Zu Besuch im Hauptausschuss von Erkner

bürgersaal-erknerDer Punkt Vereinsförderung stand auf dem Plan des Hauptausschusses von Erkner. Über einen Verein, der in Erkner und Woltersdorf Fördergelder bezieht, wollten wir Näheres erfahren. So machen wir uns auf den Weg zum Rathaus von Erkner. Im obersten Stockwerk des Altbaus fanden wir den Bürgersaal. Ein schöner, geräumiger Saal mit einem Viereck aus Tischen und Stühlen für den Bürgermeister, die Stadtverordneten und Amtsleiter. Weiter weg zwei Blöcke mit mehreren Stuhlreihen für Besucher. Rechts kommt man zur Tür rein, noch ein Block mit Tischen und Sitzgelegenheiten, dessen Zweck uns noch nicht aufgegangen ist. Auf den Tischen der Stadtverordneten standen Gläser und Flaschen mit Selter, daneben Kaffeetassen und zwei Kaffeekannen blinkten vor sich hin. Links, ganz in eine Ecke geschoben steht ein einsamer Flügel, ob’s ein Bechstein ist? Die Akustik ist nicht so toll, ist ja auch ein Bau aus dem vorigen Jahrhundert. Für den Flügel ist’s, denke ich, nicht der wahre Klangraum. Alles zusammen jedoch ein schönes Ambiente.

Überrascht, angenehm überrascht, waren wir über die gute und sehr transparente Vorbereitung der Sitzung. Das fing bei den für die Öffentlichkeit vorbereiteten Unterlagen an, wir fanden die Bekanntmachung und eine umfangreiche Darstellung über die Förderung von Vereinen auf der Webseite der Stadt. Etwas, dass wir von Woltersdorf gar nicht kennen. In Woltersdorf werden selbst zu öffentlichen Punkten kaum Unterlagen im Internet bereitgestellt. Mit den in Erkner bereitgestellten Dokumenten können interessierte Bürger die Erkneraner Kommunalpolitik bestens nachvollziehen. Die Arten, wie die Sitzungen der letzten Hauptausschüsse von Erkner und Woltersdorf abgelaufen sind, lassen sich an Zahlen festmachen. Der Hauptausschuss in Erkner arbeitete 10 öffentliche Punkte in 16 konzentrierten Minuten ab. Der Hauptausschuss in Woltersdorf schaffte sich 90 Minuten mit Gequassel ohne Ende an 6 öffentlichen Punkten ab. Woltersdorf hinkt da bei der Arbeitsweise und der Transparenz Lichtjahre hinterher. Ein unendliches, aber bestimmt dankbares Arbeitsfeld für unsere neue Bürgermeisterin.

Kommen wir zur Vereinsförderung. Transparenz scheint, wie schon gesagt, bei Jochen Kirsch, Bürgermeister von Erkner, einen guten Stellenwert einzunehmen. Alle Unterlagen liegen dem Bürger, bequem erreichbar, vor.
In Erkner bewarben sich für dieses Jahr 34 Vereine etc. um Fördergelder in Höhe von rund 186.900 Euro, vom Hauptausschuss bewilligt sind 37.500 Euro, im 2015 wurden 38.610 Euro ausgegeben, das sind rund 20 Prozent der gewünschten Zuschüsse.

In Woltersdorf gibt es eine solche Liste nicht, jedenfalls nicht für die Öffentlichkeit. Wer hier ansatzweise etwas erfahren möchte, der muss die Ausschüsse besuchen und hoffen, dass für ihn etwas vom Tisch fällt.
Wie hoch die Wunschsummen der Vereine in Woltersdorf waren, ist nicht bekannt gegeben worden. Bewilligt wurden nur 3 Vereinen Fördergelder von insgesamt 54.300 Euro. Davon erhält der SV 1919 Woltersdorf 50.000 Euro.
In ganz Erkner fand ich keinen Sportverein der 50.000 Euro Fördergelder einstreichen konnte. Erkner gibt für 34 Antragsteller 37.500 Euro aus, Woltersdorf für 3 Antragsteller 54.300 Euro. Dafür hat Erkner gepflasterte Straßen und Woltersdorf nicht und noch einiges Andere hat Woltersdorf nicht, geht auch nicht bei der feudalen Vereinsförderung.

Ein Verein, die Erkneraner Woltersdorfer Karnevalsgesellschaft (EWG), ragt dabei besonders aus der Masse der hier für beide Orte zusammen erwähnten 37 Antragsteller heraus.

