Am Fliegenfänger der Solarlobby

Im Sommer 2011 verabschiedete unsere Regierung die Gesetze zur Energiewende. Atomstrom sollte Ökostrom weichen. Ein nationales Gemeinschaftswerk solle es werden, meinte Umweltminister Norbert Röttgen. Das betrifft aber nur die Kosten, die ganze Nation soll seine Euros für das gigantische Projekt auf dem Tisch legen. Für die Planung wurde die Nation nicht belästigt, das erledigte Röttgen im kleinen Kreis. Im letzten Jahr würfelte der Minister die Einspeisetarife, Mitspieler waren die Vertreter der Solarlobby. Wie sollte es auch anders kommen, einvernehmlich gewann die versammelte Solarrunde, nur der Verlierer, der Endverbraucher, der die Subventionsmilliarden bezahlen soll war nicht vertreten. Böse Zungen behaupten, im Ministerium wurden vorab die Wünsche der chinesischen Modulbauer in die Planung eingebaut, liefern sie doch über 80 Prozent der Module.

Norbert Röttgen glaubte den Missionaren der Sonnenindustrie, die ihm glauben machten, hier in unseren Breitengraden, viel Schatten, wenig Sonne, da hält sich das Ganze in vertretbaren Grenzen. Glauben ist gut, Wissen ist besser, jedenfalls bei einem der Entscheidungen treffen soll. Der Minister ist den Geschäftemachern von Sonne & Co. auf den Fliegenfänger gegangen. Die Tinte unter den Gesetzen war noch nicht trocken, da krempelten die Solarbauern die Ärmel hoch und begannen die goldene Gans, Verzeihung natürlich den Endverbraucher, zu rupfen. Alle Rekorde brachen die Ökostromer, zum Jahresende kamen stolze 7500 Megawatt Zubau zusammen. Die Solarbauern rieben sich die Hände, der Minister glaubte und glaubt, nur die Endverbraucher fielen vom Glauben ab, auf sie kommen langfristige Belastungen von mehr als 100 Milliarden Euro zu.

Dem Minister wurde klar, bei dem Eifer der Branche, muss er sich rühren. So lud er die ein, denen er schon mal auf dem Leim gegangen ist, die Solarbranche. Nach eifrigen missionieren der chinesischen, sorry, deutschen Branche war der Bruder Minister wieder im Glauben gefestigt und sang deren hohes Lied: Schuld sei einzig der Dezember, in dem die Solarbauern besonders heftig zuschlugen, in fiebriger Gier wollten sie sich die bis Ende des Jahres gültigen, höheren Einspeisegebühren sichern. Die halbjährlichen Tarife müssten weg und eine monatliche Anpassung angepeilt werden.

Mit so einer monatlichen Anpassung der Einspeisegebühr, da liegen die Modulhersteller auf der richtigen Seite, da können sie unaufhörlich Druck auf Investoren ausüben: Leute kommt in die Puschen, nächsten Monat gibt’s schon wieder weniger. Geht’s nach den Wünschen der Fabrikanten aus China, eh Deutschland, wird die monatliche Anpassung den Bauboom beschleunigen, um so schneller das Dach bestückt ist, umso mehr Euros klingeln in der Kasse. Können die Ökofabrikanten ihr Ziel durchsetzen werden wir in einem Jahr weitere 20 Milliarden hinblättern dürfen.

Bis dahin darf unser Minister sich zurücklehnen und seinen Glauben an die Solarbranche pflegen und wird’s ungemütlich, die Branche wird ihn wieder im Glauben festigen.