot. Wir werden mal rumhorchen, ob sich noch mehr Woltersdorfer für die Rettung des Fidus-Denkmals begeistern können. Wir melden uns dann direkt über Deine Mailadresse.
      Herzliche Grüße
      Angelika und Bernd

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