Das Hospiz und die Einwendungen der Bürger

„Die ausgelegten Unterlagen haben mich begeistert. Ihre Informationen waren vollumfänglich interessant, anschaulich und zeigen mir ein hochmotiviertes Amt“

So die allererste Stellungsnahme eines Bürgers zum Bauvorhaben Hospiz in der Schleusenstraße. Eine Stellungsnahme im Sinn von positiver oder negativer Kritik können die Zeilen nicht sein. Sie stellen eine einzige Lobhudelei auf das Amt dar. Nichts weiter als Streicheleinheiten, die das umschleimte Amt wohl händeringend herbei betete.

Es wurden nur sechs Stellungnahmen von Bürgern veröffentlicht. Es gibt also nur sechs Bürger die etwas zum Hospiz sagen möchten. Sechs Bürger von über Achttausend, dass ist eine starke Aussage. Sie sind eine schallende Ohrfeige für die Bürgermeisterin, ihre Bauamtsleiterin und einen Großteil der Gemeindevertreter. Sechs von Achttausend zeigen wie ein Menetekel, die Masse der Bürger dieser Gemeinde haben sich in die innere Emigration geflüchtet. Sie sagen nichts mehr, ihre Welt endet am Gartenzaun, weil, die machen doch sowie so was sie wollen. Das ist der politische Zustand den Diktaturen lieben, in Woltersdorf von 1933 bis 1989. Danach Höhne, Vogel, Decker. Transparenzlosigkeit pur. Kotaupolitiker und Abnickamtsleiter wenn Investoren an die Tore des Amtes klopfen. Ungleichbehandlung, bei gleichen Voraussetzungen, siehe Campingplatz und Ertel-Werft. Nun kommen wir zu dem einzigen Punkt in der Lobhudelei der richtig ist: „ein hochmotiviertes Amt“. Die Aussage stimmt, geht es um Investoren und Planer, dann ist dieses Amt hochmotiviert, bis zur Selbstaufgabe. Innere Emigration ist die einzige Medizin dagegen.

Fangen wir mit den restlichen oder einzigen Stellungsnahmen an, denn den Wortschleim möchte ich nicht als Stellungsnahme werten.

Bürger 2 meint in Punkt 1 von 6, die abweichende Drehung des Gebäudes zur Baufluchtlinie sei nicht vertretbar und der geringe Winkel von 13 Grad sei für den Lichteinfall unerheblich.

In drei langen Absätzen wir geantwortet. Nur ein Satz von drei Absätzen geht auf den Einwand von Bürger 2 ein, der Rest ist ablenkendes Gelaber: „Um das Gebäude optimal in die Topografie einzufügen wird es im Verhältnis zur Straße gedreht.

Die 13 Grad Drehung ist sinnlos, weil der Flachbau von hohen Bäumen umgeben ist, die den Lichteinfall steuern. Da wurde schon angekündigt, da kommen noch einige weg. Zudem, alles ist in Bewegung, so auch die Sonne und die Erde. Die Sonne wandert vom nördlichen Wendekreis des Krebses zum südlichen Wendekreis des Steinbockes. Nur an einem Tag im Jahreslauf, nur zu einer Stunde trifft die Berechnung für das Hospiz zu. Hier wurde die Astronomie arg vergewaltigt. Weil es so ist, müssen dann eben die Bäume weggehackt werden. Von der Topografie wäre eine Ausrichtung in der Baufluchtlinie sogar günstiger, weil mehr Übersicht und Platz für Rettungsfahrzeuge bleibt. Aber Architekten wollen auch Künstler sein und hier will der Künstler uns seine Ansicht von Kunst aufzwingen.

Die restlichen 5 Punkte schenke ich mir, im Rathaus wurden alle Punkte mit kein Abwägebedarf oder Nichtberücksichtigung gekennzeichnet. Auch diese/dieser Bürger wird nach dem Amtsgeschwafel in die innere Emigration gehen, ein voller Erfolg für die Bürgermeisterin.

Bürger 3 wird in seinem Punkt 1 genau so schwammig und nichtssagend abgewürgt, wie Bürger 2. In Punkt 3 regt der Bürger an, direkt mit dem Immanuel Konzern zum Vertragsabschluss zu kommen, um die Nachhaltigkeit zu sichern.

Auch dieser Bürger wird abgebügelt, hier mit der Wahrheit: Vorhabenträger ist die Diakonie-Hospiz Woltersdorf GmbH. Die wurde extra für das Vorhaben vom Immanuel Konzern gegründet, damit ist der Konzern fein raus.
Nur, müssen wir einem Konzern eine Baugenehmigung erteilen, der alle Risiken auf eine frisch gegründete GmbH wälzt? Nur steuerlich wird die fällige Gewerbesteuer nach Berlin gehen, der Konzern ist schließlich die Mutter der GmbH. Woltersdorf geht leer aus.

Auch hier besteht grundsätzlich für alle Punkte der Einwendung keine Nichtberücksichtigung. Noch ein Fall von innerer Emigration?

Bürger 4 kommt mit ähnlicher Argumentation wie Bürger 1. Dementsprechend wird er wie Bürger 1 abgebügelt. Die Gemeinde liebt Betonklötze, wie die Schleusenmonster und eine Baufluchtline, wozu, wenn es doch um Kunst geht und den Wünschen eines Konzerns. Um Lichteinfall geht es nicht, die Sonne wird wie seit 4.5 Milliarden Jahren weiterhin täglich ein Stückchen zwischen den Wendekreisen wandern. Daran wird sie sich auch nicht vom Immanuel Konzern und unseren Gemeindevertretern hindern lassen.

Denn Rest schenke ich mir, ich gehe auch in die innere Emigration, was bleibt dem anderes übrig, der das Pech hatte, im politsumpfigen Woltersdorf zu stranden.

Wollen Sie selber lesen, dann öffnen Sie den Link
Top 6
und gehen dort zum 13.07.2017,
dort klicken dann Sie die Anlage Top 6 an.

Das war’s. Mit der Programmierung sieht es düster aus im Rathaus. Der vom Browser durchgängige Link: file:///C:/Users/USER-PC/AppData/Local/Temp/21._bau_top_05__anlagen.pdf funktioniert nicht.

Nachtrag: Die Abstimmung in der GV ist gelaufen. Dem Konzern wurde alles auf dem Silbertablet serviert. Nicht ein Jota kümmerte sich die Versammlung um die Wünsche der Bürger. Im Gegenteil, die -öffentliche- Abwägung wurde vom Vorsitzenden Sebastian Meskes mittendrin, mit Zustimmung der meisten Gemeindevertreter, abgewürgt. Womit die Öffentlichkeit nicht mehr vorhanden war. Rechtsbruch? Egal, wir in Woltersdorf haben unsere eigene politische Moral.

„In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“
Kurt Tucholsky

  1. Friedrich

    Eine bürgernahe Verwaltung sieht anders aus.

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Abgeordneten das Spiel der Verwaltung durchschauen.

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