Bauausschuss März 2011 – Teil 2

Jetzt kam die bei den Abgeordnten beliebte Fragestunde an den Bauamtsleiter. Herr Mehlitz wollte noch einmal wissen, warum im Umbau des Rathauses Verzögerungen eingetreten und ob Mehrkosten durch Veränderung der Räume entstanden sind. Herr Wendt erläuterte, dass durch eine Wand, die vom Erdgeschoss bis ins Dachgeschoss, also sieben Meter hoch, durch einen Träger gesichert werden musste und das ein Bauauftragnehmer 10 Tage mit seiner Leistung im Verzug ist. Dr. Schultz war im Ort auf Pfuhlschau gewesen und meinte, in der Grenzstraße der läuft gleich über und der in der Memeler ist halb voll, ob das biologische Gründe hat. Amtsleiter Joecks gab zur Antwort, dass das natürliche Vorgänge sind. Dann wollte Dr. Schultz die Mehrkosten für die Sanierung der Alten Schule wissen. Herr Joecks meinte dazu, dass schon Sparmaßnahmen angelaufen sind, die Fenster bekommen keine Rundbögen, sondern werden oben flach abgeschlossen. Über weitere Maßnahmen wird noch nachgedacht.

Nun kam ein illustrer Punkt auf den Tisch. Schulwegsicherung Weinbergstraße. Herr Joecks stellte zwei Varianten, die sich aus der gemeinsamen Sitzung am 31.01.2011 herauskristallisierten, in Form einer Beschlussempfehlung noch einmal vor. Die Baumaßnahme soll in zwei Stufen durchgeführt werden. Stufe eins, Ausbau Winzerstraße / Weinbergstraße mit verkehrsberuhigter Zone am Schulgelände, könnte schon dieses Jahr realisiert werden. Stufe zwei Vogelsdorferstraße Haltespur / Grünstraße wäre nachrangig, der Zeitpunkte müsste dann noch einmal diskutiert werden. Schon schlugen die Wogen hoch. Dieses Thema erhitzt doch sehr die Gemüter unserer Abgeordneten. Monika Kilian bereitete die ganze Konstellation Bauchschmerzen. Sie meinte, wenn die Straße gut ausgebaut ist, dann hätten wir wieder dasselbe Chaos, nur mit dem Unterschied, die Eltern würden jetzt ihre Kinder möglichst noch bis zur Klassentür hinfahren. Herr Gutjahr fand die Variante eins besser und favorisiert gleichzeitig die Idee der Schülerlotsen. Das rief nun Herrn Mehlitz auf den Plan. Der WBF, so sagte er, habe lange zusammen gesessen und dabei sind sie immer unsicherer geworden. Was muss man alles bei einer solch langfristigen Planung bedenken. Da ist das Schichtwasser. Vielleicht fährt in 40 oder 50 Jahren die Straßenbahn durch die Vogelsdorferstraße. Kurz und gut, es muss ein Verkehrsplaner ran, lamentierte er weiter. Reinhard Hildebrandt warf provokant ein, was haben Eltern in der Weinbergstraße mit dem Auto da zu suchen. Die Vogelsdorferstr. ist der Haupteingang. Verbreitert die Vogelsdorfer von der Grünstraße bis An die Fuchsberge und das Problem ist gelöst. Frau Kilian ergänzte, wir lassen die Weinbergstraße wie sie ist, das ist verkehrsberuhigend genug. Langsam lief die Diskussion aus dem Ruder. Frau Prof. Böhm mahnte ungeduldig, wir müssen mal zu Stuhle kommen und einen Beschluss fassen. So geht’s nicht weiter. Die Beschlussempfehlung wurde langsam aber sicher zur Lachnummer. Keiner wusste so recht, was sie nun beschließen sollten. Herr Joecks hatte auch den Durchblick verloren. Es wurde nun wild durcheinander diskutiert. Herr Mehlitz brauchte fünf Minuten Auszeit, um sich mit seinen Mannen zu beraten. Ich kann nur sagen, alles leicht chaotisch. Schließlich schafften sie es doch mit vereinten Kräften, eine Beschlussempfehlung zu formulieren. Ich hoffe, dass dieses Glanzstück der Öffentlichkeit bald vorgestellt wird.

