Bürgerversammlung Winterdienst

Bei klirrender Kälte fanden sich um die 100 Woltersdorfer im Ratssaal ein. Der Bürgermeister hatte zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Thema, der neu geplante Winterdienst, der auch neue Gebühren für die Bürger bringen soll. Hannes Langen trug den Plan, den er ausgeheckte, mit einer Präsentation vor. Die Bilder der Show haben wir fotografiert und in dem kleinen Filmchen zusammengestellt. Die kurzen Texte beinhalten alles was Hannes Langes weitschweifig vortrug.

Die Gemeinde unterteilt die Straßen in mehrere Kategorien, die Straßen erster und zweiter Ordnung sollen im Winter geräumt werden und das kostet Geld. Geld, das die Gemeinde von den Anliegern der Straßen bekommen möchte. Als Schlüssel für die Gebührenrechnung favorisiert die Gemeinde den Quadratwurzelmaßstab, einfach gesagt, der Anlieger soll nach Größe seines Grundstücks belastet werden. Alle folgenden Kosten, Gebühren, technischen Details und wie überhaupt, sah Hannes Langen, er nannte es scouting, wie in der Kristallkugel einer Wahrsagerin, etwas unscharf, noch nicht im Focus der Gemeinde. Die Bürger, ohne Kristallkugel, sahen deutlich schärfer als der Amtsleiter, besonders scharf bei den auf sie zukommenden Kosten von 65.893, 20 Euro. Wie die genaue Summe zustande gekommen ist, kann Hannes Langen auch nicht so exakt erklären, weil alle Zutaten zum Preis noch unscharf in der Kristallkugel schlummern, aber den Endpreis, den hat er schon, wie er das wohl errechnet hat?

Fast allen Bürgern, die zu Worte kamen, ist das Missverhältnis zwischen produktiver Leistung (der eigentliche Winterdienst der Fa. Ruwe und GWG) und den Verwaltungskosten von 34.464 Euro aufgefallen, dass sind rund 50 Prozent der gesamten Gebühren, die die Verwaltung für sich schlucken will. Bei der allgemeinen Pleite im Haushaltssäckel verständlich, irgendwie wollen sie an die Euros der Anlieger der Straßen Kategorie eins und zwei kommen. Die Anwohner der Kategorie drei, wo nie Winterdienst geleistet wird, außer von den Bürgern selber, die sollen extra zahlen, wenn denn mal eine Leistung anfällt, so mit fünf Euro darf der, der Kategorie drei, pro Fahrt rechnen und bekommt einen Bescheid darüber. Im Grunde wurden alle Fragen recht schwammig oder gar nicht beantwortet, wenn’s kritisch wurde, monologisierte Hannes Langen munter drauf los, weg von den Fragen. Auch seine Aussagen waren teils völlig daneben, ein Beispiel. Er wollte den Bürgern verklickern, dass in den Verwaltungskosten auch die Abschreibungen für die Fahrzeuge enthalten sind. Völlig daneben, abschreiben muss der Unternehmer seine Fahrzeuge aus seinem Gewinn und nicht aus dem Gemeindeanteil. Eine Bürgerin fragte, wie sich der Sachkostenzuschlag von 15.600 Euro zusammensetzt. Erklären konnte er keinen Euro davon, die Bürgerin kommentierte, sie müssen doch ihre Kalkulation erklären können, Hannes Langen schob’s auf die Kristallkugel. Monika Kilian (SPD) bat um die Präsentation und um eine detailliertere Aufschlüsselung der Verwaltungskosten.

Das Ganze dreht sich um geschätzte 34,31 Euro pro 1000 qm/Jahr für Straßen erster und zweiter Kategorie, es könnten aber auch 50 oder 20 Euro werden, da ist die Verwaltung flexibel. Irgendwann flog beim BM eine Sicherung heraus, er krallte sich das Mikrophon und kotzte los: Was er zum Abschluss wissen will, ob es jemand gibt, der einen weißen Winterdienst* will, wenn das keiner will, dann müssen wir Gebühren erheben. Er findet es lächerlich, die Endsumme ist keine Summe, die Sie ruinieren wird. Daraufhin beendete Hannes Langen die unscharfe Bürgerversammlung und ich hörte, er soll sofort zu seiner Kristallkugel geeilt sein.

