Am Stolp, da wird geklaut

Hier in Woltersdorf gibt es ein abgesperrtes Gelände mit einer alten Fabrik im Zentrum. An einer Seite ragt ein imposanter, stillgelegter Schornstein in den Himmel. Auf drei Seiten ist der riesige Platz von Wald umgeben, an der vierten fließt träge das Mühlenflies vorbei.  Seit einigen Jahren läßt die Besitzerin dort Camper mit deren Wohnwagen ihre Vorstellungen von Sommerfrische ausleben. Das Zusammenleben der Anwohner mit den Campern war harmonisch, bis vor einem Jahr eine neue Familie auftauchte.

Seit der Zeit verschwanden Gartenlampen, Sonnenschirme, Gartentische und Stühle und morgens fanden die Anwohner des öfteren gewaltige Müllsäcke vor ihren Türen. Zu der Familie gehören zwei Mädchen, die ohne Ende, bis in die tiefe Nacht hinein, die umliegenden Straßen abgrasen. Am Sonnabend kamen wir nach 22 Uhr nach Hause und sahen ein Mädchen mit zwei Solarleuchten umherwedeln. Die Leuchten kannten wir, sie gehörten zu einem Parkplatz auf der anderen Straßenseite. Ein Blick dorthin sagte alles, die Lampen leuchteten dort nicht mehr, dass Mädchen hatte sie gestohlen.

Die junge 13 jährige Dame, die mit den Leuchten umherschlenkerte, einzufangen war ein Kinderspiel. Sie erzählte, während wir auf die Polizei warteten, ohne jedes Schuldbewustsein, dass sie die Solarlampen geklaut habe und die sieben Leuchten des Parkplatzes, die im letzten Jahr geklaut wurden auch. Großen Wert legte die Kleine darauf nicht als gewöhnlicher Dieb dazustehen:  sie wäre grundsätzlich nur im Auftrag auf Diebestour gegangen.

Es dauerte nur wenige Minuten und die Familie des Mädchens tauchte auf, sie erwiesen sich als Meister der Gossensprache und Gewalt. Einer wollte sogar mit der Axt bei uns einreiten, gröhlte er und forderten das Mädchen heraus. Sie krakelten sehr viel von: Freiheitsberaubung, Missbrauch, Kindesentführung, Stasimethoden und davon, dass das Mädchen nicht strafmündig sei. Nur eines ging ihnen völlig am Arm vorbei, dass ihre Tochter gestohlen hat, das war ihnen kein einziges Wort des Bedauerns oder Tadelns wert. Da fielen mir wieder die Worte des Mädchens ein: sie habe nur im Auftrag gestohlen. Von Widergutmachung des Schadens oder ein Angebot, die zerstörten Lampenhalterungen zu reparieren, war nichts zu hören. Die Eltern vermittelten nur den Eindruck: Schade das sie unsere Tochter beim Klauen erwischt haben.

Gott sei es gedankt, erschien bald die Polizei, der Anblick der Uniformen dämpfte die sich immer agressiver gebende Familie und wir kehrten zum Alltag zurück. Bedauern kann ich nur die Kinder, die mit solchen Eltern geschlagen sind. Eltern, mit einem verkümmerten Unrechtsbewußtsein, die nur wußten: mein Kind kann bis zur Strafmündigkeit ungeschoren klauen.