Das nächste Thema, das noch auf der Tagesordnung stand, war auch nicht viel besser, ging es doch um die Außenanlage des Rathauses. Hierfür waren 50.000 Euro mit Sperrvermerk in den Haushalt eingestellt worden. Herr Wendt trug nun seine drei abgespeckten Varianten vor. Variante eins, kein Durchgang mehr weder von der Seestraße noch von der Rudolf-Breitscheidstraße. Billigere Fahrradständer und Verzicht auf Pflanzkübel auf dem Rathausvorplatz. Das ganze würde dann nur noch 72,877 Euro kosten. Tolle Einsparung!! Die andern beiden Varianten brachten noch weniger. Variante zwei bringt es auf 78.521 Euro und Variante 3 kommt mit 81.237 Euro aus. Anmerkung von mir, ich glaube es sollten doch wohl 50.000 Euro nicht überschritten werden. Irgendwie wurden hier die Hausaufgaben nicht richtig erledigt. Herr Dr. Vogel wollte wenigsten einen Blumenkübel retten, in der stillen Hoffnung, dass vielleicht die anderen drei gesponsert werden. Herr Berthold plädierte für die Variante zwei (ohne geändert) mit Blumenkübel und mit Durchgang und meinte, das Geld sollte man ausgeben, denn ob wir die Sporthalle noch für 2,5 Mio. bauen können ist nicht gewiss. BM Vogel fragte woher wir wissen wollen, ob 2013 die Sporthalle steht. Da können wir sparen, wo wir wollen. Man kann aber nicht alles so karg und ärmlich machen. Dr. Schultz warf noch in die Runde, wir haben ein Sparschwein, da ist der letzte Pfennig rausgekratzt und wir haben einen Haushalt, der fast fahrlässig ist. Wir kriegen es nicht hin, die Halle bis 2013 zu bauen. Nach kurzem Hin und Her wurde der Beschluss gefasst, den Sperrvermerk von den 50.000 Euro nicht aufzuheben. Herr Wendt muss nun alle Möglichkeiten ausloten, was man mit 50.000 Euro realisieren kann. Die Ausschreibung kann ad acta gelegt werden.

  1. Berthold, Wolfgang

    07.03.2011

    Bitte um Richtigstellung.

    In der Bauausschuss-Sitzung am 02.März 2011 wurde von mir die Variante 2 (mit Durchgang von der Seestr. zur Rudolf-Breitscheidt-Str.) empfohlen. Zusätzlich bin ich dafür Blumenkübel, Bepflanzung und den erforderlichen Blumendünger zu beschaffen. Die Kosten erhöhen sich um ca. 1.100,00€ auf ca. 29.621,00€.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wolfgang Berthold

  2. Bernd

    Der WBF war wohl in Faschingslaune, anders kann ich mir das Statement: „In 50 Jahren fährt vielleicht die Straßenbahn durch die Vogelsdorferstraße“, nicht erklären. Es könnte natürlich auch sein, dass der Flughafen Schönefeld erweitert wird und die vierte und fünfte Startbahn in der Vogelsdorfer geplant wird, selbst ein Hafen der Lichtensteiner Marine, für Flugzeugträger, rückt da in den Bereich des Möglichen. Lieber WBF, man sollte auf alles vorbereitet sein, seit weiterhin so wachsam und unterhaltsam 🙂

    1. Matthias Schultz

      Lieber Bernd,

      hier muss ich dem Bürgerforum beispringen.

      In der Vogelsdorfer Straße wurde tatsächlich bei der Planung der Grundstücksgrenzen eine zukünftige Straßenbahntrasse frei gehalten. Im Zuge der Planung unserer Straßenbahn war nämlich auch immer mal eine Nord-Süd-Linie (bis nach Erkner und sogar darüber hinaus) im Gespräch, deren Planung dann aber aus den bekannten politischen und wirtschaftlichen Gründen im 20. Jahrhundert nicht weiter verfolgt werden konnte. Momentan ist das sicher immer noch extrem visionär und im Kontext aktuell verfügbarer Geldquellen weder umsetz- noch betreibbar.

      Nichtsdestotrotz: wer weiß, wie sich unsere Verkehrspolitik zukünftig entwickelt (Benzinpreis, Umweltauswirkungen, Entschleunigung)? Vielleicht sind wir schon in einigen Jahren unserer (Ur-)Großeltern dankbar für diese vorausschauende Entscheidung. Warum also jetzt ohne Not die reservierten Flächen opfern?

      Vermutlich (das wird derzeit von Rathaus und Straßenbahn geprüft) ist die angedachte Ausweich- und Haltebucht in der Vogelsdorfer Straße sogar verträglich mit dem Lichtraumprofil der Straßenbahn. Somit steht hoffentlich gar keine entweder-oder-Entscheidung an. Es kann also der Schulweg sicherer gemacht werden, OHNE die Trasse aufzugeben!

      Aber ich halte es für wichtig, dass die alten Ideen und Konzpte immer mal wieder in Erinnerung gerufen werden, inwieweit sie für aktuelle und zukünftige Planungen relevant sind und wir uns nichts verbauen (nicht nur in der Vogelsdorfer Straße)!

      Es grüßt mit einem fröhlichen Straßenbahn-Klingeln,
      Matthias Schultz.

    2. Bernd

      Lieber Matthias,
      herzlichen Dank für die Info über die verkehrpolitischen Konzepte unserer Vorfahren, die aus damaliger Sicht bestimmt als fortschrittlich zu bezeichnen sind. 2011 sind sie aber nur noch Geschichte – Es war einmal – und dabei sollte man es bewenden lassen. Darüber in einer politischen Sitzung mit Blick auf eine ferne Zukunft zu fabulieren, ist aus meiner Sicht mehr als bizarr.

      Zumindest sind mir auch einige Nutzungsmöglichkeiten (siehe oben) für 2061 eingefallen.

      Es grüßt ebenso fröhlich, mit dröhnendem Take off, zurück,
      Bernd

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