*Wenn ab einer bestimmten Schneehöhe nur geschoben wird, mehr nicht, kein Salz, kein Streugut.

Bei Bedarf können die Bilder mit den Texten per Email angefordert werden.

  1. Lini

    also wenn ich nicht sitzen würde, würde ich glatt nach hinten umfallen. jetzt sollen wir bürger auchnoch den winterdienst bezahlen? was sollen wir eigendlich noch alles bezahlen? wozu zahlen wir steuern? ich kenne bis jetzt keine gemeinde die so etwas hat. wozu auch denn sie zahlen steuern! wenn das der fall sein sollte dann müßte jeder der nicht in woltersdorf wohnt und unsere straßen benutzt eine maut bezahlen.
    vielleicht sollte herr langen seine kristallkugel befragen ob er überhaupt weiss was er sich da ausgedacht hat. so langsam schäme ich mich für unsere gemeinde. ich dachte immer die gemeinde arbeitet für ihren ort und für traditionen und nicht dagegen.

    mfg lini

  2. R. Helm

    Ich war bei dieser Versammlung ebenfalls zugegen und kann dem hier Vorgetragenen nur beipflichten. Von Beginn an erinnerte mich die Präsentation tatsächlich mehr an die Vorstellung eines (wenn auch unausgefeilten) Verkaufskonzeptes als an eine informierende Bürgerversammlung …

    Admin:
    Den kompletten Kommentar habe ich als eigenständigen Artikel unter Eine Meinung zur Bürgerversammlung auf diesem Blog eingestellt.

    1. Bernd

      Liebe Frau Helm,
      schade das Sie nicht Amtsleiter sind, da wären die Abgeordneten und wir Bürger besser informiert worden. Die Einleitung bringt mich auf den Punkt, wo ich Ihnen widersprechen muss. Wir gehen in jede Sitzung der Gemeinde und können es bezeugen, die Abgeordneten werden dort mit dem gleichen Wischiwaschi abgespeist wie die Bürger. Alle Nachfragen der Fraktionen sind bisher im Sande verlaufen. Hannes Langen und sein Bürgermeister reden grundsätzlich vom Punkt weg zum allgemeinen, fernen, nicht greifbaren und da sind auch die Gemeindevertreter machtlos.

      Die Präsentation ist den Abgeordneten erst nach der Bürgerversammlung zugegangen, die waren genau so ahnungslos wie wir alle, bekommen haben sie sie auch nur, weil Frau Kilian drängelte. Möchten Sie das Werk haben, ich schicke es Ihnen gerne zu.

      Freundlichen Gruß
      Bernd

    2. R. Helm

      Hallo Bernd,

      Danke für die Klarstellung in Bezug auf die Kenntnis bzw. in diesem Falle Nichtkenntnis der Gemeindevertreter. Ich mag natürlich Niemandem Unrecht tun …

      Aufgrund des Hinweises der Vortragenden an Fr. Kilian, dass die Zahlen in den Unterlagen stünden, bin ich davon ausgegangen, dass (wie es eigentlich üblich sein sollte) den Vertretern die Informationen bereits vorab zur Verfügung gestellt wurden.

      Mit der stets vom BM beworbenen guten Kommunikation scheint es dann wohl nicht weit her zu sein. Schade!

      Und: Fr. Kilian, Danke für Ihren Nachdruck. Bitte behalten Sie den bei …

      Beste Grüße

      R. Helm

  3. sylvia klug

    Hallo, es wird ja immer besser. Ich glaube der Herr Langen muss mal anständig seine Hausaufgaben machen. Er bekommt mit seinem Posten auf dem Amt bestimmt ein dickes Gehalt. Wenn ich eine Bürgerversammlung mache muss ich auch ein Konzept haben. Und vor allen Dingen exakte Fakten.Ich glaube ein normaler Angestellter dürfte nicht so arbeiten. Der würde sofort gefeuert werden.

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