Anliegerversammlung Schleusenstraße – Teil 4

Es juckt mir in der Feder „Magistrale Rainer Vogel“ was für ein Name, prädestiniert dafür, dass eine Spottdrossel daraus ein tolles Epos zimmert. Es darf nicht sein, das Thema ist ernst, so lasst uns beginnen.

Vertreter und Planungsbüros zeigen immer, wie schön alles ist und dann, wenn der Kunde begeistert ist, nicht mehr zurück will, nennen sie den Preis. Wir fangen umgekehrt an, erst den Preis und dann der mehr oder weniger geliebte Rest.

Im Haushaltsplan 2012, erstellt im Juli 2012, steht geschrieben „Geh- und Radweg Schleusenstraße, Kosten 133 TE“. Wir haben immer noch Juli 2012, die erste Hälfte ist noch nicht einmal vergangen und das Planungsbüro ist bereits bei 155.682 Euro, die Cents lassen wir weg, angekommen. Sind wir mit der Steigerung an der Preis Kulmination angekommen? Nein, erstens muss sich die Gemeinde das Geld leihen, wer leiht, zahlt Zinsen, die kommen noch dazu. Hinzu kommen auch die Steigerungen bei Entlohnung und Verteuerungen bei den Materialkosten. Die grundsätzlich beim Tiefbau auftretenden nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten kosten weiteres Geld, kommen dann noch Änderungen in der Planung und Ausführung hinzu, werden zusätzliche Mittel benötigt. Summa summarum, die rund 156 TE sind nur eine Hausnummer, mehr nicht, rechnen Sie von Hause aus zwischen 10 und 20 Prozent mehr, dann fallen Sie nicht um, wenn eines Tages die Rechnung ins Haus flattert.

Der jetzige Geh- und Radweg befindet sich, im Gegensatz zu seinen Geschwistern, im weiten Umkreis in Bestzustand. Ich will damit nicht sagen, dass er gut ist, er ist nur tausendfach besser als alle anderen. Schon der gegenüberliegende Gehweg auf der Westseite befindet sich in einem deutlich beklagenswerteren Zustand als der östliche. Selbst die Ruine auf der Westseite der Schleusenstraße befindet sich in einem ausgesprochen mustergültigen Zustand im Vergleich mit seinen Genossen in der Werderstraße. Von den vielen Straßen in Woltersdorf die auf noch nicht absehbare Dekaden keinen Gehweg und keine Fahrbahn erhalten werden, wollen wir gar nicht erst anfangen zu reden. Ein Beispiel dennoch, die Rüdersdorfer Straße, viel befahren, in großen Stücken ohne Geh- und Radweg. Dort müssen Schulkinder, selbst die Kleinsten, sich mit dem Fahrrad durch den um sie herum rauschenden Verkehr quälen. Warum soll da der Geh- und Radweg im Schleusenviertel erneuert werden, der sich quasi im Topzustand befindet?

Das Topargument des Bürgermeisters, das er seit zwei Jahren benutzt, dem nie, von keinem Abgeordneten widersprochen wurde: „Für Rollstuhlfahrer und Nutzer von Rollatoren ist es notwendig einen neuen Gehweg zu bauen, damit sie besser ans Krankenhaus kommen.“ Stellen Sie sich bitte einmal vor, da rasen Radfahrer samt Bürgermeister den neuen Radweg in beide Richtungen entlang. Wie gefährlich – vor einem Krankenhaus – wie sollen sie, die Behinderten ausweichen, sind sie doch viel zu langsam. Das muss zu Situationen führen, die ich mir gar nicht ausmalen möchte. Diese Begründung der Verwaltung – ein Scheinargument, wie ich meine.

Dennoch führt uns die abstruse Erklärung des Bürgermeisters auf die Fährte – das Krankenhaus wird ausdrücklich, als einziger Nutznießer, erwähnt. Sehen Sie sich die Bilder an, gerade vor dem Krankenhaus befindet sich der Gehweg in gutem Zustand. Behinderte haben da keinerlei Probleme, den zu queren oder in beide Richtungen zu nutzen. Nein, es muss etwas anderes sein, weshalb das Krankenhaus auf einen neuen Geh- und Radweg Wert legt.

Wir hatten im Januar 2011 eine Bürgerversammlung, da ging es um die Grundschule und damals forderten Elternsprecher, trotz leerer Kassen, einen repräsentativen Zugang zur Grundschule. Hier einmal mein damaliges Statement eingefügt:“ Sie forderten einen Parkplatz für Lehrer und einen repräsentativen Zugang zur Schule. Ob ein Säulenportal mit Denkmälern der ehemaligen Schuldirektoren in Carrara Marmor ausreichend sein wird? Ich würde Repräsentativ streichen und durch Praktisch ersetzen.“

Damit sind wir beim richtigen Wort angekommen „Praktisch“, mehr muss nicht sein, wenn man mit umgestülpten Hosentaschen dasteht. Praktisch ist der Geh- und Radweg, vor dem Krankenhaus allemal – Carrara Marmor – ist nicht drin, erst recht nicht auf Kosten der Anlieger. Der Weg hat vereinzelte reparaturbedürftige Stellen, die hätten nie sein brauchen, wenn die Gemeinde jemals auch nur eine Mark für Instandhaltung investiert hätte. Ausbessern geht immer noch, kostet wenig, bringt aber nicht den gewünschten Glanz vor die Hütte, nicht wahr?

Beleuchten wir den Geh- und Radweg noch von einer anderen Seite: Unser Bürgermeister, begeisterter Radfahrer, in jeder Situation, befährt diese „Magistrale Rainer Vogel“ auf seinem Weg vom Büro ins traute Heim und umgekehrt, täglich mindestens zweimal. Rainer Vogel ist es, der die Magistrale zum Deubel raus haben will, koste es, was es wolle. Zu seiner Entlastung muss wiederum gesagt werden, die unsäglich krude Idee geisterte schon zu Alt-BM Höhnes Zeiten durchs Rathaus, sie ist einfach nicht totzukriegen.

So, liebe Anwohner, das ist meine Meinung, wie Eure ist weiß ich nicht. So kann ich nur sagen, macht was draus.