Am 7. Februar 2015 beantrage die EWG in Woltersdorf 1700 Euro Fördergelder. In der Summe enthalten 300 Euro für ein in 2014 zurückliegendes Trainingslager. Bis zum Dezember 2015 in dem die Gemeindevertretung von Woltersdorf entschied erhöhte sich der von der EWG gewünschte Förderbetrag auf 2000 und später dann auf 2300 Euro. Diese 2300 Euro wurden in Woltersdorf für 2016 bewilligt.

Gleichzeitig beantragte die EWG in Erkner 7.200 Euro Fördergelder für 2016. Der Hauptausschuss von Erkner empfahl, einen Betrag von 1.240 Euro zu bewilligen. Damit haben wir, stimmt die Stadtverordnetenversammlung dem zu, eine Doppelförderung, die meines Wissen überall in Deutschland verboten ist.

Die Gemeindevertretung Woltersdorf bewilligte nach dem Förderantrag 300 Euro für ein zurückliegendes Ereignis aus dem Jahr 2014, was eigentlich ein Unding ist, rückwirkend für 2014 noch Fördermittel zu beantragen. Hier, für 2014, ist die Doppelförderung durch die Gemeinde Woltersdorf vollendet. Die EWG bekam im Jahr 2014 bereits Fördergelder von der Stadt Erkner.

Solche Doppelförderung würde es nicht geben, hätte sich Erkner an seine Fördersatzung gehalten, in der eine Förderung für nicht in Erkner ansässige Vereine untersagt ist. Die Erkneraner Woltersdorfer Karnevalsgesellschaft ist in Woltersdorf ansässig.

Alles in allem, trotz der unschönen Aktivitäten der EWG, war es ein Ausflug in ein sehr interessantes Thema der Kommunalpolitik, in der Erkner, so sehen wir es, deutlich besser abschneidet als Woltersdorf.

Zusammenfassung:
Erkner hat 11.540 Einwohner, Stand Dez. 2014. Woltersdorf hat 8053 Einwohner, Stand Dez. 2014
Erkner hatte 2015 einen Ergebnishaushalt von rund 14 Millionen
Woltersdorf hatte 2015 einen Ergebnishaushalt von rund 9 Millionen
Erkner fördert 34 Vereine mit 37.500 Euro in 2016
Woltersdorf fördert 3 Vereine mit 54.300 Euro in 2016
Ein Erkneraner fördert 34 Vereine mit 3,26 Euro/Jahr
Ein Woltersdorfer fördert 3 Vereine mit 6,74 Euro/Jahr

  1. Bernds Journal

    Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln, dessen was ist. (Ferdinand Lassalle 1825-1864)

  2. Ich

    1. wäre interessant mal zu wissen, wie der Erkneraner Sportverein seine Sportstätten finanziert.
    In Woltersdorf sieht die Kommune über den Eigenbetrieb für Mieten (Platz und Halle ect.) ne ganze Menge ihres Geldes wieder. Vielleicht hat ja Woltersdorf die Förderrichtlinie linke Tasche rechte Tasche? Hoffentlich halten die anderen still
    2. Thema Transparenz: Klarglas, Ornamentglas, Milchglas, Folie…. alles transparent irgendwie
    bis sich unsere GV darauf verständigt haben dauert seeehhhr lange. Und wenn dann der Glaser aus der falschen Fraktion kommt, gehts wieder von vorne los.
    3. wie gehts denn jetzt weiter mit der EWG – wo kein Kläger ist…
    4. ich finds gut, das immer mal wider bisschen die Schattenseiten und Dummheiten hierzudorfs benannt werden – hoffentlich hilfts – weiter so!!!!

    VG Ich

  3. G. Eggers

    Ein wenig über den Tellerrand schauen lohnt sich immer !

    Im übrigen hätten die Abgeordneten in Woltersdorf auch die Möglichkeit, eine wie in Erkner gelebte Transparenz von der Verwaltung einzufordern. Man nehme eine entsprechende Beschlussvorlage, hebe gemeinsam die Hände und los gehts.

    Ein grosses Kompliment geht an die Redaktion für das Engagement und die Berichterstattung.

  4. Peter Hamann

    Mal abgesehen von der doppelten Förderung ist das eine Riesen Summe für Woltersdorf und erst recht für ein einzigen Verein.

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