Aggressive Nachbarn

Der Prenzelberg, einst trostloses Massenquartier des Proletariats, ist nach der Wende salonfähig geworden. Die Ersten, die sich nach der Wende hier niederließen, waren junge Leute, die einfach nur billig wohnen wollten. Das ist längst überholt, am Prenzlauer Berg wollen neben Alteinwohner und Bohemiens auch die Neuen wohnen. Neben, ist vielleicht nicht das richtige Wort, sie wollen den Ton angeben, wollen das die armen Schlucker nach ihrer Pfeife tanzen, sich ihnen anpassen. Die Neuen, dass sind Bürgerliche mit satten Gehältern und Kapitalanleger, die ganze Straßenzüge durchsanieren und dann zu astronomischen Preisen vermieten.

Diese neuen Bewohner machen Druck, die Alten sollen verschwinden, dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Ordnungsämter und Polizei werden von den Streithansels mit Anzeigen zugeschüttet, sie missbrauchen die Behörde als ihre Privatarmee. Die Beamten können sich dagegen nicht wehren, müssen sie doch allen Anzeigen nachgehen. Sie wollen ihre Opfer mit Hilfe von Gerichten weichkochen, zum Wegziehen bewegen. In den Schiedsstellen wird moderiert, geschlichtet und vermittelt. Aber das funktioniert nicht immer, es gibt Anwohner, die schleppen gleich ihre Anwälte mit. Damit rückt die gütige Einigung in weite Ferne und die Prozesshansels können sich auf ihre Nachbarn stürzen.

So schließt jetzt auf Gerichtsbeschluss der Knaak Club, bekannt für Rock, Punk, Metal. Ein weiteres Stück der Szene geht damit verloren. Der Klub Magnet hat schon ein neues Quartier an der Oberbaumbrücke gefunden. Häuser werden versteigert und die Mieter, zum Teil mit drastischen Methoden, verdrängt. Die Bewohner der ersten Generation verschwinden, sie ziehen nach Weißensee. Dort ist es wie einst am Prenzelberg, mal sehen wie lange.