Brief kontra SMS

7. Februar 2009 Aus Von BerndWohlers

Vor Jahren, nee vor sehr vielen Jahren, da freute ich mich, wenn die Post kam. Wenn im Briefkasten ein Brief für mich dabei war. Schon das Öffnen des Umschlags versetzte mich in prickelnde Spannung. Für mich, wie für Generationen von Verliebten waren Liebesbriefe eine Offenbarung. Briefe, bestehend aus schmucken, gefütterten Umschlägen und teuren Papieren. Sorfältig zusammengestellt schimmerte das Blatt in sanften Pastellfarben. In schönen Buchstaben, mit königsblauer Tinte, stand dort auf dem leicht parfümierten Blatt, „Ich mag Dich“ oder sogar „Ich liebe Dich“. Solche Briefe hat man aufbewahrt, manchmal ein ganzes Leben lang. Sie immer wieder einmal in die Hand genommen, die sich dabei einstellenden Erinnerungen durchlebt.

Das ist nun vorbei, der Briefträger ist nicht mehr der Postillion d’amour. Der klassische Liebesbrief wurde von den digitalen Medien weitgehend abgelöst. Man schreibt sich schnell mal eine SMS, je kürzer, je besser. Furcht vor Schreibfehlern, Angst sich zu blamieren, es gibt viele Gründe sich kurz zu halten. Sie, die SMS, ist schnell geschrieben, schnell gelesen, noch schneller vergessen. 160 Zeichen auf dem Handy, mehr ist nicht drin. Mit Delete landet alles im digitalen Paierkorb. Nichts bleibt, keine Erinnerung, keine Träume.

Da warte ich lieber auf den gelben Wagen.