Woltersdorf bekommt einen Hospiz in der Schleusenstraße

wenn unsere Gemeindevertretung dem Begehren zustimmt. Auf der Tagesordnung steht das Hospiz nicht. Es wird wohl als unauffällige, kaum öffentlich wahrnehmbare Tischvorlage durchgewunken werden, bevor auch nur ein Bürger Piep sagen kann. Jedenfalls wurde bereits im letzten wilden Bauausschuss davon geflüstert.

In unserem letzten unter dem Vorsitz von Jelle Kuiper, etwas eigenartig abgelaufenen, Bauausschuss trat für die Immanuel-Diakonie GmbH die Sprecherin Angelika Behm (Die Gemeinde will einen Hospiz) auf.

Seit fünf Jahren gebe es Bestrebungen ein festes Hospiz in der Schleusenstraße zu gründen. Die Krankenkassen wären an das Hospiz Wannsee mit der Bitte herangetreten, für die Landkreise Märkisch-Oderland und Landkreis Oder-Spree ein stationäres Hospiz zu bauen. Da in beiden Landkreisen solch eine Einrichtung fehle. Es gebe dort aber zwei ambulante Hospize.

Das war die Kernaussage von Frau Behm. Deshalb, nur deshalb will uns die Immanuel-Diakonie GmbH, die zu einem gewaltigen Konzern gehört (zur Webseite der Bruderschaft), uns mit einem Hospitz beglücken.Der gewaltige Kasten, immerhin 29.5 Meter im Quadrat soll neben dem Krankenhaus gebaut werden. Soweit kann ich der Planung folgen.

Dennoch stellt sich die Frage, besteht überhaupt Bedarf an einem Hospitz in Woltersdorf? Zweifel möchte ich da schon anmelden. In Frankfurt/Oder gibt es zwei stationäre Einrichtungen. Oranienburg hat ein Hospiz. Berlin fast an der Grenze zu Woltersdorf beherbergt mindestens 14 stationäre Hospize. Auch nicht weit, Neuruppin, Eberswalde und Kloster Lehnin. In Luckenwalde ist ein Hospiz geplant, wie weit da das Vorhaben bereits realisiert ist, kann ich momentan nicht sagen. Hinzu kommt noch eine sehr große Zahl ambulanter Hospize.

Die Hospize im Land Brandenburg leiden unter einem Mangel an Fachkräften, sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich, berichtet Angela Schmidt-Gieraths von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Hospiz in Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmarkt). Der Bedarf könne derzeit noch gedeckt werden. Allerdings schwanke das von Region zu Region.
Die Finanzierung der stationären Hospize übernehmen zu 95 Prozent die Krankenkassen, der Rest müsse über Spenden aufgebracht werden, da die „Gäste“ nicht an den Kosten beteiligt werden.
Im Jahr 2015 wurden rund 120 Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Für den 24-stündigen ambulanten Hospizdienst stehen landesweit zusätzlich zu den Fachkräften noch etwa 1100 ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfügung. Dabei engagieren sich auch viele Rentner, die in ihrer zur Verfügung stehenden Zeit anderen Menschen helfen wollen.

Ein weiteres deutschlandweites Problem, dass zu bewältigen ist, sei, dass die Menschen lieber zu Hause als in einem Hospiz sterben wollen, so berichtet Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes. Im Jahr 1996 gab es nur etwa 30 stationäre Hospize, jetzt sind es mehr als 230, in denen im Jahr 2015 rund 19000 Menschen betreut, versorgt und begleitet wurden. Dagegen steht nun der Trend hin zu ambulanter Betreuung, in dem der Mensch bis zum Lebensende in seinem vertrauten Umfeld bleibt. Dies wird durch ambulante Hospizdienste ermöglicht. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter leisten dort in der psychosozialen Begleitung vielfältige Dienste und tragen damit zum Wandel in der Gesellschaft im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen bei.

Mitte der 80ziger Jahre entstanden die ersten ambulanten Hospizdienste in Deutschland. Heute Anfang April 2016 gibt es rund 1500 ambulante Dienste.
Anders sieht es bei den stationären Diensten aus. Da muss zwischen Hospiz und den Palliativstationen in Krankenhäusern unterschieden werden. Im Jahr 1996 gab es 28 Palliativstationen und 30 stationäre Hospize. Im April 2016 sind es nunmehr 304 Palliativstationen und 235 stationäre Hospize. Somit ist die Richtung klar erkennbar, denn auch in einem Hospiz muss die ärztliche Versorgung des „Gastes“ entweder durch den Hausarzt oder mit einem, dem Hospiz angeschlossenen Arzt, sichergestellt werden.

Wie ist die Lage in Woltersdorf. Durch die Nähe von Woltersdorf zu Berlin und auch den anderen Hospitzstandorten in der Nähe, kann eigentlich nicht von einer Unterversorgung gesprochen werden. Einziger wirklich wichtiger Grund wird wohl die wirtschaftliche Nutzung des Grundstücks sein. Die unschöne Eile ist und der Ausraster von der Abgesandten des Konzerns ist verständlich den Woltersdorf, wie viele andere Landstriche auch, droht zum *Elchland* zu werden. Dann wäre das jetzt gut vermarktbare Grundstück wohl deutlich weniger interessant für die Bruderschaft an der Spitze des Konzerns.

*Elchland werden Landstriche genannt, die nach der Gebietsreform eine Art Baustopp bekommen, weil die Innenbereiche der Cities bebaut werden sollen, um der Zersiedlung der Landschaft entgegenzuwirken.