Das Leitbild der Gemeinde Woltersdorf

Gestern Abend schlich ich vorsichtig um mich linsend zum Rathaus. Auf keinem Fall wollte ich einem Polizisten begegnen, der das Rathaus vor dem Ansturm der Bürger schützt. Ich wollte, die vom Bürgermeister für Bürger ohne gemeindliche Weihen verbotene Versammlung zum Thema Leitbild Woltersdorf besuchen. Ich erreichte den Ratssaal ohne auf einen Wächter des Bürgermeisters zu stoßen, dabei hatte ich vorsorglich Schlafanzug und Zahnbürste mitgenommen, innerlich darauf vorbereitet in einer polizeilichen Zelle zu übernachten.

Unser Kämmerer Gerd Tauschek begrüßte mich, der Herr Bürgermeister sei erkrankt und er wurde auserkoren, den Abend zu moderieren. Insgesamt versammelten sich so mit der Zeit 10 Bürger, 8 Abgeordnete inklusive Sachkundige Bürger, ein Kämmerer und Oliver Massaski vom Projekt Leitbild für Woltersdorf.

Oliver Massaski hielt einen guten, sachlichen Vortrag über das, was er Leitbild Woltersdorf nennt. Beim Leitbild geht es z. B. um Tagestourismus, ausbaufähigen Angeboten aus Kultur, Natur, Freizeit, Kinderfreundlichkeit, Infrastruktur, Nahverkehr, Wegzug von jungen Menschen, Überalterung der Bevölkerung, Zuzug von jungen Familien, Arbeit und Schlafstadt. Herr Massaskis Vortrag war untermauert mit statistischen Auswertungen. Die Zahlenkolonen und grafischen Darstellungen waren durchaus beeindruckend. Waren sie aber auch glaubwürdig?

Mit keinem anderen Instrument ist es besser möglich die reine Wahrheit seiner eigenen Wahrheit anzupassen, wie mit der Statistik. Woltersdorf hat zwischen 7000 und 8000 Einwohner. An der Fragebogenaktion nahmen rund 150 Fragebögen teil, mehr bekamen die Macher nicht zusammen. Diese Bögen sind anonymisiert, eine gezielte Fragestellung gibt es nicht. Da steht z. B. als Überschrift „Themenbereich“, da kann sich dann jeder sein eigenes Thema basteln. Dann wird es noch schlichter, da gibt es ein Feld mit der Überschrift „Stärken“, weitere nennen sich „Potenzial“, „Leitbildaussage“, „Maßnahmenvorschlag“. In jedem dieser Felder kann sich der Schreiber völlig frei, in jede ihm genehme Richtung entwickeln. Daraus statistische verwertbare Ergebnisse abzuleiten, ist wohl gleichwertig mit astrologischen Aussagen glauben.

Wer hat diese rund 150 Fragebogen ausgefüllt. Es könnte doch sein, dass sich einige Wenige, so rein aus Jux und Tollerei daran gemacht haben, die Bögen mit Inhalten zu füllen, es gab keine Kontrollmechanismen. Nun ja, mehr habe ich zum Wert der gebotenen Aussagen nicht zu sagen.

Der Sinn der Befragung, der ist mir schleierhaft geblieben. Wir alle kennen die Probleme des Ortes aus dem ef ef. Überalterung, Wegzug der Jungen, Arbeitslosigkeit, Schule, Infrastruktur sind uns keine Unbekannten. Täglich werden wir mit diesen Themen konfrontiert. Das Projekt Leitbild Woltersdorf hat ja auch nichts anderes ergeben, als das, was wir schon längst wissen. Ich erinnere mich, im Frühjahr 2010, da hat Michael Pieper in einer Sitzung der GV viele dieser Themen erläutert. Seine Feststellungen decken sich völlig mit dem Ergebnis der Macher vom Leitbild Woltersdorf.

Mein Fazit, es gibt keine ökologisch saubere Art Geld zu verbrennen, als mit diesem Projekt Leitbild Woltersdorf. Dafür wurden 15.000 Euro Fördergelder bewilligt, die sind nun futsch, dafür haben wir Erkenntnisse bekommen, die wir 2010 schon einmal umsonst bekamen.

Falls es kein neues Geld zum verbrennen gibt, ist im März Schluss mit dem Projekt.

  1. Bernd

    Jeder Fragebogen sollte einen Haushalt darstellen. Dazu hätte man 150 repräsentative Haushalte auswählen müssen, was in Woltersdorf nicht geschehen ist. Hinzu kamen die Internetfragebögen, diese sind als sehr fragwürdig einzustufen, weil sie einen Computer oder eine Person darstellen, aber keinen Haushalt. Es wurde zwar technisch sichergestellt, dass von einem PC, der Fragebogen nur einmal verschickt werden konnte. Die Techniksperre war aber sehr leicht zu umgehen, indem die Cookies gelöscht wurden. Hinzu kommt, fast jeder Haushalt hat inzwischen mehr als einen PC, von jedem PC konnte der Fragebogen neu ausgefüllt werden. Wer seriös rechnet, dem verbietet sich bei dieser Sachlage eine statistische Auswertung der Internetfragebögen von allein.

    Auch der Projektleiter Oliver Massaskis konnte diesen Sachverhalt, der die ganze Statistik als fragwürdig erscheinen lässt nicht ausräumen.

  2. PT

    Hinweiß zu den 150 Fragebögen:
    Ich kann mich an eine Umfrage auf der Hompage der Gemeinde entsinnen,
    die zu diesem Thema reingestellt wurde.
    Wenn der Fall zutrifft, ist ein Fragebogen mit meinen Antworten gefüllt.

  3. Minerva McGonagall

    Immerhin haben wir mit unseren 15.000 EUR Steuermitteln die barmende Beratungsindustrie am Leben erhalten.
    Und das womöglich sogar CO2 neutral,
    außerdem wurden im gesamten Leitbildprozess keine Tiere verletzt,
    und sexistische Übergriffe sind auch nicht bekannt geworden.
    Na bitte.
    Dem verschnupften BM wünschen wir natürlich gute Besserung.

    Minerva

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